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  Ausgabe 1(2007)

Mitteilungen der GD
Pressekonferenz der GD Task Force „Licht.Hautkrebs.Prävention“

Heller Hautkrebs — gute Chancen gegen eine verkannte Gefahr


Die Task Force „Licht.Hautkrebs.Prävention“ der Gesellschaft für Dermopharmazie beschäftigt sich in vielerlei Hinsicht mit Fragen der Vorbeugung und Behandlung von lichtbedingtem Hautkrebs. Im Fokus der Expertengruppe stehen vor allem die nicht melanozytären Hautkrebsformen, für die sie den Begriff „Heller Hautkrebs“ geprägt und verbreitet hat. Bei einer Pressekonferenz am 24. November 2006 in der Hautklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München gab die Task Force einen Überblick über den aktuellen Wissensstand zum hellen Hautkrebs. Außerdem stellte sie ihr neues, unter der Anschrift www.licht-hautkrebs-praevention.de eingerichtetes Internetportal und ihr als Marke eingetragenes Logo vor.

Nach Auffassung der Gruppe gibt es viele gute Gründe für konsequenten Lichtschutz und regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen beim Dermatologen. Denn bei früher Diagnose ist heller Hautkrebs zunehmend gut behandelbar. Obwohl noch viele Details zu erforschen sind, ist der Zusammenhang zwischen UV-Bestrahlung und Krebsentstehung heute grundsätzlich unbestritten.

Vielgestaltige Schädigungen
durch UVB- und UVA-Strahlung


Beteiligt an dem Tumorrisiko ist nicht nur die für den Sonnenbrand verantwortliche UVB-Strahlung, sondern auch die zur Hautbräunung führende und lange Zeit als unschädlich angesehene UVA-Strahlung. Widersprüchlich sind allerdings manche Beobachtungen zur Lichtmenge und Häufigkeit verschiedener Krebsarten — nicht zuletzt wegen der langen Zeit, die zwischen der Lichteinwirkung und der Krebsdiagnose vergehen kann.

Privatdozentin Dr. Susanne Grether-Beck vom Institut für Umweltmedizinische Forschung an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf verdeutlichte die Schädigungsmechanismen auf molekularer Ebene. Der Zellkern ist besonders durch Verknüpfungen innerhalb der DNA (Bildung von Dimeren aus Cyclobutanpyrimidin) betroffen.

Solche Verknüpfungen können durch Enzyme vom Typ der Photolyase teilweise wieder gespalten werden – ein Prinzip, das in modernen Lichtschutzpräparaten ausgenutzt wird. Daneben kann UVB-Strahlung die Genregulation im Zellinnern verändern und damit Krebs auslösen, während UVA-Strahlung direkt an der Zelloberfläche wirkt.

Wie die Einflüssich die Effekte nach Bestrahlung mit Licht ausgewählter Wellenlängen zum Teil erheblich von den Wirkungen des natürlichen Sonnenlichtes. Enzyme vom Typ der „Mitogen Activated Protein“ (MAP)-Kinasen bilden wegen ihrer Schlüsselstellung in der Signalübertragung ein aussagekräftiges Ziel, das Rückschlüsse auf die Schädigung der gesamten Funktion der Zellen erlaubt.

Zwischen den Effekten der Strahlen verschiedener Wellenlängen existieren offenbar vielfältige Wechselwirkungen („crosstalks“), die erst seit kurzem erforscht werden.



Der Dermatologe Professor Dr. Thomas L. Diepgen ist Sprecher der GD Task Force „Licht.Hautkrebs.Prävention“. Bei der Pressekonferenz am 24. November 2006 in München zeigte er anhand von Studiendaten, dass die Häufigkeit der hellen Hautkrebsformen über Jahrzehnte kontinuierlich zugenommen hat.

So könnte zum Beispiel ein gewisses Maß an UVA-Bestrahlung einen Schutz vor UVB-Strahlung bieten. Solange noch kein optimales Verhältnis zwischen den Strahlungsarten bekannt ist, sollten Lichtschutzpräparate deshalb die Strahlungsintensität insgesamt vermindern und nicht nur bestimmte Zu den Zielen der GD Task Force „Licht.Hautkrebs.Prävention“ gehört es, die hellen Hautkrebsformen stärker in das öffentliche Bewusstsein zu rücken. Dafür hat die Task Force jetzt unter der Anschrift www.licht-haut-krebs-praevention.de ein eigenes Internetportal mit umfangreichen Informationen rund um das Thema „Licht und Haut“ eingerichtet.

Grundsätzlich sollten Sonnen schutzmittel nicht nur vor UVB-Strahlung schützen, wie dies der gängige Lichtschutzfaktor (LSF) beschreibt, sondern auch vor übermäßiger UVA-Strahlung. Bislang gibt es jedoch noch keine allgemein anerkannte Methode zur Bestimmung und Deklaration des UVA-Schutzes.

Häufigkeit von hellem
Hautkrebs weiter zunehmend



„Die Häufigkeit der hellen Haut krebsformen hat über Jahrzehnte kontinuierlich zugenommen“, erklärte Professor Dr. Thomas L. Diepgen vom Universitätsklinikum Heidelberg, Abteilung Klinische Sozialmedizin. Verantwortlich dafür sind vor allem das veränderte Freizeitverhalten, die höhere Lebenserwartung und die abnehmende Ozonschicht.

Die häufigste Tumorform der hellhäutigen Bevölkerung überhaupt ist das Basaliom. In den USA wurde 1994 geschätzt, dass von 100.000 Einwohnern weißer Hautfarbe jährlich etwa 81 bis 136 Männer und 26 bis 59 Frauen neu an einem Basaliom erkranken, was Professor Diepgen vor dem Hintergrund weiterer Studien eher als Unterschätzung betrachtet..

Von hoher Häufigkeit ist auch die als Präkanzerose geltende aktinische Keratose, die so genannte „raue Lichtschwiele“. Aus einer nicht behandelten aktinischen Keratose kann sich später ein Metastasen bildendes Plattenepithelkarzinom entwickeln, was gemäß einer britischen Studie bei Männern in etwa 15 Prozent und bei Frauen in etwa sechs Prozent der Fälle geschieht. Für das Plattenepithelkarzinom wird angenommen, dass sich die Erkrankungshäufigkeit verdoppelt, wenn Menschen im Verlauf ihres Lebens 40 Prozent mehr UV-Strahlung ausgesetzt sind.

Diese Erkenntnis eröffnet einen einfachen Ansatz zur Vorsorge: In einer Studie im australischen Queensland ließ sich die Häufigkeit von Plattenepithelkarzinomen durch die tägliche Anwendung von Lichtschutzmitteln signifi kant senken. Professor Diepgen folgerte daraus, dass Lichtschutzmittel eine praktikable Möglichkeit zur Prävention von hellem Hautkrebs bieten. Vorrangige Präventionsmaßnahmen seien jedoch die Vermeidung der Sonnenbestrahlung und der textile Sonnenschutz.

Evidenzbasierte Therapie
von hellem Hautkrebs


Über die Therapiemöglichkeiten von hellem Hautkrebs informierte Professor Dr. Hans Christian Korting von der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie der Ludwig-Maximillians-Universität München. Er verwies auf die Leitlinie „Aktinische Keratose“ vom 8. September 2004, die unter Beteiligung der GD Task Force „Licht.Hautkrebs.Prävention“ erarbeitet und unter der Internet-Adresse www.gd-online.de veröffentlicht wurde.


Zu den Zielen der GD Task Force „Licht.Hautkrebs.Prävention“ gehört es, die hellen Hautkrebsformen stärker in das öffentliche Bewusstsein zu rücken. Dafür hat die Task Force jetzt unter der Anschrift www.licht-hautkrebs-praevention.de ein eigenes Internetportal mit umfangreichen Informationen rund um das Thema „Licht und Haut“ eingerichtet.

Gängige operative und physikalische Behandlungsverfahren sind die unspezifi sch wirkende Kälteanwendung, die mechanische Abtragung, die chirurgische Entfernung, verschiedene Formen der Lasertherapie und die photodynamische Therapie (PDT). Bei Letzterer wird die Haut mit sichtbarem Licht bestrahlt nach vorheriger Auftragung einer lichtempfindlich machenden Substanz, die bevorzugt von den Tumorzellen aufgenommen wird.

Als Alternativen zu diesen Behandlungsformen bieten sich zunehmend äußerlich anzuwendende Arzneimittel an. Die betreffenden Salben oder Gele werden meistens zweimal täglich über einige Wochen oder Monate auf die betroffenen Hautstellen aufgebracht.

Als Wirkstoffe werden dabei das aus der Tumorbehandlung bekannte 5-Fluorouracil, das über eine Steigerung der körpereigenen zellulären Immunantwort wirkende Imiquimod sowie das aus der Schmerz- und Rheumabehandlung bekannte Diclofenac eingesetzt. Diclofenac ist in Europa und den USA in Form eines dreiprozentigen Gels mit der Trägersubstanz Hyaluronsäure (2,5 Prozent) zur Behandlung aktinischer Keratosen zugelassen. Durch die Hyaluronsäure wird die Bioverfügbarkeit von Diclofenac in der Haut erhöht.

Die Wirksamkeit von Diclofenac bei aktinischen Keratosen wird, wie die antirheumatische Wirkung, über eine Hemmung des Enzyms Cyclooxygenase-2 erklärt. Drei wesentliche Aspekte der Tumorbildung – die Proliferation, das Gefäßwachstum und das Differenzierungsverhalten – können durch Hemmstoffe dieses Enzyms beeinfl usst werden.

Dieses theoretische Konzept hat sich in klinischen Untersuchungen an Patienten mit aktinischen Keratosen auch praktisch bewährt. Zur Zeit wird erforscht, inwieweit das Diclofenac-Gel auch prophylaktisch wirksam ist.

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