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  Ausgabe 1 (2010)

Dermokosmetik
Diabetisches Fußsyndrom

Patientenbefragung offenbart große Defizite beim Präventionsbewusstsein


Bericht von Dr. Joachim Kresken, Viersen

Fußprobleme gehören zu den häufigsten Folgekomplikationen bei Diabetes mellitus. Viele Diabetiker wissen offensichtlich jedoch nicht, dass sie etwas für ihre Fußgesundheit tun müssen und geeignete Fußpflegemaßnahmen helfen, Komplikationen zu vermeiden. Das zeigen die Ergebnisse einer Befragung von 3.375 Diabetikern aus dem Behandlungspool von 376 Arztpraxen, die das Forschungsinstitut INSIGHT Health im September 2009 im Auftrag der Firma Eduard Gerlach GmbH durchgeführt hat. Danach ist zwei Drittel der Patienten gar nicht bewusst, dass sie auf ihre Füße achten müssen, und fast die Hälfte betreibt Fußpflege – wenn überhaupt – nur selten oder gelegentlich. Aufklärung über sinnvolle Fußpflegemaßnahmen bleibt somit eine zentrale Aufgabe, um bei den Patienten das notwendige Problembewusstsein zu entwickeln. Dieser Aufgabe sollten sich die an der Diabetikerversorgung beteiligten Fachkreise verstärkt stellen.
Zu den häufigsten Folgeerscheinungen bei Diabetes mellitus gehört die Podopathie. Darunter wird eine durch Polyneuro-pathie bedingte Sensibilitätsstörung der Füße verstanden, die von einer peripheren arteriellen Durchblutungsstörung begleitet sein kann. In der Folge kommt es zu schmerzlosen Verletzungen, Geschwüren (Fußulzera) und Nekrosen insbesondere an druckbelasteten Fußarealen, die im schlimmsten Fall eine Amputation notwendig machen.

Pathogenese des
diabetischen Fußsyndroms

Fußulzera entwickeln sich aus einem Zusammenspiel verschiedener Faktoren, bei denen die diabetische Polyneuropathie eine zentrale Rolle spielt. Die autonome Nervenschädigung führt zu einer Abnahme der Schweiß- und Talgdrüsenaktivität mit der Folge, dass die Haut des Fußes trocken, rau und rissig wird.

Durch die motorische Neuropathie entwickelt der Patient Koordinationsstörungen, was zu Fußdeformationen sowie zu Fehlbelastungen mit anhaltender Druckeinwirkung und Schwielenbildung führen kann. Die sensorische Neuropathie wiederum reduziert die Reiz- und Schmerzwahrnehmung bis hin zur völligen Empfindungslosigkeit.

Letzteres ist der Hauptgrund dafür, dass die Anzeichen der Hauttrockenheit nicht registriert werden und ihnen nicht rechtzeitig entgegengewirkt wird. Die Folge ist dann, vor allem bei anhaltender Druckbelastung, nicht selten die Entwicklung eines Fußulkus. Begünstigt wird die Ulkusentstehung dadurch, dass bei etwa 75 bis 80 Prozent der Diabetiker die epidermale Barrierefunktion im plantaren Fußbereich herabgesetzt ist.

Defizite bei der Auswahl
des Schuhwerks

Eines der wichtigsten Ziele bei der Prävention des diabetischen Fußsyndroms ist die konsequente Druckentlastung zum Beispiel durch passendes Schuhwerk, gut sitzende Strümpfe und im Bedarfsfall mit Hilfe orthopädischer Maßschuhe. Allerdings gibt es in diesem Bereich Defizite: Nur gut die Hälfte aller Diabetiker achtet auf geeignete, gut passende Schuhe, gar nur 26 Prozent auf geeignete Strümpfe.

Gerade einmal acht Prozent tragen maßgefertigte Spezialschuhe aus der Werkstatt eines Orthopädieschuhmachers. Immerhin verwenden 16 Prozent Druckschutzartikel, also zum Beispiel Ballenpolster oder Vorfuß- beziehungsweise Fersenkissen aus elastischem Polymergel.

Weitere Defizite zeigen sich bei den Maßnahmen, mit denen sich eine Neuropathie oder Ischämie feststellen lassen. So findet derzeit nur bei 67 Prozent der Diabetiker eine Ganganalyse statt, und nur bei 57 beziehungsweise 37 Prozent werden Schuhe und Strümpfe mit in die Untersuchung einbezogen.

Schöne und gesunde Füße – darauf sollten insbesondere Diabetiker achten. Für sie ist das regelmäßige Eincremen der Füße mit geeigneten Fußpflegepräparaten besonders wichtig. Wenn dies unterlassen wird, droht als Folgekomplikation ein diabetisches Fußsyndrom.

Fußpflege als wichtige
Präventionsmaßnahme


Weitere wichtige Präventionsmaßnahmen gegen das diabetische Fußsyndrom sind die Identifikation von Hochrisikopatienten, die regelmäßige Inspektion und Untersuchung der Füße sowie die rechtzeitige Behandlung von bereits erkrankter Haut. Darüber hinaus kommt der Schulung der Patienten unter anderem in Bezug auf die Fußpflege eine hohe Bedeutung zu. Besonders bei Diabetikern mit motorischer und autonomer Neuropathie kann es infolge von Fehlbelastungen und damit verbundener fortdauernder Druckbelastung auf die Füße zur Ausbildung von Hornhautschwielen (Kallus) kommen. Da diese wiederum den plantaren Druck auf das Weichteilgewebe erhöhen, gelten Schwielen ebenso wie eine gestörte epidermale Barriere mit dem Erscheinungsbild von trockener, rissiger Haut als mitursächlich für die Entstehung diabetischer Fußulzera.

Zur Prävention sollten Fußpflegepräparate benutzt werden, die zur Pflege trockener Haut geeignet sind und nachweislich zur Wiederherstellung eines normalen Hautzustands beitragen. Gemäß der Leitlinie „Dermokosmetika zur Reinigung und Pflege trockener Haut“ der Gesellschaft für Dermopharmazie sollten solche Präparate einen ausreichend hohen Lipidanteil von wenigstens 20 Prozent aufweisen und gleichzeitig Zusätze von effektiven feuchtigkeitsbindenden Substanzen enthalten.

Gelegentlich ist immer noch zu hören, dass lipidreiche Fußpflegecremes bestimmte Hautfunktionen, wie die Transpirationsfähigkeit und die Wärmeregulation, negativ beeinflussen sollen. Dies ist jedoch weder aufgrund theoretischer Überlegungen noch aufgrund experimenteller Befunde zu befürchten.

Zahlreiche Untersuchungen haben gezeigt, dass lipidreiche Formulierungen bei trockener Haut den transepidermalen Wasserverlust lediglich in erwünschtem Ausmaß erniedrigen. Eine vollständige Unterbindung der Wasserabgabe und Versiegelung der Haut bewirken sie dagegen nie. Selbst reine Vaseline führt nicht zu einem solchen unerwünschten Effekt.

Lückenhaftes Bewusstsein
für notwendige Fußpflege

Die vom Forschungsinstitut INSIGHT Health durchgeführte Befragung hat gezeigt, dass das Bewusstsein für die Notwendigkeit von Präventionsmaßnahmen gegen das diabetische Fußsyndrom bei vielen Patienten nach wie vor nicht vorhanden oder nicht ausreichend ausgeprägt ist. So folgt nur gut die Hälfte der in einer Patientenleitlinie der Bundesärztekammer enthaltenen Empfehlung, die Füße täglich zu inspizieren.

Auch das in dieser Leitlinie empfohlene regelmäßige Eincremen der Füße und Beine mit feuchtigkeitsspendenden Pflegepräparaten wird nur von 40 Prozent der Diabetiker wahrgenommen. Wie die Befragung auch gezeigt hat, haben jedoch die Hälfte aller Patienten wegen Einschränkungen bei der Beweglichkeit Probleme damit, die Füße einzumassieren.

Fehler werden offensichtlich auch beim Reinigen der Füße gemacht. So halten viele Befragte die Empfehlungen zur Dauer und Temperatur von Fußbädern nicht ein. Laut der Leitlinie der Bundesärztekammer sollte das Bad nicht länger als drei bis fünf Minuten dauern und eine Temperatur von 37 bis 38 Grad Celsius nicht überschreiten. Der Grund für diese Empfehlung ist wohl, dass durch längeres Baden bei höheren Temperaturen die Hautaustrocknung forciert werden kann.

Ein positives Ergebnis der Befragung war, dass die meisten Diabetiker, die Fußpflege betreiben, den Empfehlungen von Ärzten und Apothekern vertrauen. Immerhin 32 Prozent aller Patienten lassen sich Pflegetipps in der Arztpraxis geben, und 44 Prozent der Befragten kaufen Fußpflegeprodukte bevorzugt in der Apotheke ein.

Dermatologen und auf Hautfragen spezialisierte Apotheker motivieren, sich an der Aufklärung über sinnvolle Fußpflegemaßnahmen für Diabetiker zu beteiligen und dabei ihr dermopharmazeutisches Hintergrundwissen einzubringen. Durch ein solches Engagement würden beide Berufsgruppen einerseits einen wichtigen sozialmedizinischen Beitrag zur Prävention des diabetischen Fußsyndroms leisten und könnten andererseits womöglich zusätzliche Patienten- beziehungsweise Kundenkreise erschließen.

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