Suchen | Feedback | Inhalt | English
 
 
Organ der
 

GD — Gesellschaft für Dermopharmazie e.V.

   
 

Home
Ausgabe:
1/2015
1/2014
1/2013
1/2012
2/2011
1/2011
1/2010
1/2009
1/2008
2/2007
1/2007
2/2006
1/2006
2/2005
1/2005
2/2004
1/2004
2/2003
1/2003
2/2002
1/2002
4/2001
3/2001
2/2001
1/2001
1/2000
 
 
 
Weitere Links:
 
 
Gesellschaft für
Dermopharmazie
 
 
 
 
 

 
  Ausgabe 1 (2011)

Dermokosmetik

Evidenzbasierte Dermokosmetik
Salicyloyl-Phytosphingosin vermindert die Zeichen der lichtgeschädigten Altershaut

Bericht von Dr. Claudia Bruhn, Schmölln, und Dr. Joachim Kresken, Viersen

Das Konzept einer evidenzbasierten Dermokosmetik erfreut sich zunehmender Akzeptanz. Insbesondere für Dermokosmetika gegen Hautalterung haben sich evidenzbasierte Strategien in den vergangenen Jahren mehr und mehr durchgesetzt. Wie in der Leitlinie „Dermokosmetika gegen Hautalterung“ der GD Gesellschaft für Dermopharmazie ausgeführt wird, reicht das Spektrum gut dokumentierter Wirkstoffe von den Vitaminen A und C über Alpha-Liponsäure bis hin zu einem Polypeptid. Eine weiterer innovativer Wirkstoff und Kandidat für die Erwähnung in der Leitlinie ist Salicyloyl-Phytosphingosin. Für diese aus der Ceramid-Herstellung stammende Substanz konnte sowohl in vitro als auch in kontrollierten In-vivo-Studien gezeigt werden, dass sie bei Einsatz in geeigneten Grundlagen schon in einer Konzentration von 0,2 Prozent die epidermale Hautbarriere regeneriert, die dermo-epidermale Junktionszone stabilisiert und den Kollagenabbau in der Dermis hemmt.


Die in der menschlichen Haut stattfindenden Alterungsprozesse sind eine Kombination aus intrinsischer und extrinsischer Hautalterung (Kasten auf Seite 27). Die genetisch determinierte intrinsische Hautalterung ist dadurch gekennzeichnet, dass – vornehmlich in den epidermalen Schichten – der Metabolismus und die Zellerneuerungsrate nach und nach abnehmen, die Haut transparenter erscheint und feine Fältchen sichtbar werden.

Merkmale der
lichtgeschädigten Altershaut


Die extrinsische Hautalterung wird durch Umwelteinflüsse und das individuelle Verhalten verursacht. Die Hauptrolle neben Umweltschadstoffen und mechanischer Beanspruchung spielt hier die UV-Strahlung, die zum typischen Bild der lichtgeschädigten Altershaut, dem so genannten Photoaging, führt.

Das Photoaging findet überwiegend in tieferen Hautschichten statt. Typischerweise kommt es dabei zu Hyperpigmentierungen, einem verstärkten Abbau von Kollagenfasern, vermehrter Bildung tiefer Falten und einer Atrophie der dermoepidermalen Junktionszone, die für die Versorgung der Epidermis durch die Dermis und die Verankerung der Kollagenfasern verantwortlich ist.

Zu den Molekülen, die beim Photoaging ein Rolle spielen, zählen das Fibrillin, das für die Ausbildung und Verankerung der Kollagenfasern in der Basalmembran sorgt, das Kollagen als Hauptstrukturprotein der Dermis, dessen Produktion durch UV-Strahlung vermindert wird, sowie die Matrix-Metalloproteinasen (MMP), die den enzymatischen Abbau von kollagenen und elastinen Fasern beschleunigen.

Ein Ceramid-Derivat als
aussichtsreicher Wirkstoff


Um die Zeichen der lichtgeschädigten Altershaut zu vermindern, werden heute zahlreiche kosmetische Mittel mit den unterschiedlichsten Wirkstoffen angeboten. Von diesen Stoffen oder Stoffgemischen genügen hinsichtlich ihres Wirksamkeitsnachweises jedoch längst nicht alle wissenschaftlichen Anforderungen.

Strukturformel von Salicyloyl-Phytosphingosin


Als Substanzen, deren Wirksamkeit in placebokontrollierten Doppelblindstudien belegt wurde, werden in der Leitlinie „Dermokosmetika gegen Hautalterung“ nur die Vitamine A und C, Alpha-Liponsäure und ein Polypeptid genannt [1, 3]. Ein weiterer gut dokumentierter Wirkstoff, der womöglich in der nächsten Fassung der Leitlinie Erwähnung finden wird, ist Salicyloyl-Phytosphingosin [4, 5].

Die Produktion von Salicyloyl-Phytosphingosin basiert auf der Fermentation von Hefen. Dabei entsteht der Ceramid-Grundbaustein Phytosphingosin, eine 100-prozentig hautidentische Substanz. Während im Rahmen der Ceramidproduktion an diese Ausgangssubstanz verschiedene Fettsäuren gekoppelt werden, gewinnt man Salicyloyl-Phytosphingosin durch Kopplung an Salicylsäure (siehe Strukturformel auf Seite 26).

In-vitro-Experimente liefern
interessante Erkenntnisse


Salicyloyl-Phytosphingosin wurde aufgrund seiner antimikrobiellen Eigenschaften zunächst auf Wirksamkeit gegen Akne getestet, jedoch ohne den erhofften Erfolg [5]. Dagegen zeigte sich in Zellkulturversuchen an dermalen Fibroblasten, dass die Substanz einen signifikanten Anstieg von extrazellulärem Pro-Kollagen 1 bewirkt, das bei lichtgeschädigter Altershaut vermindert ist.

Darüber hinaus wurde in umfangreichen DNA-Chip-Experimenten mit Keratinozytenkulturen festgestellt, dass Salicyloyl-Phytosphingosin zahlreiche Gene hochreguliert, die für die Reparatur epidermaler Strukturen, den Lipid-Metabolismus der Haut und die Bildung der Hautbarriere verantwortlich sind [6].

Untersuchungen an künstlichen Hautmodellen zeigten, dass die Substanz die Ceramidsynthese anregt. Interessanterweise bewirkt sie in der Epidermis einen Anstieg von genau denjenigen Ceramiden, die für eine funktionsfähige Hautbarriere notwendig sind.

Gestörte epidermale Barriere
wird regeneriert


Das insgesamt viel versprechende Potenzial, das für Salicyloyl-Phytosphingosin in In-vitro-Untersuchungen gefunden wurde, war Anlass, die Substanz anschließend auch in vivo auf ihre Wirksamkeit bei lichtgeschädigter Altershaut zu prüfen. Dazu wurden mehrere placebokontrollierte Studien mit unterschiedlicher Fragestellung durchgeführt [5].

In einer orientierenden Untersuchung an hautgesunden Probanden wurde bestätigt, dass Salicyloyl-Phytosphingosin imstande ist, eine gestörte Hautbarriere zu regenerieren. Um dies zu belegen, wurde zunächst mit Natriumlaurylsulfat (NaLS) die Hautbarriere gestört. Anschließend wurde durch Messung des transepidermalen Wasserverlusts (TEWL) die Regeneration mit und ohne Produktanwendung verfolgt.

Auf unbehandelter Haut nahm der TEWL vier Tage nach der Vorbehandlung mit NaLS um durchschnittlich 6,2 Einheiten ab. Durch Anwendung einer Zubereitung mit 0,2 Prozent Salicyloyl-Phytosphingosin wurde dagegen eine Abnahme des TEWL um 9,6 Einheiten festgestellt, während nach Anwendung der gleichen Zubereitung ohne Salicyloyl-Phytosphingosin lediglich eine TEWL-Abnahme von 7,8 Einheiten registriert wurde.

Kontrollierte In-vivo-Studien
zeigen positive Effekte


In einer dreiarmigen kontrollierten Studie [4, 5] wurde an Hautbiopsien von zehn Probanden mit lichtgealterter Haut (Alter: 54 bis 71 Jahre) der Einfluss von Salicyloyl-Phytosphingosin auf die Bildung der Proteine Fibrillin 1 und Pro-Kollagen 1 sowie auf die Aktivität der kollagenabbauenden MMP 1-Kollagenase geprüft. Dazu wurde eine 0,2-prozentige Zubereitung im Vergleich zum Vehikel und zu einer Zubereitung mit 0,025 Prozent all-trans-Retinsäure getestet.

Die Ergebnisse zeigten für die Zubereitung mit 0,2 Prozent Salicyloyl-Phytosphingosin in allen drei Bereichen eine ausgeprägte Wirksamkeit. Im Vergleich zu Hautproben, die nur mit Vehikel behandelt worden waren, kam es bereits nach vier Tagen zu einem Anstieg von Fibrillin 1 um 82 Prozent und von Pro-Kollagen 1 um 30 Prozent sowie zu einer Abnahme der MMP 1-Aktivität um 46 Prozent.

Neben dem Vehikel wurde in dieser Untersuchung auch der zur Verwendung in kosmetischen Mitteln nicht zugelassene Anti-Aging-Goldstandard all-trans-Retinsäure übertroffen. Damit übt Salicyloyl-Phytosphingosin auf alle Prozesse, die beim Photoaging eine Rolle spielen, relevante positive Effekte aus.

Dass diese Effekte auch in der praktischen Anwendung zum Tragen kommen, zeigte eine placebokontrollierte Studie, bei der 30 Probanden zweimal täglich über vier Wochen eine 0,2-prozentige Salicyloyl-Phytosphingosin-haltige Creme periorbital applizierten. Dabei kam es zu einer deutlichen Reduktion der Faltentiefe am Auge und zu einer Abmilderung der vormals tiefen Falten zu feineren Strukturen. Objektiviert wurde dies mit Hilfe der FOITS-Messtechnik.

Bioverfügbarkeit hängt
von der Formulierung ab


Um nachzuweisen, dass Salicyloyl-Phytosphingosin in die Haut eindringt, wurde seine Penetrationsfähigkeit an Schweinehaut mit Franz-Diffusionszellen untersucht. In die Penetrationsstudien wurden verschiedene Zubereitungen mit jeweils 0,2 Prozent Wirkstoff einbezogen.

Die Ergebnisse zeigten, dass der Wirkstoff aus allen getesteten Formulierungen freigesetzt wurde und zur Penetration gelangte. Allerdings traten in Abhängigkeit von der Zusammensetzung der Grundlage starke Schwankungen in der Penetrationsrate auf, was Auswirkungen auf die Wirksamkeit haben kann.

Die höchsten Penetrationsraten wurden für O/W-Emulsionen auf Basis polarer Lipide wie Octyldodecanol gefunden, bei denen ein ethoxylierter Fettalkohol (Ceteareth 25) als Emulgator und ein Gemisch aus einer Silikonverbindung (Bis-PEG/PPG-16/16 Dimethicone) und Triglyceriden (Caprylic/Capric Triglycerid) als Co-Emulgator verwendet wurden.

Diese Befunde zeigen einmal mehr, dass für die Wirksamkeitsbeurteilung eines kosmetischen Wirkstoffs – vergleichbar mit der topischen Dermatotherapie – stets auch der Einfluss des Vehikels mit zu berücksichtigen ist.

Merkmale intrinsisch beziehungsweise extrinsisch gealterter Haut (nach [1, 2])

Intrinsisch gealterte Haut

Extrinsisch gealterte Haut

„altersgemäßes Hautbild“

„vorzeitig gealtertes Hautaussehen“

feine Einziehungen und Falten

grobe Runzeln, tiefe Falten

dünn, blass, trocken, verletzlich

häufig sehr trocken, schuppig, stumpf

gleichmäßige Pigmentierung

ungleichmäßige Pigmentierung

normaler Melaningehalt

vermehrte Anzahl von Melanin-/Nävuszellnävi, Lentigines

unverändertes Stratum corneum

verdicktes Stratum corneum

geringgradige Atrophie der

dermoepidermalen Junktionszone

ausgedehnte Atrophie der dermoepidermalen Junktionszone

Verringerung der Mikrovaskularisation

Purpura senilis

prominente vaskuläre Veränderungen

Teleangiektasien

Ekchymosen

perivaskulär entzündliches Infiltrat

Elastizitätsverlust des Bindegewebes

ausgeprägte Elastose

Verminderung der Talg- und Schweißdrüsenproduktion

Verminderung der Talg- und Schweißdrüsenproduktion

benigne Neoplasien (zum Beispiel seborrhoische Keratosen, Basaliome)

benigne Neoplasien (zum Beispiel seborrhoische Keratosen, Basaliome)

.

„carcinoma in situ“ (aktinische Keratosen)

.

maligne Neoplasien (Spinaliome)


Literatur


[1] GD Gesellschaft für Dermopharmazie: Leitlinie „Dermokosmetika gegen Hautalterung“, Fassung vom 22. März 2010. www.gd-online.de

[2] Krutmann J, Diepgen T: Hautalterung – Grundlagen, Prävention, Therapie. Springer, Berlin-Heidelberg-New York (2003)

[3] Mitteilung der GD Gesellschaft für Dermopharmazie: Dermokosmetika gegen Hautalterung – Neue Leitlinie der GD will bei Anti-Aging-Kosmetika mehr Transparenz schaffen. DermoTopics 10 (2010), 7-8

[4] Farwick M et al: Salicyloyl-Phytosphingosine, a novel agent for the repair of photoaged skin. Int J Cosm Sci 29 (2007) 319-329

[5] Lange J: Salicyloyl-Phyto-sphingosin, ein neuer Wirkstoff gegen lichtgeschädigte Altershaut. Vortrag beim Symposium „Konzepte der Dermokosmetik – Probleme und Lösungen“ der GD Gesellschaft für Dermopharmazie am 13. November 2010 in Berlin

[6] Paragh G et al: Novel sphingolipid derivatives promote keratinocyte differentiation. Exp Dermatol 17 (2008) 1004-1016

nach oben

 

März 2011 Copyright © 2000 - 2016 ID-Institute for Dermopharmacy GmbH. Kontakt: webmaster@gd-online.de