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  Ausgabe 1 (2009)

Buchbesprechung
U. Schwabe, D. Paffrath (Hrsg.)

Arzneiverordnungs-Report 2008 - Aktuelle Daten, Kosten, Trends und Kommentare


Springer Verlag, Berlin 2008. 1145 Seiten.
44,95 Euro. ISBN 978-3-540-69218-8




Der Arzneiverordnungs-Report 2008 bietet wie immer Gelegenheit, das Denken wichtiger Kooperatoren der gesetzlichen Krankenversicherung besser zu verstehen. Des Weiteren werden viele durchaus unterschiedliche Daten verfügbar gemacht, die man so zumindest ohne großen Aufwand woanders nicht erlangen kann. Im Folgenden seien einige wichtige Trends referiert.

Die Zahl der definierten Tagesdosen liegt seit mehr als zehn Jahren in der gleichen Größenordnung, nämlich bei etwa 30 Milliarden. Einen wesentlichen Wandel hat es hierbei insofern gegeben, als die Zahl der definierten Tagesdosen von Generika seit einigen Jahren ansteigt, nunmehr auf etwa 20 Milliarden, während der Anteil der so genannten Nicht-Generika entsprechend abnimmt.

Dermatologisch interessant unter den so genannten führenden Arzneimittelgruppen sind zum einen die „Corticosteroide (dermatologisch)“, des Weiteren die „Antimykotika (topisch)“. Beide Arzneimittelgruppen waren gegenüber dem Vorjahr mit 2,4 respektive 1,8 Prozent rückläufig.

Zumindest von gewissem Interesse für den Dermatologen dürfte es sein, dass ein Präparat, das seit einiger Zeit auch für eine Hautkrankheit, nämlich die Psoriasis, indiziert ist, den zweiten Platz unter den umsatzstärksten Arzneimitteln einnimmt: Etanercept (Enbrel®) mit 247,5 Millionen Euro, was einer Zunahme um 24,5 Prozent entspricht.

Was allgemein die Relation der so genannten Erst- und Zweitanmelder anbetrifft, so liegt der Anteil der Zweitanmelder am so genannten „Generika fähigen Markt“ inzwischen bei 82,3 Prozent, im Vorjahr waren es noch 76,7 Prozent. Insgesamt wird konzediert, dass durch forcierten Einsatz von Generika die Jahr für Jahr thematisierten Einsparpotenziale nunmehr weitgehend ausgeschöpft seien.

Allerdings wird dabei zwischen Präparategruppen mit sinkenden und mit steigenden Potenzialen differenziert. Zur letzteren Gruppe gehören die „Antihistaminika, wenig sedierend“, des Weiteren die „Dermatika, mittelstarke Corticoide“.

Die Verordnung als umstritten bezeichneter Arzneimittel ist seit vielen Jahren rückläufig. Nach starkem Rückgang bis 2004 deutet sich hier aber inzwischen eine Art Plateau an. Im dermatologischen Kontext werden hier erwähnt: Antibiotika-Kombinationen, Antimykotika-Corticoid-Kombinationen, Bäder, Haarwuchsmittel, Keratolytika, Sonstige. Im weiteren Sinne sind hier sicherlich auch die Wundbehandlungsmittel (Dexpanthenol und andere) zu nennen.

Unter den „neuen Arzneimitteln 2007“ findet sich eigentlich kein dermatologisch relevantes Präparat, sieht man einmal ab von „humaner Papillomvirus-Impfstoff Typ 16, 18“. Zweifellos interessant ist die Darstellung von „Enzymersatztherapien für lysosomale Speicherkrankheiten“, wo der ja auch dermatologisch relevante Morbus Fabry Erwähnung findet. Die jährlichen Kosten dieser Therapie für einen Patienten werden hier mit 250.000 Euro beziffert.

Interessant erscheint die Aussage, dass „in den vergangenen Jahren eine Reihe deutscher Firmen von Konzernen aus der Schweiz, Frankreich oder den USA übernommen worden sind“. Dies wird so interpretiert, „dass es kaum empirische Belege gibt, dass die Marktkonzentration zu Lasten der deutschen Pharmaindustrie auf die deutschen Regulierungsinstrumente zurückzuführen ist “. Als wesentlicher Standortfaktor werden vielmehr die Forschungsförderung und die interdisziplinäre Zusammenarbeit angesehen.

Erstmals findet sich im Arzeneiverordnungs-Report kein eigenständiges Kapitel Antimykotika mehr. Soweit es hier dermatologische Bezüge im engeren Sinne gibt, werden diese jetzt in dem weiterhin vorhandenen Kapitel Dermatika abgehandelt.

Der Autor dieses Kapitels, Professor Dr. Uwe Fricke aus Köln, sieht die Verordnungen in den einzelnen Marktsegmenten insgesamt etwa auf dem Niveau des Vorjahres stabilisiert. Leichte Zunahmen sieht er vor allem bei verschreibungspflichtigen Dermatika wie Corticosteroiden, dermatologischen Antimykotika, Virustatika, Aknemitteln und Antipsoriatika.

Betrachtet man die einzelnen gelisteten Präparate, so fällt eine starke Steigerung der Verordnung von einem Hydrocortison-Präparat auf, nämlich Hydrocortison Hexal® Creme (um 35,4 Prozent). Einen noch stärkeren Verordnungszuwachs erfuhr das Clobetasol-Präparat Clarelux® (plus 138,1 Prozent). Bei den Kombinationspräparaten aus Kortikosteroid und Salicylsäure hat Betamethason Hexal® comp Salbe um 21,3 Prozent zugelegt.

Die Verordnung so genannter dermatologischer Antimykotika hat sich inzwischen auf niedrigem Niveau stabilisiert, die neuen Erstattungsregeln hatten per 2004 ja zu einem drastischen Verordnungsrückgang geführt. Besonders stark zulegen konnte das Generikum Ciclopirox-ratiopharm®.

Als Gruppe deutlich zulegen konnten die Metronidazol-haltigen Mittel (plus 28,3 Prozent). Weiter rückläufig war die Verordnung von topischen Calcineurin-Inhibitoren, in der Summe um 6,3 Prozent. Bufexamac-haltige Mittel wurden insgesamt um 21,6 Prozent weniger verordnet.

Im Feld Akne konnten die oralen Retinoide um insgesamt 6,5 Prozent zulegen. Bei den Topika ist eine allgemeine Zunahme der Kombinationspräparate um 16,4 Prozent zu verzeichnen, bei der Kombination aus Clindamycin und Benzoylperoxid (Duac® Akne Gel) beträgt der Anstieg gar 37,2 Prozent.

Ebenfalls weiter angestiegen ist die Verordnung des zur Behandlung von aktinischen Keratosen zugelassenen Diclofenac/Hyaluronsäure-Gels (Solaraze® 3 % Gel), und zwar um 18,4 Prozent. Nebenbei sei angemerkt, dass das Präparat interessanterweise immer noch unter „Warzenmittel und Keratoplastika“ tabellarisch erfasst wird.

Bei der Psoriasistherapie haben die Kombinationspräparate aus Glukokortikoid und Vitamin-D-Analogon weiter zugelegt, am stärksten Daivobet® mit 28,1 Prozent. Auch die Verordnung des systemischen Mittels Ethylhydrogenfumarat/Dimethylfumarat (Fumaderm®) ist um 6,1 Prozent angestiegen.

Insgesamt stark zugelegt, um 15,9 Prozent, haben die Wundauflagen. Dieser Zuwachs lässt sich aber nicht aus der Entwicklung bei herkömmlichen Präparaten ableiten, sondern vielmehr aus dem großen Erfolg von Urgotül®, einer Serie von Wundauflagen mit den Komponenten weißes Vaselin, dickflüssiges Paraffin und Carmellose.

In der Zusammenschau lässt sich aus dermatologischer Sicht feststellen, dass dramatische Veränderungen im Jahr 2007 nicht zu verzeichnen waren. Das Werk erlaubt dem Interessierten unvermindert vielfältige Einblicke in den Arzneimittelmarkt und lässt erkennen, welche Trends sich bei den Trägern der gesetzlichen Krankenversicherung abzeichnen.

Prof. Dr. med. H. C. Korting, München

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