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GD — Gesellschaft für Dermopharmazie e.V.

   
 

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  Ausgabe 1 (2009)

Dermopharmazie aktuell
13. GD-Jahrestagung in Heidelberg

Das vielfältige Programm war Spiegelbild des interdisziplinären Charakters der GD


Bericht von Franziska Wartenberg, Stuttgart

Mit einem vielfältigen und breit gefächerten Programm bot die 13. Jahrestagung der Gesellschaft für Dermopharmazie vom 30. März bis 1. April 2009 in Heidelberg eine höchst informative Plattform zu verschiedensten Themen rund um die Dermopharmazie. In seinem Grußwort lobte der wissenschaftliche Tagungsleiter, Professor Dr. Thomas L. Diepgen von der Abteilung Klinische Sozialmedizin am Universitätsklinikum Heidelberg, die Zusammenarbeit von Dermatologen, Pharmazeuten und anderen auf dem Gebiet der Dermopharmazie tätigen Fachleuten als Ausdruck des interdisziplinären Charakters der Gesellschaft. Die 220 Teilnehmer nutzten die Tagung, um sich über neue Entwicklungen auf den verschiedenen Teilgebieten der Dermopharmazie zu informieren und auszutauschen.
Die Beiträge des wissenschaftlichen Hauptprogramms, über die im Folgenden berichtet wird, spiegelten das vielfältige Spektrum der Aktivitäten der GD wider. In Ergänzung zum wissenschaftlichen Hauptprogramm fanden drei von Fachgruppen der GD organisierte Symposien, sechs Firmenseminare, ein Symposium zu allergischen Spät- und Soforttypreaktionen an Haut und Nasenschleimhaut sowie ein Rezeptur-Workshop des Apothekennetzwerkes „hautapotheke.de“ statt.

Der GD-Vorsitzende Dr. Joachim Kresken, Viersen, dankte in seiner Eröffnungsrede sowohl den insgesamt 54 Referenten als auch den in diesem Jahr wieder zahlreichen Sponsoren der Tagung (Kasten, Seite 15) für ihr Engagement. In einem Dankwort an den wissenschaftlichen Tagungsleiter gab Kresken seiner Freude Ausdruck, den lang gehegten Wunsch nach einer gemeinsam mit Professor Diepgen gestalteten Tagung erfüllt zu sehen.


Der wissenschaftliche Tagungsleiter Professor Dr. Thomas L. Diepgen (links) und der GD-Vorsitzende Dr. Joachim Kresken freuten sich, mit der erfolgreich verlaufenen 13. GD-Jahrestagung ihren lang gehegten Wunsch erfüllt zu sehen, einmal gemeinsam eine Tagung von interdisziplinärer Bedeutung auszurichten.

Im Rahmen der Eröffnung des wissenschaftlichen Hauptprogramms wurde auch der diesjährige Dermopharmazie-Innovationspreis der GD verliehen. Die Auszeichnung erhielt Professor Dr. Christel Müller-Goymann vom Institut für Pharmazeutische Technologie der Universität Braunschweig für ihre herausragenden Arbeiten zur Entwicklung von Trägersystemen für die optimierte topische Applikation von Arzneistoffen (siehe dazu auch diesen Bericht).

Perspektiven von Weihrauch
in der dermalen Anwendung
Mit einem Referat zum dermatologischen Potenzial von Weihrauch eröffnete Professor Dr. Oliver Werz, Tübingen, die Vortragsreihe „Dermopharmazeutische Chemie und Dermopharmazeutische Biologie“. Bereits seit Jahrtausenden in der Ayurvedischen Heilmedizin gegen Entzündungen angewandt, sind gemäß vieler Studien vor allem die im Weihrauch enthaltenen Boswelliasäuren in der Lage, zentrale Signalinduktionsmechanismen (zum Beispiel über Kinasen) in Zellen zu beeinträchtigen und so die Ausschüttung und Aktivierung von Enzymen und proinflammatorischen Mediatoren, wie Cytokine, Prostaglandine und Leukotriene, zu hemmen.

Zum wissenschaftlichen Arbeitsgebiet von Professor Dr. Oliver Werz, Institut für Pharmazeutische Chemie der Eberhard-Karls-Universität Tübingen, gehören Untersuchungen zum dermatologischen Potenzial von Weihrauch.

Als pharmakologische Targets ließen sich unter anderem 5-Lipoxygenase, Leukozytenelastase und Topoisomerase identifizieren. Durch Blockade dieser Enzyme kann das Entzündungsgeschehen gestoppt werden. Bei der Suche nach weiteren möglichen Targets gelang es der Arbeitsgruppe um Werz, auch humanes Cathepsin G als hochaffines Zielenzym zu identifizieren. Die neutrale Serinprotease ist ein maßgeblicher Botenstoff in der Entzündungskaskade.

Die pharmakologische Relevanz von Weihrauch gegen Cathepsin G konnte in einer Doppelblindstudie mit Morbus-Crohn-Patienten nachgewiesen werden. In dieser Studie zeigte sich, dass die Aktivität des entzündungsfördernden Enzyms durch die tägliche Einnahme von zwei Kapseln mit jeweils 400 Milligramm Weihrauchextrakt über 52 Wochen um mehr als 60 Prozent reduziert wurde.

Das Potenzial von Weihrauchextrakten in topischen Zubereitungen als Inhibitor inflammatorischer Enzyme ist derzeit Gegenstand weiterer wissenschaftlicher Untersuchungen. Aufgrund ihrer ausgeprägten Lipophilie erscheint eine Aufnahme der Boswelliasäuren in die Haut möglich.

Antivirale Wirkung von
ätherischen Ölen
Einen vielversprechenden Ansatz zur Behandlung rezidivierender Herpes-simplex-Episoden stellte Professor Dr. Jürgen Reichling vor. Sein Arbeitskreis am Institut für Pharmazie und Molekulare Biotechnologie der Universität Heidelberg untersuchte in vitro die Wirkung verschiedener ätherischer Öle gegen Herpes-simplex-Viren Typ 1 (HSV-1) und Typ 2 (HSV-2). Dabei wurde im Plaquereduktions-Test der Effekt der Testöle in maximal nicht zytotoxischen Konzentrationen zu unterschiedlichen Zeiten während des viralen Infektionszyklus verfolgt.

Die Ergebnisse zeigten, dass eine Vorbehandlung der Wirtszellen keinerlei Einfluss auf das Eindringen des Virus hatte. Erfolgreicher hingegen war die Wirkung der ätherischen Öle auf freie Herpes-Viren. Hier konnte die Plaquebildung bei HSV-1 um mehr als 95 Prozent und bei HSV-2 um mehr als 90 Prozent reduziert werden. Eine intrazelluläre Virusreplikation ließ sich nicht verhindern, so dass wahrscheinlich auch keine Resistenzen gegenüber den ätherischen Ölen zu erwarten sind.

Als mögliche virustatische Ursache diskutierte Reichling den Angriff ätherischer Ölbestandteile auf die Glykoproteine der Virushülle. Diese Strukturen sind entscheidend für die Zellanheftung und das Eindringen der Viren in die Wirtszelle. Im Ergebnis beeinflussen ätherische Öle nur die Infektiosität umhüllter DNA- beziehungsweise RNA-Viren, während sie gegen nicht umhüllte Erreger wirkungslos sind.

Zwar stehen umfassende klinische Tests noch aus, doch sind nach Einschätzung von Reichling ätherische Öle durchaus in entsprechenden topischen Zubereitungen für die Therapie rezidivierender Herpesinfektionen geeignet. Eine Pilotstudie mit prophylaktisch angewendetem Teebaumöl zeigte, dass die Eruption von Lippenherpesbläschen unterdrückt und die Abheilzeit von bereits bestehenden Läsionen von sieben auf drei Tage verkürzt werden konnte.

Industrielle Darstellung von
dermatologischen Wirkstoffen
Welche Herstellungsschritte und Problemfelder bewältigt werden müssen, um neue dermatologische Wirkstoffe von der Entwicklungsphase in die industrielle Großproduktion zu bringen, erklärte Dr. Ralf Zuhse, Luckenwalde, am Beispiel von Sphingosin-1-phosphat. Diese Substanz aus der Gruppe der Sphingolipide wurde für die topische Aknetherapie entwickelt und lässt sich aufgrund ihrer Struktureigenschaften gut in Lipidnanopartikel einarbeiten.

Ausgehend von der Aminosäure Serin erfolgt die Totalsynthese über 10 Stufen, in deren Verlauf sich Erschwernisse für die Produktion im Industriemaßstab ergeben. Zuhse beschrieb dazu mehrere Problemfelder: Unter anderem gelte es, sowohl die Säulenchromatographie als auch den Einsatz umfangreicher Mengen flüssigen Ammoniaks aus Kostengründen großtechnisch zu vermeiden. Gleichzeitig müsse die Stabilität von Zwischenstufen gewährleistet bleiben.

Hinzu kommt das Verunreinigungsprofil des Endgemisches durch Nebenprodukte. So müssen inaktive oder sogar toxische Stereoisomere von der aktiven Form abgetrennt werden, und die Reinheit des Endproduktes ist mittels etablierter analytischer Methoden, wie der Hochdruckflüssigkeitschromatographie (HPLC), zu garantieren.

Terpenhaltige Liposomen als
Trägersystem für Temporfin
Das Problem, bestimmte Wirkstoffe mit Hilfe von Liposomen gezielt in tiefere Hautschichten zu transportieren, griff Professor Dr. Alfred Fahr, Jena, zu Beginn der Vortragsreihe „Dermopharmazeutische Technologie, Dermatopharmakologie und Dermatotoxikologie“ auf. So zeigt der Photosensitizer Temporfin zwar große Vorteile in der photodynamischen Therapie von Hauttumoren, doch weist die Substanz nur eine sehr geringe Hautpenetration auf.

Fahr stellte ein speziell für diesen Wirkstoff entwickeltes liposomales Trägersystem auf Basis von hydrogeniertem Sojabohnen-Lecithin, Ethanol und einem Gemisch aus verschiedenen Monoterpenen (Limonen, Cineol, Citral) vor. Als oberflächenaktive Substanzen sind Terpene in der Lage, Liposomen mit einer gewissen Flexibilität auszustatten und dadurch deren Diffusion in tiefere Hautschichten zu fördern.

In-vitro-Untersuchungen mit der Franz-Diffusionszelle zeigten, dass Temporfin aus dieser Formulierung stärker penetrierte als aus herkömmlichen liposomalen Formulierungen und aus einer ethanolischen Lösung. Tests mit Trägersystemen, die nicht mit dem Terpengemisch, sondern mit den Einzelterpenen ausgestattet waren, ergaben für das System auf Basis von Cineol den stärksten penetrationsfördernden Effekt.

Eine Pilotstudie an Mäusen belegte, dass die mit der Terpenmischung beladenene Temporfin-Formulierung in der photodynamischen Therapie wirksam ist. Im Vergleich zu einer unbehandelten Kontrollgruppe reduzierte die Formulierung auf dem 5-Prozent-Niveau das Tumorwachstum signifikant.

Professor Dr. Alfred Fahr, Inhaber des Lehrstuhls für Pharmazeutische Technologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, befasst sich wissenschaftlich unter anderem mit den galenischen Möglichkeiten zur Verbesserung der Penetration von kutan applizierten Arzneistoffen. In seinem Vortrag bei der 13. GD-Jahretagung demonstrierte er dies am Beispiel eines terpenhaltigen liposomalen Trägersystems für den Photosensitizer Temporfin.


Humanhautmodelle erobern
die regulatorische Toxikologie
Die am 1. Juni 2007 in Kraft getretene REACH-Verordnung fordert eine Neubewertung und Registrierung von Chemikalien unter zunehmender Verwendung tierversuchsfreier Testmethoden. In diesem Zusammenhang kommt dem Einsatz von Humanhautmodellen zur Charakterisierung der Hautpenetration eine große Bedeutung zu, wie Professor Dr. Monika Schäfer-Korting, Berlin, deutlich machte.

Besondere Bedeutung für die regulatorische Toxikologie haben Modelle aus rekonstruierter Vollhaut (zum Beispiel EpiDerm® FT) oder aus rekonstruierter Epidermis (zum Beispiel Episkin®) erlangt. Von der OECD wurden rekonstruierte Hautmodelle bereits als Testverfahren zur Beurteilung der Hautkorrosion, der Phototoxizität und der Hautirritation von Stoffen zugelassen.

Die rekonstruierten Epidermismodelle werden aus humanen Keratinozyten gewonnen und zeigen morphologisch gute Übereinstimmungen mit humaner Epidermis. Dies machte Schäfer-Korting anhand von Ergebnissen einer Validierungsstudie deutlich, die in Zusammenarbeit von Universitäten und der Industrie mit finanzieller Unterstützung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) durchgeführt wurde.

In dieser Studie wurde die kutane Absorption von neun ausgewählten Testsubstanzen mit unterschiedlichen physiko-chemischen Eigenschaften an humaner Epidermis, an Schweinehaut und an drei rekonstruierten humanen Epidermismodellen untersucht. Die Ergebnisse wurden der Öffentlichkeit in mehreren Publikationen zugänglich gemacht, die dazu gehörigen Standardarbeitsanweisungen sind auf der Homepage der Gesellschaft für Dermopharmazie (www.gd-online.de) hinterlegt.

Darüber hinaus berichtete Schäfer-Korting von vergleichbaren Untersuchungen an rekonstruierten Epidermismodellen, deren Keratinozyten von Patienten mit Hautkrankheiten beziehungsweise nach Ausschaltung krankheitsbezogener Gene gewonnen wurden. Die vielversprechenden Ergebnisse dieser Unterschungen lassen hoffen, dass in Zukunft auch die erhöhte Empfindlichkeit von hautkranken Patienten bei der Risikoanalyse von Stoffen Berücksichtigung finden könnte.

Hinsichtlich topisch applizierter Arzneistoffe gab Schäfer-Korting zu bedenken, dass der Metabolismus der Substanzen in der Haut nicht vernachlässigt werden dürfe, da er wesentlichen Einfluss auf die Resorptionsgeschwindigkeit habe.

Sponsoren der GD-Jahrestagungen 2008 und 2009

Sponsoren der GD-Jahrestagung 2008

Basilea Pharmaceuticals GmbH, München
Birken GmbH, Niefern-Öschelbronn
Galderma Laboratorium GmbH, Düsseldorf
Heidelberg Pharma AG, Ladenburg
Jerini AG, Berlin
Meda Pharma GmbH & Co. KG, Bad Homburg
MediGene AG, Planegg/Martinsried
Novartis Consumer Health GmbH, München
Riemser Arzneimittel AG, Greifswald-Insel Riems
Spirig Pharma GmbH, Augsburg
Stiefel Laboratorium GmbH, Offenbach
York Pharma GmbH, Homberg/Ohm

Alk-Abelló Arzneimittel GmbH, Wedel
Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Berlin
Stada GmbH, Bad Vilbel

Sponsoren der GD-Jahrestagung 2009

Almirall Hermal GmbH, Reinbek
Birken GmbH, Niefern-Öschelbronn
Cassella-med GmbH & C. KG, Köln
Galderma Laboratorium GmbH, Düsseldorf
Spirig Pharma GmbH, Augsburg
Stada GmbH, Bad Vilbel

Aureliasan GmbH, Tübingen
Henkel AG & Co. KGaA, Düsseldorf
Kuhs GmbH, Leichlingen
Rausch AG, Kreuzlingen/Schweiz
Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Berlin


In-silico-Modelle zur Abschätzung
der Hautpenetration
Mit einem Ausflug in mathematische Rechenmodelle zeigte Dr. Michael Heisig, Frankfurt, wie sich experimentelle Daten zur Hautpenetration von verschiedenen Substanzen über numerische Methoden „voraussagen“ lassen. Die so genannten In-silico-Modelle spielen in den Natur- und Ingenieurwissenschaften eine zunehmend wichtige Rolle und können in vielen Anwendungsbereichen zeit- und kostenintensive Experimente ersetzen. Auch im Zusammenhang mit der Umsetzung der REACH-Verordnung sind sie im Gespräch.

Heisig stellte zwei- und dreidimensionale Hautmodelle vor, mit deren Hilfe sich die im Labor ermittelten, zeitlich abhängigen Konzentrations-Schichttiefenprofile in der Haut per Computer simulieren lassen. Als Testsubstanzen dienten Koffein und Flufenaminsäure. Ein Vergleich der Penetrationsprofile im Stratum corneum ergab nahezu übereinstimmende Ergebnisse zwischen den In-silico-Modellen und experimentell ermittelten Daten.


Auch die 13. GD-Jahrestagung in Heidelberg wurde wieder von einer fortlaufend größer werdenden Fachausstellung begleitet. Sie bot den teilnehmenden Firmen eine ideale Plattform, um sich in den Informations- und Gedankenaustausch von Hautexperten aus verschiedenen Fachgebieten einzubringen.

Auf den Jahrestagungen der GD sind immer wieder zahlreiche hochrangige Experten aus verschiedenen Fachgebieten zu Gast. Zu den Teilnehmern der 13. GD-Jahrestagung gehörte auch Professor Dr. Bernhard Homey, der kommissarische Leiter der Hautklinik der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.


Pflanzliche Topika im
UV-Erythem-Test
Um die Wirkstärke von Stoffen und Zubereitungen zur Linderung von Sonnenbrand zu bestimmen, hat sich der UV-Erythem-Test als Screening-Methode etabliert. Dabei werden die zu untersuchenden Präparate vor oder nach der Bestrahlung aufgetragen. Anschließend wird das entstandene Erythem über optische Parameter mit unbestrahlter Haut verglichen.

Die Testmethode scheint jedoch vorrangig für Stoffe mit steroidähnlicher Wirkung geeignet zu sein, wie Professor Dr. Christoph M. Schempp, Freiburg, in der Vortragreihe „Dermokosmetik“ darlegte. So zeigten Untersuchungen mit Glukokortikoiden gute Korrelationen zwischen deren vasokonstriktorischer und antientzündlicher Wirkung. Der Calcineurin-Inhibitor Pimecrolimus hingegen erwies sich im UV-Erythem-Test auf intakter Haut als unwirksam, obwohl klinische Studien ihm antiinflammatorische Effekte bescheinigen.

Wie Schempp berichtete, wurde im UV-Erythem-Test auch für verschiedene pflanzliche Zubereitungen eine signifikante Überlegenheit gegenüber Placebo festgestellt. So zeigten eine After-Sun-Lotion auf Basis eines Hamamelis-Destillats, ein standardisierter Grüntee-Extrakt, ein auf Diterpenphenole standardisierter Salbei-Extrakt und ein luteolinreicher Auszug aus Reseda luteola eine gute, teilweise mit Hydrocortison vergleichbare Wirksamkeit. Etwas schwächer wirksam waren eine Lotion mit Korianderöl und ein 97-prozentiges Aloe vera-Gel.

Nach Aussage von Schempp wirken die geprüften Zubereitungen allesamt stärker, wenn sie vor der Bestrahlung aufgetragen werden, auch wenn die umgekehrte Variante praxisrelevanter erscheint.

Ein kosmetischer Ansatz
gegen Melasma
Genetische Disposition, chronische UV-Einwirkung oder hormonelle Einflüsse sind nur einige der Faktoren, die Hyperpigmentierungen wie Melasma auslösen können. Am häufigsten sind davon Frauen betroffen (in circa 90 Prozent der Fälle). Dr. Frank Rippke, Hamburg, machte deutlich, dass neben einem effektiven UV-Schutz auch die Anwendung hautaufhellender Formulierungen als kosmetischer Ansatz sinnvoll sein kann.

Er stellte dazu Untersuchungen vor, in denen ein Anti-Pigment-Fluid mit Octadecene Dioic Acid (ODA) sowie einem Lichtschutzfaktor von 20 und hochwirksamem UVA-Schutz auf seine aufhellende Wirkung bei UV-induzierter Hautpigmentierung und Melasma getestet wurde. ODA bewirkt als Derivat der Ölsäure in Melanozyten eine Verlangsamung der Melaninsynthese sowie des Transports der Melanosomen zu den Keratinozyten.

In einer doppelblinden, vehikel-kontrollierten Halbseitenstudie wurden bei 11 Probandinnen zunächst verstärkte Pigmentierungen an den Händen induziert. Anschließend wurden unter fortgesetzter UV-Bestrahlung das ODA-haltige Fluid und seine Grundlage im Halbseitenvergleich für acht Wochen angewendet. Die Hautpigmentierung wurde kolorimetrisch erfasst. Zu allen Untersuchungszeitpunkten ließen sich signifikante Pigmentierungsunterschiede feststellen.

Eine weitere, dermatologisch kontrollierte Anwendungsstudie zeigte die gute Hautverträglichkeit des Fluids und dokumentierte eine Verbesserung der Lebensqualität der Probandinnen durch den Rückgang der Hyperpigmentierungen.

Die digitale konfokale Laser-Scan-Mikroskopie, die im Rahmen der Fachausstellung anlässlich der 13. GD-Jahrestagung demonstriert wurde, ermöglicht eine hochauflösende Untersuchung der Hautmorphologie auf zellulärer und subzellulärer Ebene. Das innovative Verfahren eignet sich auch zur Diagnostik von aktinischen Keratosen.

Aktueller Stand zur
kutanen Gentherapie
Über den aktuellen Stand zur kutanen Gentherapie informierte Professor Dr. Johannes Wohlrab, Halle, zu Beginn der Vortagsreihe „Dermatotherapie“. Nach seinen Angaben steht Deutschland hinter den USA und Großbritannien auf Platz drei jener Länder, die in ihre Forschung klinische Studien zur Gentherapie integriert haben. Mit 65,2 Prozent stehen Krebserkrankungen dabei im Mittelpunkt des wissenschaftlichen Interesses.

Die Gentherapie ist definiert durch das Einfügen von Genen in Zellen eines Individuums zur Behandlung von Erbkrankheiten beziehungsweise von Gendefekten. Dabei wird das Ziel verfolgt, Erbgutfehler zu kompensieren. Das genetische Material wird mittels Vektoren in das Körpergewebe eingebracht. Wohlrab zeigte die Grenzen der Gentherapie auf, wonach unter anderem ethische Bedenken zur Gentherapie an Keimbahnzellen die Anwendung einschränken.

Für die kutane Gentherapie seien Genodermatosen (zum Beispiel Ichthyosis) und Wundheilungsstörungen grundsätzlich interessant. Keratinozyten, epidermale Stammzellen und Fibroblasten gelten dabei als Hauptangriffspunkte. Für Vektorsysteme zum Transfer der Plasmid-DNA in die Zellen bieten sich Mikroemulsionen, Nanopartikel oder Liposomen an.

Überlegungen, die Haut als Bioreaktor für systemische Gentherapien zu nutzen – zum Beispiel mit Wachstumshormonen, Transferrin oder Epoetin – verwies Wohlrab auf entfernte Forschungsprojekte.

Neues zur Diagnostik und
Therapie von hellem Hautkrebs

In einem stimulierenden Vortrag informierte Professor Dr. Eggert Stockfleth, Berlin, zu Risiken, Diagnostik, Prävention und Therapie von hellem Hautkrebs. Nicht melanozytäre Hauttumoren zählen heute zu den häufigsten Krebsneuerkrankungen überhaupt. Vor allem die als „cacinoma in situ“ geltenden aktinischen Keratosen bedürfen besonderer Aufmerksamkeit (siehe dazu auch desen Bericht).

Professor Dr. Eggert Stockfleth, Leiter des Hauttumorzentrums am Universitätsklinikum Charité in Berlin, ist Mitglied der GD Task Force „Licht.Hautkrebs.Prävention“. In seinem Vortrag im wissenschaftlichen Hauptprogramm der 13. GD-Jahrestagung informierte er über Neuigkeiten zu Risiken, Diagnostik, Prävention und Therapie von hellem Hautkrebs.

Als vermeidbares Hauptkanzerogen erwähnte Stockfleth natürliche und künstliche UV-Strahlung. Lichtschutz in Form von Kleidung und Sonnenschutzmitteln sowie das Meiden der Mittagssonne seien daher effektive Präventivmaßnahmen. Neben hellhäutigen Menschen der Pigmentierungstypen I und II und Beschäftigten in Berufen mit starker Sonneneinwirkung („outdoor worker“) zählen vor allem immunsupprimierte Patienten zur Hochrisikogruppe. So entwickeln Organtransplantierte aus aktinischen Keratosen rund 200-mal häufiger ein Plattenepithelkarzinom als nicht transplantierte Personen.

Unter dem Aspekt, dass zu einer optimalen Therapie auch eine optimale Diagnostik gehört, stellte Stockfleth mit der digitalen konfokalen Laser-Scan-Mikroskopie ein noch relativ neues, nicht invasives diagnostisches Verfahren vor. Dieses Verfahren ermöglicht die hochauflösende Untersuchung der Hautmorphologie auf zellulärer und subzellulärer Ebene.

Alternativ zu den gängigen operativen und physikalischen Behandlungsmethoden hat sich zunehmend die topische Pharmakotherapie etabliert. Gerade aktinische Keratosen sollten im Zuge der „Feldkanzerisierung“ großflächig behandelt werden.

Neben dem aus der Tumorbehandlung bekannten 5-Fluoro-uracil und dem Immunmodulator Imiquimod steht mit dem COX-2-Hemmer Diclofenac ein dritter Wirkstoff zur topischen Anwendung zur Verfügung.

Das Arylderivat reduziert die Gefäßneubildung und induziert Apoptose in den Krebszellen. Durch den Zusatz von 2,5 Prozent Hyaluronsäure in einem dreiprozentigen Diclofenac-Gel wird die Bioverfügbarkeit des Wirkstoffs in der Haut gewährleistet und dessen Wirkdauer verlängert.

Die drei genannten Wirkstoffe lieferten in Studien ähnliche Abheilraten (70 bis 90 Prozent) sowie vergleichbare Rezidivraten nach einem Jahr (10 bis 20 Prozent). Das Diclofenac/Hyaluronsäure-Gel wies dabei Vorteile hinsichtlich des Nebenwirkungsspektrums auf.

Evidenzbasierte Therapie des
chronischen Handekzems

Handekzeme zählen zu den häufigsten Hauterkrankungen und stellen in ihrer chronischen Form eine diagnostische und therapeutische Herausforderung dar. Dies machte Professor Dr. Thomas L. Diepgen, Heidelberg, im abschließenden Vortrag zum wissenschaftlichen Hauptprogramm deutlich. Er verwies dabei auf die vor kurzem veröffentlichte Leitlinie „Management von Handekzemen“ der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft.

Für die Betroffenen ist das chronische Handekzem mit einem erheblichen Verlust an Lebensqualität verbunden. Etwa 50 Prozent der Betroffenen befinden sich in Behandlung, fünf bis sieben Prozent leiden unter schweren Formen und zwei bis vier Prozent sprechen auf eine topische Behandlung nicht mehr an. Das inhomogene Krankheitsbild erfordert eine umfangreiche Differenzialdiagnose, wobei die Ursachen von Irrtiationen, Atopie bis hin zur Kontaktdermatitis reichen können.

Diepgen bezeichnete die bisherige Studienlage zu den zahlreichen Therapieoptionen als unbefriedigend und stellte mit der so genannten BACH-Studie zur Wirksamkeit von systemischem Alitretinoin einen Meilenstein für die evidenzbasierte Behandlung des chronischen Handekzems vor.


Auch der Direktor der Universitäts-Hautklinik Heidelberg, Professor Dr. Alexander Enk (rechts), ließ es sich nicht nehmen, an der 13. GD-Jahrestagung teilzunehmen. Zusammen mit dem wissenschaftlichen Tagungsleiter, Professor Dr. Thomas L. Diepgen, moderierte er die Vorträge zur Dermatotherapie.

In diese größte randomisierte Doppelblindstudie zum chronischen Handekzem waren 1.032 Patienten mit schweren chronischen Formen (Befall von mindestens 30 Prozent der Handoberfläche) einbezogen. Nach täglicher Einnahme von 30 Milligramm Alitretinoin über 24 Wochen heilten die Symptome bei jedem zweiten Patienten vollständig oder fast vollständig ab. 65 Prozent dieser Patienten blieben auch nach Absetzen der Medikation sechs Monate lang beschwerdefrei.

Von den Rezidivfällen heilten 80 Prozent nach einem weiteren Behandlungsintervall mit 30 Milligramm Alitretinoin vollständig ab. Diepgen folgerte aus diesem Befund, dass sich das Retinoid auch für das Langzeitmanagement des chronischen Handekzems eignet.

Fazit und Ausblick auf
die 14. GD-Jahrestagung

Im Schlusswort zum wissenschaftlichen Hauptprogramm der 13. GD-Jahrestagung erinnerte der stellvertretende GD-Vorsitzende, Professor Dr. Hans Christian Korting, München, an die Vielfalt des Tagungsprogramms, das die breit gefächerte Arbeit der GD sehr gut abbilde. Korting dankte den Organisatoren, den Referenten und Vorsitzenden, dem Team des Tagungsbüros unter der Leitung von Anne Kresken sowie den Sponsoren und Ausstellern für ihr Engagement.

Zugleich lud er dazu ein, auch die 14. GD-Jahrestagung zu besuchen, die unter der wissenschaftlichen Leitung von Professor Dr. Monika Schäfer-Korting und Professor Dr. Horst Spielmann vom 22. bis 24. März 2010 im Seminaris Campus Hotel in Berlin stattfinden wird. Nähere Informationen dazu werden demnächst unter der Internetadresse www.gd-online.de veröffentlicht.

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