Suchen | Feedback | Inhalt | English
 
 
Organ der
 

GD — Gesellschaft für Dermopharmazie e.V.

   
 

Home
Ausgabe:
1/2015
1/2014
1/2013
1/2012
2/2011
1/2011
1/2010
1/2009
1/2008
2/2007
1/2007
2/2006
1/2006
2/2005
1/2005
2/2004
1/2004
2/2003
1/2003
2/2002
1/2002
4/2001
3/2001
2/2001
1/2001
1/2000
 
 
 
Weitere Links:
 
 
Gesellschaft für
Dermopharmazie
 
 
 
 
 

 
  Ausgabe 1 (2005)

Dermopharmazie aktuell
9. GD-Jahrestagung am 14. und 15. März 2005 in Wien

Erste GD-Tagung in Österreich bot ein abwechslungsreiches Programm

Bericht von Thomas Müller-Bohn, Süsel


Mit ihrer 9. Jahrestagung, die am 14. und 15. März in Wien stattfand, richtete die GD erstmals eine Vortragsveranstaltung in Österreich aus. Etwa 200 Fachbesucher nahmen an der Tagung auf dem Gelände der Veterinärmedizinischen Universität Wien teil. Mit der Wahl des Tagungsortes unterstrich die Gesellschaft ihre internationale Ausrichtung. Das wissenschaftliche Programm reichte von neuen Arzneistoffen und Therapiemöglichkeiten über Fragen der Gesundheitsökonomie bis zur Rezepturherstellung in Apotheken. So setzte die GD auch in Österreich ein Zeichen für leitlinien- und qualitätsorientiertes Arbeiten und den interdisziplinären wissenschaftlichen Dialog.

Das thematisch breit gefächerte wissenschaftliche Hauptprogramm wurde wie bei früheren GD-Jahrestagungen wieder durch Seminare und Symposien zu speziellen Themen ergänzt. Von der GD-Fachgruppe Dermatotherapie wurde zum dritten Mal im Rahmen einer GDJahrestagung ein Symposium zur Gesundheitsökonomie in der Dermatologie ausgerichtet, bei dem neben anderen Themen auch die Auswirkungen der im Januar 2004 in Deutschland in Kraft getretenen Gesundheitsreform zur Sprache kamen (Bericht in der nächsten Ausgabe von DermoTopics).


Austragungsort der 9. GD-Jahrestagung war der erst vor kurzem bezogene Neubau der Veterinärmedizinischen Universität Wien, die vor 240 Jahren durch Kaiserin Maria Theresia gegründet wurde und damit die älteste veterinärmedizinische Hochschule Mitteleuropas ist.

Die GD-Fachgruppe Magistralrezepturen hatte ein Symposium zum Thema "Dermatologische Rezeptur in Deutschland, Österreich und der Schweiz — Gegenwart und Zukunft" organisiert. Ergänzt wurde dieses Symposium durch ein Mittagsseminar, bei dem Probleme der Herstellung und Qualitätssicherung dermatologischer Rezepturen beleuchtet wurden. Über diese beiden Veranstaltungen werden wir ebenfalls in der nächsten Ausgabe von DermoTopics berichten.

Die weiteren Mittagsseminare beschäftigten sich mit Innovationen und Evidenz in der Therapie chronischer Wunden, neuen interdisziplinären Ansätzen zum Therapiemangement und zur Prävention der Windeldermatitis (Bericht ab Seite 27) sowie mit dem Biological Efalizumab als neuer Therapieoption bei mittelschwerer und schwerer Psoriasis. In einem Symposium mit dem Titel "Pimecrolimus in der Dermatologie" berichteten Wissenschaftler aus verschiedenen Fachgebieten über das komplexe Wirkspektrum dieses innovativen dermatologischen Wirkstoffs (Bericht ab Seite 22).

Breite Resonanz bei
Medien und Politik



Zur Eröffnung des wissenschaftlichen Hauptprogramms am 15. März berichtete der GDVorsitzende Dr. Joachim Kresken, Viersen, von der ausgezeichneten Resonanz auf die begleitende Pressekonferenz, die am Vortag stattgefunden hatte. Durch die österreichischen Medien sei so eine breite Öffentlichkeit über die Tagung und die Arbeit der GD informiert worden. Den beiden wissenschaftlichen Tagungsleitern Professor Dr. Claudia Valenta, Wien, und Professor Dr. Werner Aberer, Graz, der Gesellschaft Österreichischer Chemiker und deren Geschäftsführer Dr. Erich Leitner, Wien, sowie allen anderen Helfern dankte Kresken für ihr Engagement bei der Vorbereitung der Tagung. Den Sponsoren sprach er im Namen der Gesellschaft Dank für ihre großzügige Unterstützung aus, ohne die eine Tagung diesen Ausmaßes nicht finanzierbar gewesen wäre.


Dr. Christa Wirthumer-Hoche, hier im Gespräch mit dem wissenschaftlichen Tagungsleiter Professor Dr. Werner Aberer, überbrachte den Tagungsteilnehmern in Vertretung von Ministerin Maria Rauch-Kallat Grüße vom österreichischen Bundesministerium für Gesundheit und Frauen.

Die österreichische Bundesministerin für Gesundheit und Frauen, Maria Rauch-Kallat, wies in ihrem schriftlich übermittelten Grußwort auf die Notwendigkeit einer ständigen Kooperation zwischen Ärzten und Apothekern hin, die sich in der Dermatologie besonders durch die große Bedeutung der Rezepturarzneimittel ergebe. Doch auch die Aufklärungsarbeit und die Früherkennung, beispielsweise im Zusammenhang mit Lichtschutz und Hautkrebs, sieht sie als gemeinsame Aufgaben der Heilberufe in Zusammenarbeit mit der Industrie.

In Vertretung der Ministerin überbrachte Dr. Christa Wirthumer-Hoche, Leiterin der Abteilung für Zulassung von Arzneispezialitäten, Grüße vom österreichischen Gesundheitsministerium. Sie dankte der GD insbesondere für ihr Engagement zur Etablierung von Leitlinien und Standards. Angesichts der hohen Anforderungen an Fertigarzneimittel müssten auch bei Rezepturen hohe Qualitätsansprüche erfüllt werden. Daher schreibe beispielsweise die erst kürzlich novellierte österreichische Apothekenbetriebsordnung nun Endproduktkontrollen vor.


Das Team vom Tagungsbüro mit Jan Kresken, Anne Kresken und Rodrigo Weihermann (von links) sorgte für einen reibungslosen Ablauf der Tagung.


Traditionsreiche Universität
als Gastgeber

Für die gastgebende Veterinärmedizinische Universität Wien wies deren Vizerektor Professor Dr. Peter Swetly auf die lange Tradition dieser Hochschule hin. Während der moderne und groß angelegte Campus auf der "transdanubischen" Seite Wiens mit etwa 2000 Studierenden erst kürzlich bezogen wurde, steht die Hochschule unmittelbar vor den Feierlichkeiten zum 240. Jahrestag ihrer Gründung durch Kaiserin Maria Theresia. Damit ist sie die älteste veterinärmedizinische Hochschule Mitteleuropas.

Nach Einschätzung von Tagungsleiter Professor Dr. Werner Aberer betreffen manche Aspekte des Programms die österreichischen Teilnehmer „noch nicht“, womit er insbesondere auf die Gesundheitsökonomie anspielte. Denn noch könnten in Österreich alle Arzneimittel zu Lasten der Krankenversicherung verordnet werden. Er bezog sich damit aber auch auf einzelne Aspekte der Qualitätssicherung und auf Leitlinien, die noch vor kurzer Zeit von österreichischen Dermatologen abgelehnt und als Einengung der Therapiefreiheit aufgefasst worden seien. Doch werde sich das jetzt ändern.



Dr. Inge Schuster vom Institut für Pharmazeutische Chemie der Universität Wien hielt einen beeindruckenden Vortrag über selektive Inhibitoren von Vitamin D-Hydroxylasen, die neue Perspektiven für die Therapie der Psoriasis und anderer proliferativer entzündlicher Hautkrankheiten eröffnen.

Zum Abschluss der Eröffnungsveranstaltung fand die Verleihung des Dermopharmazie-Innovations Preises (DIP) statt, mit dem die GD in diesem Jahr Professor Dr. Horst Spielmann, Berlin, für seine erfolgreiche Entwicklung von Testverfahren zur Einsparung von Tierversuchen auszeichnete.

Das anschließende wissenschaftliche Hauptprogramm bot Informationen über ein weites Spektrum an Innovationen, neuen Wirkungsmechanismen, neuen Möglichkeiten aus der pharmazeutischen Technologie, neuen Untersuchungsmethoden für die Kosmetologie bis hin zu neuen therapeutischen Aspekten bereits etablierter Arzneimittel. In der ersten Vortragsreihe wurden zwei pharmakologische Targets vorgestellt, die Potenzial für dermatologische, aber auch für andere Indikationen bieten.

Stimulation von
endogenem Vitamin D

Dr. Inge Schuster, Wien, stellte die möglichen Wirkungsweisen selektiver Inhibitoren von Vitamin D-Hydroxylasen vor. Vitamin D wirkt an den unterschiedlichsten Organsystemen. Es ist entscheidend für die Knochenhomöostase, kann die Proliferation und Apoptose von Zellen beeinflussen und hat Effekte auf die Immunmodulation und die Neuroprotektion.

Der in fast allen Zellen vorkommende Vitamin D-Rezeptor ist damit einerseits ein aussichtsreiches Target für Arzneistoffe, andererseits erscheint es schwer, eine spezifische Wirkung an nur einem Zielorgan auszulösen. Zumeist begrenzt das calcämische und damit toxische Potenzial den therapeutischen Einsatz von Vitamin D und seinen Analoga.

Die Wirkform Vitamin D3 (Calcitriol) reguliert intrazellulär ihre eigene Wirksamkeit, indem sie sehr schnell das Cytochrom- P450-Enyzm CYP24 induziert, welches das Vitamin zu einem inaktiven Metaboliten hydroxyliert. Durch die Hemmung dieses Enzyms kann die Wirkung des endogen gebildeten Vitamin D, das konsequenterweise als Hormon bezeichnet werden sollte, verstärkt werden.

Erstaunlicherweise findet diese endogene Synthese auch in Hautzellen von Psoriasispatienten statt. Offenbar ist bei dieser Erkrankung nicht die Synthese von Calcitriol gestört, sondern der Abbau beschleunigt. Die Hemmung des intrazellulären Abbaus von Calcitriol in den Zielzellen durch geeignete Inhibitoren erübrigt die exogene Zufuhr und damit die Gefahr der Überdosierung. Die Enzyminhibitoren müssen jedoch so selektiv sein, dass sie nicht auch das nahe verwandte Enzym CYP27B1 hemmen, das die Bildung des Calcitriols aus den Vorläuferformen katalysiert.

Wie Schuster berichtete, wurden aus 400 Substanzen 30 selektive und potente Enzyminhibitoren ausgewählt. Sie verfügen jeweils über einen Azolrest, der das Molekül direkt an das Hämeisen des Cytochroms bindet, und über verschiedene Seitenketten, die für die selektive Wirkung an der Substratbindungsstelle verantwortlich sind. In den bisherigen Untersuchungen haben diese Substanzen den antiproliferativen Effekt von Vitamin D verstärkt. Damit bietet sich beispielsweise der Einsatz bei Psoriasis an.

Außerdem ist CYP24 möglicherweise ein Onkogen, weil es in vielen Tumoren in relativ hoher Konzentration vorliegt. Dies würde weitere Einsatzmöglichkeiten für CYP24-Inhibitoren eröffnen.

Transkriptionsfaktoren
als arzneiliche Targets


Professor Dr. Wen-Chieh Chen von der Universitäts-Hautklinik in Kaohsiung in Taiwan hatte die weiteste Anreise zur 9. GD-Jahrestagung. In perfektem Deutsch informierte er über die Peroxisom- Proliferator-aktivierten Rezeptoren in Sebozyten, die möglicherweise als neue Zielstruktur für Aknetherapeutika in Frage kommen.

Als weitere mögliche neue Zielstruktur für Pharmaka beschrieb Professor Dr. Wen-Chieh Chen, Kaohsiung (Taiwan), die Peroxisom-Proliferator-aktivierten Rezeptoren (PPAR) und andere verwandte Transkriptionsfaktoren, die in humanen Sebozyten vorkommen. Sie wirken dort, in ähnlicher Weise wie in Adipozyten, auf die Synthese von Sebumlipiden und androgenen Steroiden aus Cholesterol. Diese Synthese ist eng mit der Zelldifferenzierung verbunden.

Die verschiedenen Isoformen der PPAR bilden jeweils Heterodimere mit dem 9-cis-Retinsäure- Rezeptor. In humanen Sebozyten wurden mehrere Isoformen nachgewiesen, die teilweise bereits aus anderen Organen bekannt waren, einige kommen sogar ubiquitär vor. Unterschiedliche Liganden haben in verschiedenen Testsystemen teilweise widersprüchliche Wirkungen.

In der Dermatologie erscheint Akne als die naheliegendste Indikation, die mit PPAR-Liganden behandelt werden könnte. Doch ist noch unklar, welche Subtypen des Rezeptors bei welchem Hautzustand exprimiert sind, welche Unterschiede zwischen den Geschlechtern bestehen, ob agonistische oder antagonische Liganden eher Erfolg versprechen und ob Talgdrüsen überhaupt selektiv anzusprechen sind.


Dr. Erich Leitner, hier im Gespräch mit einer Tagungsteilnehmerin, hatte sich als eines der ersten österreichischen Mitglieder der GD schon seit langem für die Austragung einer GD-Jahrestagung in Österreich stark gemacht. In seiner Funktion als Geschäftsführer der Gesellschaft Österreichischer Chemiker unterstützte er die GD bei der Tagungsorganisation.

Über die PPAR hinaus wurden in humanen Sebozyten weitere verwandte Transkriptionsfaktoren gefunden, beispielsweise ein Leber-X-Rezeptor und der Pregnan-X-Rezeptor, aber nicht der Farnesoid-XRezeptor. Damit bieten sich weitere potenzielle Targets an.

Penetrationsförderung
durch Phloretin

Die Vortragsreihe zur pharmazeutischen Technologie eröffnete Professor Dr. Claudia Valenta, Wien, die das in Äpfeln enthaltene Phloretin als möglichen Penetrationsförderer für dermal applizierte Arzneistoffe vorstellte. Zunächst wurde überprüft, ob das Polyphenol mit Membranen interagiert. Als einfaches Testsystem dienten gefärbte Lipidvesikel, bei denen bekannte Penetrationsförderer eine Farbverschiebung auslösen. In diesem einfachen Modell für das Stratum corneum führte auch Phloretin zu einer Farbverschiebung.

Bei Untersuchungen mit der Differential Scanning Calorimetry verschiebt Phloretin die Transitionstemperatur zu geringeren Werten. Demnach interagiert die Substanz nicht nur mit der Membranoberfläche, sondern auch mit dem Kern der Bilayer. In Testreihen an Hautmodellen wurde die Permeation von Natriumfluorescein und Lidocain durch die Haut verbessert, wenn diese 12 Stunden zuvor mit Phloretin imprägniert wurde oder die Formulierung selbst den Penetrationsförderer enthielt. Die Penetration wurde jedoch in geringerem Maß verbessert als aufgrund von Vorversuchen zu erwarten war.


Professor Dr. Claudia Valenta vom Institut für Pharmazeutische Technologie und Biopharmazie der Universität Wien war bei der 9. GD-Jahrestagung als wissenschaftliche Tagungsleiterin, als Moderatorin und als Referentin aktiv. In ihrem Vortag stellte sie das in Äpfeln enthaltene Polyphenol Phloretin als möglichen neuen Penetrationsförderer für dermal applizierte Arzneistoffe vor.

Höhere Bioverfügbarkeit
durch mukoadhäsive Träger

Dr. Constantia Kritsch, Wien, stellte das Prinzip der Mukoadhäsion und ein darauf beruhendes Konzept für die Arzneistoffapplikation auf Schleimhäuten vor. Mukoadhäsion ist die Fähigkeit von Materialien, an Schleimhäuten zu haften. Eine Tablette, die aus einem mukoadhäsiven Träger besteht, sollte ihren Arzneistoff durch die ionischen Wechselwirkungen zwischen der Tablette und der Schleimhaut gezielt an die Schleimhaut und nicht an die Umgebung abgeben. Außerdem sollte sie längere Zeit an der Schleimhaut haften und so eine verzögerte Abgabe des Wirkstoffs ermöglichen. Der natürliche Turnover der Schleimhaut begrenzt jedoch die Anwendung.

Kritsch setzte das Konzept mit einem Chitosan-Thioglykolsäure- Konjugat um, das mit Clotrimazol zur vaginalen antimykotischen Therapie beladen war. In-vitro-Untersuchungen mit Vaginalschleimhaut vom Rind bestätigten die erwartete gute Anhaftung, die offenbar mit der Zahl der Thiolgruppen des Polymers zunimmt. Dabei verbessert sich das Quellverhalten, das wahrscheinlich durch die Ausbildung von Disulfidbrücken innerhalb des Polymers geprägt wird. Im Gegensatz zu herkömmlichen Tabletten, die beim Quellen zerbrechen, wird das Polymer beim Quellen größer und behält seine Form. Für die Therapie vaginaler Mykosen verspricht das Konzept eine erhöhte Bioverfügbarkeit des Arzneistoffes und eine verkürzte Therapiedauer.


Der bekannte Wiener Phlebologe Professor Dr. Hugo Partsch informierte in einem Mittagsseminar über die phasengerechte Kompressionsbehandlung beim Ulcus cruris venosum. Angeregt durch die Pressearbeit der GD wurde dieses Thema auch von den Medien aufgegriffen. Der Fernsehsender ORF produzierte hierzu einen eigenen Beitrag für sein Gesundheitsmagazin "Modern Times Gesundheit".

Nachweis von freien
Radikalen in der Haut


Ein technologisches Konzept ganz anderer Art präsentierte Dr. Thomas Herrling, Berlin, mit der Messung von UV-induzierten freien Radikalen in der menschlichen Haut. Der besondere Vorteil dieses Verfahrens, das auf der Elektronenspinresonanz basiert, ist die Möglichkeit, freie Radikale in vivo direkt in der Haut und in Echtzeit zu erfassen. Auf die Haut muss nur eine Substanz aufgetragen werden, die die instabilen Radikale abfängt und in stabilere detektierbare Moleküle umwandelt.

Die verwendeten Mikrowellen mit Wellenlängen von 3 und 9,5 Zentimetern ermöglichen größere Eindringtiefen als herkömmliche optische Verfahren. So konnte beispielsweise dargestellt werden, dass UVBLicht nur in die Epidermis und das langwelligere UVA-Licht bis in die Dermis eindringt und daraufhin mehr freie Radikale produziert.

Darüber hinaus bietet das Verfahren Potenzial zur Optimierung von antioxidativen Zubereitungen und Sonnenschutzmitteln. So konnte zum Beispiel gezeigt werden, dass hoch wirksame Antioxidantien einen ähnlich guten Schutz vor freien Radikalen bieten wie mäßig starke UV-Filter. Bei alleinigem Einsatz erreichen die Antioxidantien aber nicht die Schutzwirkung starker UV-Filter.

Evidenz auch in der
Kosmetologie


Der stellvertretende GD-Vorsitzende Professor Dr. Hans Christian Korting von der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie der Ludwig-Maximilians- Universität München stellte in einem Grundsatzreferat sein Konzept der evidenzbasierten Kosmetologie vor.


In einem Grundsatzreferat plädierte der stellvertretende GDVorsitzende Professor Dr. Hans Christian Korting, München, für eine Anwendung des Konzepts der evidenzbasierten Medizin (EBM) auch im Bereich der Wirksamkeitsprüfung von Kosmetika. Nach Kortings Vorstellungen sollte für ein Kosmetikum mit ausgelobtem Wirkstoff in wenigstens einer randomisierten kontrollierten Studie am Menschen gezeigt worden sein, dass die beanspruchte Wirkung des Mittels größer ist als die der korrespondierenden Formulierung ohne Wirkstoff.

Konkrete Beispiele, bei denen dieses Konzept erfolgreich angewendet wurde, gibt es bereits. Korting erwähnte eine stabilisierte fünfprozentige Vitamin- C-Creme zur Verbesserung des Zustands lichtgeschädigter Altershaut, eine 40-prozentige Harnstoff-Zubereitung, die zur Anwendung bei Xerosis der Fußsohlen empfohlen wird, eine zweiprozentige Coffein- Liposomen-Creme, die sich im Gegensatz zur einprozentigen Variante als wirksam bei Cellulite erwies, und eine Creme mit 0,25 Prozent eines Extraktes aus Centella asiatica zur Verhütung von Schwangerschaftsstreifen.

Zugleich räumte der Referent Missverständnisse im Zusammenhang mit der EBM aus. Obwohl dort der angemessene Gebrauch des gegenwärtig besten Wissensstandes gefordert wird, müsse dieser jeweils auf die individuelle Problemstellung bezogen werden. Kontrollierte randomisierte klinische Studien und Metaanalysen seien zwar die bevorzugten Informationsquellen der EBM, doch sei, wenn keine besseren Informationen vorliegen, auch Erkenntnismaterial mit niedrigerem Evidenzgrad ausdrücklich zugelassen.

Zudem sei zu beachten, dass die Überlegenheit randomisierter klinischer Studien bisher noch nicht in einer randomisierten Untersuchung nachgewiesen wurde. „Evidence-based medicine is not evidence based“, folgerte Korting, forderte aber zugleich, das Konzept der EBM sowohl bei dermatologischen als auch bei kosmetologischen Fragestellungen, wann immer möglich, anzuwenden und die Ergebnisse praktisch zu nutzen.

Messung der lichtbedingten
Hautalterung

In der anschließenden Vortragsreihe zur Dermokosmetik stellte Dr. Paul-G. Sator, Wien, die Möglichkeit der objektiven Charakterisierung der lichtbedingten Hautalterung mit Hilfe von hochfrequentem Ultraschall vor. Mit 20 MHz-Ultraschall kann der Hautzustand bis zu einer Eindringtiefe von 20 Millimetern dargestellt und die Hautalterung erfasst werden.

In einer Untersuchung an 124 Personen, von denen die Hälfte PUVA-behandelte Psoriasispatienten waren und die andere Hälfte gesunde Haut hatte, wurde gezeigt, wie die Dicke der Haut altersabhängig abnimmt. Außerdem war die Haut bei den PUVA-behandelten Patienten dosisabhängig dünner als bei nicht behandelten Personen gleichen Alters. Zudem konnte nachgewiesen werden, dass die Haut von Frauen dünner ist als die von gleichaltrigen Männern.


Die Moderatorentische bei der 9. GD-Jahrestagung waren alle interdisziplinär besetzt, hier mit dem pharmazeutischen Chemiker Privatdozent Dr. Oliver Werz (links) aus Frankfurt am Main und dem Dermatologen Professor Dr. Dr. Thomas Ruzicka aus Düsseldorf.

Nach Einschätzung des Referenten bietet sich das praktikable nicht-invasive Verfahren nicht nur zur Untersuchung der Auswirkungen einer PUVA-Therapie, sondern auch zur Abklärung anderer Fragestellungen im Zusammenhang mit der lichtbedingten Hautalterung an.

Auf Einsteins Spuren
Eine geringere Eindringtiefe, dafür aber eine wesentlich feinere Auflösung bietet die optische Kohärenztomographie. Wie Privatdozentin Dr. Julia Welzel, Augsburg, erläuterte, beruht das Verfahren auf der Michelson-Interferometrie, die Einstein zur Speziellen Relativitätstheorie angeregt hat. Mit einer Detektionstiefe von bis zu einem Millimeter und einer Auflösung von vier Mikrometern werden zweidimensionale Tiefenschnittbilder geliefert, in denen corneale, epidermale und dermale Strukturen unterschieden werden können.

Welzel demonstrierte die Leistungsfähigkeit der Technik anhand zahlreicher Beispiele, insbesondere aus der Verlaufskontrolle bei der Wundheilung. Außerdem kann das Verfahren zur Diagnostik von Hauttumoren sowie zur Verlaufskontrolle entzündlicher Hauterkrankungen und zur Quantifizierung von Therapieeffekten eingesetzt werden. Auch die Verdickung der Hornschicht durch Okklusion und die Atrophie nach Einsatz von topischen Glukokortikoiden sind gut erfassbar.


An der 9. GD-Jahrestagung nahmen auch zahlreiche Fachjournalisten teil, hier im Bild Dr. Christiane Berg von der Pharmazeutischen Zeitung und Thomas Müller-Bohn, der für die Deutsche Apotheker Zeitung und für DermoTopics im Einsatz war.

Zusammenfassend kann die Technik der optischen Kohärenztomographie helfen, Forschungsergebnisse zu objektivieren und zusätzliche Informationen zur Morphologie der oberflächlichen Hautbestandteile zu erhalten. Besondere Vorteile sind die nicht-invasive Vorgehensweise, die Erfassung in Echtzeit und der geringe Aufwand im Vergleich zur Histologie.


Auf die Spuren von Albert Einstein begab sich die früher an der Medizinischen Universität Lübeck und jetzt am Klinikum Augsburg tätige Dermatologin Privatdozentin Dr. Julia Welzel. Das von ihr vorgestellte Bioengineering-Verfahren der optischen Kohärenztomographie beruht auf der Michelson- Interferometrie, die Einstein zur Speziellen Relativitätstheorie angeregt hat.

Wollwachsallergien
oft zweifelhaft


Einen differenzierten Umgang mit dem Problem der Wollwachsallergie forderte Professor Dr. Werner Aberer, Graz. Wollwachaalkohole (Lanolin), die als das kontaktallergene Prinzip von Wollwachs angesehen werden, finden breite Verwendung in topischen Dermatika, Kosmetika, Haushaltsprodukten und Berufsstoffen.

So groß die Bedeutung von Wollwachsalkoholen in Produkten des täglichen Lebens ist, so umstritten ist ihre Relevanz als Kontaktallergen. Der bekannte amerikanische Dermatologe Kligman stellte ihre sensibilisierende Wirkung in Abrede und bezeichnete die Lanolinallergie als Mythos. Andererseits nehmen Wollwachsalkohole mit Sensibilisierungsquoten um vier Prozent einen führenden Platz in den Allergenhitlisten ein.


Professor Dr. Thomas Luger (links), hier im Bild mit dem GD-Vorsitzenden Dr. Joachim Kresken, ist zusammen mit Professor Dr. Klaus Müller wissenschaftlicher Leiter der 10. GD-Jahrestagung, die am 4. und 5. April in Münster/Westfalen stattfinden wird.

Einfach positive Testreaktionen auf Lanolinalkohole sollten demnach durch einen Gebrauchstest abgesichert werden, bevor unkritisch ein Allergiepass auf diese weit verbreitete Substanzgruppe mit allen nachteiligen Folgen für die Betroffenen ausgestellt wird.


Entzündungshemmung
durch Hyperforin



Auch bei der 9. GD-Jahrestagung wurde wieder reichlich von der Möglichkeit des interdisziplinären und interprofessionellen Gedankenaustauschs Gebrauch gemacht. Eine gute Gelegenheit hierzu bot die von der GD organisierte Abendveranstaltung im Weinhaus Heuriger Reinprecht in Wien-Grinzing.


Die Vortragsreihe zur Dermatopharmakologie und Dermatotherapie eröffnete Privatdozent Dr. Oliver Werz, Frankfurt am Main, der neue Erkenntnisse zum Mechanismus der antiinflammatorischen Eigenschaften von Hyperforin, einem Acylphloroglucinolderivat aus Hypericum perforatum (Johanniskraut), vorstellte. Neben der etablierten Verwendung als Antidepressivum werden Johanniskraut- Zubereitungen auch zur Hautpflege bei entzündlichen Hauterkrankungen, Verbrennungen und schlecht heilenden Wunden eingesetzt. Molekulare Basis für die antiinflammatorischen Eigenschaften von Hyperforin ist eine Hemmung der Cyclooxygenase- 1 (COX-1) und der 5- Lipoxygenase (5-LO). Hyperforin supprimiert diese beiden an der Arachidonsäurekaskade beteiligten Schlüsselenzyme in vitro und in vivo in relativ niedrigen Konzentrationen. Die COX-1-Hemmung in menschlichen Thrombozyten ist zum Beispiel drei- bis 18-fach stärker als die von Acetylsalicylsäure. Die COX-2 wird dagegen durch Hyperforin nicht inhibiert.

Als dualer Inhibitor der COX-1 und der 5-LO sowohl in intakten Zellen als auch in zellfreien Systemen besitzt Hyperforin therapeutisches Potenzial bei entzündlichen und allergischen Erkrankungen, die mit Eikosanoiden in Verbindung stehen.


Privatdozent Dr. Oliver Werz vom Institut für Pharmazeutische Chemie der Universität Frankfurt am Main erläuterte den Mechanismus der entzündungshemmenden Wirkung von Hyperforin.


Apoptose durch Imiquimod

Eine Substanz, die bereits therapeutisch eingesetzt wird, bei der aber noch ein zusätzlicher Wirkungsmechanismus vermutet wird, ist Imiquimod, das Professor Dr. Eggert Stockfleth, Berlin, vorstellte. Bislang ist Imiquimod zur topischen Therapie von Feigwarzen und oberflächlichen Basaliomen zugelassen.

Imiquimod gehört zu den Immunstimulatoren vom Typ der Toll-like-Rezeptor-7-Agonisten. Es bindet an dendritische Zellen und vermittelt über den Th1-Weg eine gesteigerte Immunität gegenüber Viren und Tumoren. Dabei wird die angeborene mit der erworbenen Immunität verbunden.

Darüber hinaus konnte nun gezeigt werden, dass Imiquimod in menschlichen Epithelzellen und Keratinozyten sowie in Maus-Fibroblasten Apoptose induziert. Daher könnten auch apoptotische Prozesse an der Wirkung beteiligt sein.


Professor Dr. Eggert Stockfleth von der Klinik für Dermatologie am Universitätsklinikum Charité in Berlin ist federführender Autor der neuen Leitlinie "Aktinische Keratose", die in Zusammenarbeit mit der GD erarbeitet wurde (siehe hierzu Bericht auf Seite 8). Bei der 9. GDJahrestagung informierte er über Neuigkeiten zum Wirkungsmechanismus des lokalen Immunstimulators Imiquimod.

Nukleäre Hormonrezeptoren
als therapeutische Targets


Im letzten Vortrag der Tagung stellte Professor Dr. Matthias Schmuth, Innsbruck, die Perspektiven nukleärer Hormonrezeptoren als therapeutsche Zielstrukturen vor. Zu den nukleären Hormonrezeptoren gehören neben den klassischen Glukokortikoid-, Mineralokortikoid-, Östrogen-, Progesteron- und Androgen-Rezeptoren auch die aus der Dermatotherapie bereits bekannten Retinoid-Rezeptoren, der Vitamin D-Rezeptor, die Leber-XRezeptoren (LXR) und die im Vortrag von Chen (siehe oben) angesprochenen Peroxisom- Proliferator-aktivierten Rezeptoren (PPAR).

Bevor nukleäre Hormonrezeptoren ihre Wirkung ausüben können, müssen sie durch spezifische Liganden aktiviert werden. Danach modulieren sie im Zellkern die Aktivität von Genen. Sie wirken auf Schlüsselgene der Signaltransduktion, der Proliferation, der Differenzierung, der Apoptose und der Entzündung ein. Angesichts der therapeutischen Erfolge mit den schon länger bekannten Rezeptoren lassen auch die noch nicht so lange bekannten LXR und PPAR Potenzial für die medizinische Nutzung erwarten.

Anders als die klassischen Hormonrezeptoren werden LXR und PPAR vielfach durch lipophile Substanzen ohne Steroidstruktur aktiviert. Es wird angenommen, dass jeder Rezeptor distinkte Signaltransduktionswege reguliert und dass die Richtung der Regulation zusätzlich durch die Wahl des Liganden gesteuert werden kann. Dementsprechend zeichnen sich die verschiedenen Rezeptoren durch differenzielle Wirkprofile aus, die möglicherweise für die dermatologische Therapie nutzbar gemacht werden können.


Ausblick auf die
10. GD-Jahrestagung


Zum Abschluss des wissenschaftlichen Hauptprogramms sprach Professor Dr. Matthias Schmuth von der Hautklinik der Medizinischen Universität Innsbruck über neuere Aktivatoren für nukleäre Hormonrezeptoren und deren Perspektiven in der dermatologischen Therapie.

Wie der stellvertretende GD-Vorsitzende Professor Dr. Hans Christian Korting, München, in seinem zusammenfassenden Schlusswort darlegte, bot das wissenschaftliche Hauptprogramm der 9. GD-Jahrestagung neben einigen derzeit bereits praktisch genutzten Aspekten in erster Linie Einblicke in die erwarteten Möglichkeiten der Dermatotherapie und der Dermokosmetik von morgen. Wie schon heute bemerkenswerte Effekte zu erreichen und welche Probleme dabei zu lösen sind, wurde vorrangig in den diversen begleitenden Symposien und Mittagsseminaren der Tagung dargestellt.

Über weitere Fortschritte auf den verschiedenen Gebieten der Dermopharmazie wird die 10. GD-Jahrestagung informieren, die am 4. und 5. April 2006 in Münster/Westfalen stattfinden wird. Wissenschaftliche Tagungsleiter sind der Direktor der Universitäts-Hautklinik und Generalsekretär der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft, Professor Dr. Thomas Luger, sowie Professor Dr. Klaus Müller vom Institut für Pharmazeutische Chemie der Universität Münster.

Sponsoren der Jahrestagung

Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Novartis AG, Basel
Bayer Vital GmbH Consumer Care, Köln
Dr. August Wolff GmbH & Co. Arzneimittel, Bielefeld
Hermal Kurt Herrmann GmbH & Co., Reinbek
Lohmann & Rauscher GmbH & Co. KG, Rengsdorf
Lohmann & Rauscher GmbH, Wien
Mundipharma GmbH, Limburg/Lahn
Serono GmbH, Unterschleißheim
Caesar & Loretz GmbH, Hilden
Dermapharm AG, Grünwald
Intendis Dermatologie GmbH, Berlin
Pharmazeutische Kontroll- und Herstellungs GmbH,
Halle/Saale

















nach oben
Juli 2005 Copyright © 2000 - 2016 ID-Institute for Dermopharmacy GmbH. Kontakt: webmaster@gd-online.de