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GD — Gesellschaft für Dermopharmazie e.V.

   
 

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  Ausgabe 1 (2009)

Dermopharmazie aktuell
Prävention von UV-bedingten Hautschäden

Liposomale Lichtschutzmittel besitzen vielerlei Vorteile


Bericht von Franziska Wartenberg, Stuttgart

Die im Sonnenlicht enthaltene UV-Strahlung gilt unbestritten als obligates Kanzerogen für die Entstehung von hellem Hautkrebs und anderen chronischen Lichtschäden. Neben einer eingeschränkten Sonnenexposition und dem Lichtschutz mit Textilien gilt auch die Verwendung topischer Lichtschutzmittel als unerlässliche Schutzmaßnahme. Welche Schutzleistungen von topischen Lichtschutzmitteln zu erwarten sind und welche Punkte bei ihrer Auswahl beachtet werden sollten, wurde anlässlich eines Seminars der Firma Spirig Pharma GmbH am 30. März 2009 im Rahmen der 13. GD-Jahrestagung in Heidelberg diskutiert. Dabei wurde deutlich, dass liposomale Lichtschutzmittel eine Reihe von Vorteilen besitzen, die Hautärzte und Apotheker sich bei ihrer Beratungstätigkeit zunutze machen können.
Mit steigender Tendenz erkranken allein in Deutschland jedes Jahr mehr als 300.000 Menschen an nicht melanozytären Hauttumoren. Die präsentesten Formen sind Basalzellkarzinome, Plattenepithelkarzinome und aktinische Keratosen, die als „carcinoma in situ“ in Plattenepithelkarzinome übergehen können.

Die nicht melanozytären Hauttumoren werden unter dem Begriff „Heller Hautkrebs“ zusammengefasst, der von der GD Task Force „Licht. Hautkrebs. Prävention“ geprägt und verbreitet wurde. Als wesentliche Ursachen für die zunehmende Inzidenz werden der Rückgang der Ozonschicht, das gestiegene Lebensalter und das veränderte Freizeitverhalten angesehen.

Übermäßige UV-Exposition
hat zahlreiche Konsequenzen
Für die dramatische Zunahme der nicht melanozytären Hauttumoren in den letzten Jahrzehnten macht Professor Dr. Thomas L. Diepgen, der Sprecher der GD Task Force, die hohe Strahlenbelastung durch zu viel natürliches und künstliches Sonnenlicht verantwortlich. Vor allem der UVB-Anteil der UV-Strahlung wirkt direkt über DNA-Mutationen zellschädigend auf Keratinozyten und ruft indirekt Immunsuppressionen insbesondere in T-Lymphozyten hervor.

UVA-Strahlung unterstützt diese erbgutschädigenden Vorgänge und ist zudem an der Hautalterung sowie an der Ausbildung polymorpher Lichtdermatosen beteiligt. Diepgen beschreibt Hautkrebs als häufigste Krebserkrankung bei Kaukasiern. Neben hellhäutigen Menschen der Pigmentierungstypen I und II und immunsupprimierten Patienten gehören auch Personen mit hoher beruflicher UV-Exposition zur Hochrisikogruppe.

Bei einem Seminar der Firma Spirig im Rahmen der 13. GD-Jahrestagung in Heidelberg schilderte der stellvertretende GD-Vorsitzende, Professor Dr. Hans Christian Korting, München, die speziellen Vorteile von liposomalen Lichtschutzmitteln.

Aufgrund von Studiendaten kann beispielsweise bei Bauarbeitern, Dachdeckern, Landwirten, Müllwerkern und anderen Berufstätigen, die häufig im Freien arbeiten („outdoor worker“), von einem erhöhten Risiko insbesondere für Platten-epithelkarzinome ausgegangen werden. Diepgen fordert daher, das Plattenepithelkarzinom in die Liste der Berufskrankheiten aufzunehmen und damit im beruflichen Bereich Schutzmaßnahmen zur gesetzlichen Verpflichtung zu machen.

Lichtschutzmaßnahmen
sollten evidenzbasiert sei
Zur Vorbeugung von hellem Hautkrebs plädiert Diepgen für evidenzbasierte Schutzmaßnahmen. Am Anfang stehe das Vermeiden übermäßiger UV-Exposition, vor allem in der strahlungsintensiven Mittagszeit. Zudem sei das Tragen geeigneter Kleidung wichtig. Es gelte jedoch zu bedenken, dass viele Textilien zumindest teilweise UV-durchlässig sind und deshalb keine ausreichende UV-Schutzwirkung besitzen.

Zum Nutzen topischer Lichtschutzmittel diskutierte Diepgen die Ergebnisse der bisher vorliegenden Studien. Danach waren im Mausmodell bestimmte Lichtschutzmittel in der Lage, das Auftreten von UV-bedingten Mutationen am Tumorsuppressor-Gen p53 um etwa 90 Prozent zu reduzieren. In mehreren epidemiologischen Studien wurde gezeigt, dass durch die regelmäßige Anwendung von Lichtschutzmitteln aktinischen Keratosen vorgebeugt werden kann.

Für ein liposomales Lichtschutzmittel (Daylong® actinica) wurde erstmalig auch in einer kontrollierten klinischen Studie, die am Hauttumorzentrum der Charité in Berlin durchgeführt wurde, eine Schutzwirkung gegen hellen Hautkrebs dokumentiert. Einbezogen in diese Studie waren organtransplantierte Patienten, die aufgrund ihrer Dauermedikation mit systemischen Immunsuppressiva einem bis zu 250-mal höheren Risiko für hellen Hautkrebs unterliegen.

Die Studie machte deutlich, dass nach 24-monatiger, einmal täglicher Anwendung des liposomalen Lichtschutzmittels die Zahl der aktinischen Keratosen um 53 Prozent gegenüber dem Ausgangsbefund zurückgegangen war. Darüber hinaus wurde das Auftreten von neuen Plattenepithelkarzinomen gänzlich verhindert. Das Präparat ist als Medizinprodukt zur Prävention von hellem Hautkrebs in Verkehr und lässt sich als Prophylaxekomponente gut mit therapeutischen Verfahren kombinieren.

Hohe Anforderungen an die
Galenik von Lichtschutzmitteln
Mit zunehmenden Erkenntnissen über das Ausmaß chronischer Lichtschäden wächst der Bedarf an hochwirksamen Lichtschutzmitteln. Auf die Anforderungen, die moderne Lichtschutzmittel erfüllen sollten, kam der stellvertretende GD-Vorsitzende, Professor Dr. Hans Christian Korting von der Dermatologischen Klinik der Ludwig-Maximilians-Universität München, zu sprechen. Außerdem schilderte er die speziellen Vorteile von liposomalen Lichtschutzmitteln (Tabelle 1).

Tabelle 1: Vorteile von liposomalen Lichtschutzmitteln
  • Kontrollierte Penetration der UV-Filter auch in tiefere Abschnitte der Epidermis
  • Gleichmäßige Verteilung der UV-Filter in den einzelnen Schichten der Epidermis
  • Lange Verweilzeit der UV-Filter in der Epidermis, dadurch lang anhaltende Schutzwirkung
  • Hohe Schweißfestigkeit
  • Hohe Wasserresistenz
  • Hohe kosmetische Akzeptanz

Hohe Schutzleistungen lassen sich zum Beispiel durch den kombinierten Einsatz von organischen UV-Filtern („chemischer Lichtschutz“) und anorganischen Pigmenten („physikalischer Lichtschutz“) erzielen. Neben der Beständigkeit des UV-Schutzes nach Wasserkontakt sind nach Kortings Einschätzung auch die Geschmeidigkeit und die Verteilbarkeit der Formulierung auf der Haut mit entscheidend für eine hohe Akzeptanz beim Anwender.

Außerdem mache es zur Sicherstellung einer hohen Anwendungsbereitschaft Sinn, die Mittel so zu formulieren, dass sie möglichst nur einmal täglich aufgetragen werden müssen. Dazu seien Formulierungen notwendig, die nach dem Auftragen eine gleichmäßige Verteilung und eine lange Verweilzeit der enthaltenen UV-Filter in der Epidermis ermöglichen. Dieses Ziel lasse sich mit liposomalen Trägersystemen erreichen, so wie sie auch in der externen Dermatotherapie gebräuchlich sind.

Sicherheit und Wirksamkeit von
liposomalen Lichtschutzmitteln
Zur Frage der Sicherheit und Wirksamkeit von liposomalen Lichtschutzmitteln präsentierte Korting eine biopharmazeutische Studie von Chatelain und Mitarbeitern, mit der die Eindringtiefe und Verteilung der UV-Filter in vitro und in vivo untersucht wurde (veröffentlicht in Skin Pharmacol. Appl. Skin Physiol. 2003, 16:28-35). Einbezogen in die Studie waren ein liposomales Gel und weiße Vaseline. Beide Formulierungen enthielten jeweils fünf verschiedene UV-Filter in identischen Konzentrationen.

Im Ergebnis drangen die Filtersubstanzen aus dem Liposomengel nicht tiefer in die Haut ein als aus der Vaseline-Rezeptur, reicherten sich jedoch in den oberen Bereichen des Stratum corneum in etwa dreimal höherer Konzentration an. Dies hatte zur Folge, dass für die liposomale Formulierung ein signifikant höherer Lichtschutzfaktor gemessen wurde als für die Vaseline-Rezeptur.

Diese Befunde zeigen, welch großen Einfluss das Vehikel auf die Wirksamkeit von Lichtschutzmitteln hat. Liposomale Trägersysteme ermöglichen danach nicht nur eine gleichmäßige Verteilung und lange Verweilzeit der UV-Filter in der Epidermis, sondern tragen offensichtlich auch zur Einsparung von UV-Filtern bei.

Kriterien für die Auswahl
von Lichtschutzmitteln
Vor dem Hintergrund der dargestellten Zusammenhänge fasste Dr. Joachim Kresken, der Vorsitzende der GD, die Kriterien zusammen, die bei der Auswahl eines geeigneten Lichtschutzmittels berücksichtigt werden sollten (Tabelle 2). Insbesondere Menschen mit Hautproblemen sei zu empfehlen, sich in dieser Angelegenheit durch einen Hautarzt oder durch einen Apotheker beraten zu lassen.

Tabelle 2: Kriterien für die Auswahl von Lichtschutzmitteln
  • Individuelle Lichtempfindlichkeit des Anwenders
  • Intensität der UV-Strahlung am Aufenthaltsort des Anwenders
  • Alter des Anwenders (Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Senioren)
  • Spezielle Aktivitäten des Anwenders (Sport, berufliche Tätigkeiten)
  • Individueller Hautzustand des Anwenders (normal, trocken-fettarm, zu Akne neigend)
  • Bekannte Unverträglichkeiten des Anwenders auf bestimmte Inhaltsstoffe (zum Beispiel UV-Filter, Konservierungsmittel, Duftstoffe, Emulgatoren)
  • Spezielle Anwendungszwecke (zum Beispiel Schutz gegen hellen Hautkrebs)
  • Lichtschutzkompetenz der Herstellerfirma
  • Rechtsstatus des Produktes (Kosmetikum oder Medizinprodukt) und ausgelobte Wirkungen

Am Anfang einer Sonnenschutzberatung stehe die Frage, welchem Pigmentierungstyp der Betreffende angehört und welche UV-Intensität an seinem Aufenthaltsort zu erwarten ist. In den meisten Fällen reiche es aus, Präparate mit Lichtschutzfaktoren von 10 bis 30 zu verwenden. Produkte mit höheren Lichtschutzfaktoren (50 oder 50+) seien dagegen nur für Menschen mit sehr hoher Lichtempfindlichkeit oder in Fällen von extremer Strahlungsintensität (zum Beispiel bei Aufenthalt im Hochgebirge oder auf dem Wasser) erforderlich.

Neben der Höhe des Lichtschutzfaktors sei auch ein adäquater UVA-Schutz wichtig. Gemäß der Empfehlung der EU-Kommission von September 2006 sollte der UVA-Schutz mindestens ein Drittel so hoch sein wie der UVB-Schutz. Um die Einhaltung dieser Forderung kenntlich zu machen, verwenden viele Hersteller ein einheitliches Symbol (Kreis mit den Buchstaben UVA).

Berücksichtigt werden bei der Produktauswahl sollten auch die verschiedenen galenischen Formulierungstypen von Lichtschutzmitteln (Tabelle 3). Breit einsetzbar aufgrund der geschilderten Vorteile seien zum Beispiel liposomale Zubereitungen, während bei Sonnenallergie oder bei zu Akne neigender Haut lipidfreie Hydrodispersionsgele und bei trocken-fettarmer Haut lipidreiche W/O-Emulsionen in Form von Cremes oder Lotionen in Frage kämen.

Tabelle 3: Gängige Formulierungstypen von topischen Lichtschutzmitteln
  • O/W- und W/O-Emulsionen in Form von Cremes oder Lotionen
  • Mikroemulsionen und wässrig-alkoholische Lösungen (zum Beispiel in Form von Sprays
  • Lipid- und emulgatorfreie Hydrogele und Hydrodispersionsgele („Gel-Cremes“)
  • Wasserfreie Zubereitungen (zum Beispiel Wachsstifte)
  • Liposomale Zubereitungen

Weitere wichtige Auswahlkriterien seien die Lichtschutzkompetenz der Herstellerfirmen, der Rechtsstatus der Produkte sowie die auf der Packung angegebenen Wirkaussagen. So dürfen bei Lichtschutzmitteln, die als Kosmetika vermarktet werden, etwaige Schutzeffekte gegen hellen Hautkrebs oder andere Lichtdermatosen aus rechtlichen Gründen selbst dann nicht ausgelobt werden, wenn sie in Studien belegt worden sind.

Solche Angaben sind nur für Lichtschutzmittel zulässig, die als Arzneimittel oder als Medizinprodukt im Markt sind. Diese Voraussetzung wir derzeit nur von der als Medizinprodukt vermarkteten liposomalen Lotion erfüllt, für die in einer kontrollierten klinischen Studie eine Schutzwirkung gegen hellen Hautkrebs nachgewiesen wurde (Daylong® actinica; siehe oben).

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