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GD — Gesellschaft für Dermopharmazie e.V.

   
 

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Titelfoto Ausgabe 1 (2016)

Dermopharmazie aktuell
Management der atopischen Dermatitis
Wichtigste Therapiemaßnahme ist eine
adäquate Hautpflege


Bericht von Dr. Claudia Bruhn, Schmölln, und Dr. Joachim Kresken, Viersen

Die atopische Dermatitis (AD, Neurodermitis) hat viele Gesichter und ist hinsichtlich ihrer Pathophysiologie sehr komplex. Bei praktisch allen Betroffenen ist aufgrund einer genetischen Prädisposition die epidermale Barriere gestört, wodurch es zu einer Erhöhung des transepidermalen Wasserverlustes sowie zu einem erhöhten Penetrationsrisiko für Irritanzien, Krankheitserreger und Aeroallergene kommt. Als Folge davon können Hautaustrocknung, Juckreiz und Entzündungssymptome auftreten. Um dem entgegenzuwirken, ist eine regelmäßige, auf den jeweiligen Hautzustand abgestimmte Basispflege unabdingbar, die im Bedarfsfall durch eine Therapie mit topischen Glukokortikoiden, topischen Calcineurin-Inhibitoren und/oder anderen Behandlungsverfahren zu ergänzen ist. Patienten, bei denen Aeroallergene als Triggerfaktoren eine Rolle spielen, können womöglich auch von einer allergenspezifischen Immuntherapie profitieren.


Das Management der AD war Thema eines Firmenseminars der LETI Pharma GmbH, Ismaning, anlässlich der 20. Jahrestagung der GD Gesellschaft für Dermopharmazie vom 14. bis 16. März 2016 in Berlin. Dort betonten die Dermatologen Professor Dr. Natalija Novak, Bonn, Professor Dr. Randolf Brehler, Münster, und Privatdozentin Dr. Petra Staubach, Mainz, die Wichtigkeit einer adäquaten Hautpflege für das Management der AD.

Hautpflege ist die Basis
jedweder Therapie

Die Wiederherstellung einer intakten Hautbarriere durch eine adäquate Hautpflege ist die Basis jedweder Therapie, erklärte Professor Novak. Im nächsten Schritt könne dann eine Behandlung mit topischen Glukokortikoiden oder den topischen Calcineurin-Inhibitoren Tacrolimus und Pimecrolimus in Frage kommen. Weitere Therapieoptionen sind unter anderem die UV-Phototherapie und, in schweren Fällen, systemisches Ciclosporin.

Sehr wichtig ist nach Ansicht von Professor Novak die Aufklärung und Beratung der Patienten und gegebenenfalls ihrer Angehörigen. Ihnen sei zu vermitteln, dass die AD eine chronische Erkrankung ist und man lernen müsse, damit umzugehen.

Patienten, bei denen Aeroallergene als Triggerfaktoren identifiziert wurden, könnten, so Novak, womöglich auch von einer spezifischen Immuntherapie (SIT) profitieren. Dafür sprechen mehrere klinische Studien, darunter eine nicht kontrollierte Studie mit Birkenpollenallergenen und eine kontrollierte Studie mit Hausstaubmilbenallergenen [1, 2]. Für eine abschließende Bewertung des Nutzens der SIT bei AD reicht die Studienlage gemäß einer Metaanalyse und eines Cochrane-Reviews jedoch noch nicht aus [3, 4].

Professor Dr. Randolf Brehler von der Universitäts-Hautklinik Münster stellte die aktuelle S2k-Leitlinie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft zur Neurodermitis vor.

DDG-Leitlinie gibt wertvolle
Therapiehinweise


Die aktuelle Neurodermits-Leitlinie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) befürwortet den Einsatz der SIT im Rahmen der zugelassenen Indikationen (Rhinitis allergica, allergisches Asthma bronchiale, Insektengiftallergie) bei gleichzeitig bestehender AD [5]. Zudem gibt sie weitere wertvolle Therapiehinweise, auf die Professor Brehler hinwies.

Wichtig sei, dass eine dreimal tägliche Anwendung von topischen Glukokortikoiden der zweimal täglichen nicht überlegen ist und auch zwischen ein- und zweimal täglichem Aufragen kaum Unterschiede feststellbar sind. Nach Abklingen eines behandelten akuten Schubs wird zur Vermeidung neuer Schübe eine zweimal wöchentliche Weiterbehandlung empfohlen. Dieses Konzept einer proaktiven Therapie sollte auch bei Einsatz von topischen Calcineurin-Inhibitoren verfolgt werden.

Bei zusätzlichen Infektionen empfiehlt die Leitlinie orale Antibiotika, während der Nutzen von topischen Antiseptika – außer bei Superinfektionen kritisch bewertet wird. Eine bakterielle Kolonisierung mit Staphylococcus aureus könne nachweislich auch mit topischen Glukokortikoiden und topischen Calcineurin-Inhibitoren reduziert werden. Topische Antimykotika können bei Ekzemen im Kopf- und Halsbereich sinnvoll sein, während H1-Antihistaminika und Mastzellstabilisatoren zur Linderung des Juckreizes nicht mehr empfohlen werden.

Stark ausgeprägte und persistierende Ekzeme können außerhalb der Zulassung auch mit Mycophenolat, Azathioprin oder Methotrexat behandelt werden. Neu erprobt für den Einsatz bei AD-Patienten werden derzeit Biologika wie Secukinumab sowie der monoklonale Interleukin-4-Antikörper Dupilumab, dessen Nutzen bereits gezeigt werden konnte [6].

Professor Dr. Randolf Brehler von der Universitäts-Hautklinik Münster stellte die aktuelle S2k-Leitlinie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft zur Neurodermitis vor.

Aus Sphingolipiden kann der menschliche Organismus die für die epidermale Hautbarriere bedeutsamen Ceramide bilden. Darüber hinaus besitzen Sphingolipide eine Funktion als Signalmoleküle, über die sie unter anderem den Lebenszyklus von Keratinozyten beeinflussen. Eine wichtige Rolle scheint dabei das Sphingosin-1-phospahat (S1P) zu spielen.

Die Erkenntnisse aus gemeinsamen pharmakologischen Forschungsarbeiten führten Professor Kleuser und Professor Korting zu der Überlegung, dass die dermale Applikation von S1P-Analoga eine Option für die Behandlung entzündlicher Hauterkrankungen sein könnte. Mittlerweile, so Kleuser, sei es einer australischen Firma gelungen, topische S1P-Analoga zur Behandlung der Psoriasis und der atopischen Dermatitis in klinische Prüfungen der Phasen I und II zu überführen.

Basispflege ist eine wichtige
Präventionsmaßnahme


Privatdozentin Staubach wies in ihrem Vortrag auf die Bedeutung der Basispflege für die Prävention der AD hin. Sie zitierte eine kontrollierte Studie, bei der die von einer Atopie betroffenen Eltern von 124 Neugeborenen angehalten wurden, ihre Kinder einmal täglich am ganzen Körper einzucremen. Bei diesen Kindern trat vor dem sechsten Lebensmonat lediglich in 22 Prozent der Fälle eine AD auf, während in der Kontrollgruppe ohne Prävention eine signifikant höhere kumulative Inzidenz von 43 Prozent verzeichnet wurde [7].

Weiterhin ging die Referentin auf die Produktmengen ein, die für eine konsequente Basispflege veranschlagt werden müssen. Untersuchungen zufolge werden bei zweimal täglicher Ganzkörper-Anwendung für einen drei Monate alten Säugling etwa acht Gramm, für ein einjähriges Kind etwa 12 Gramm und für ein zwölfjähriges Kind etwa 36,5 Gramm Produkt benötigt.

Die verwendeten Produkte sollten hinsichtlich ihrer Wirksamkeit bestimmte Anforderungen erfüllen. Dazu gehören eine Stabilisierung der Hautbarriere durch eine effiziente Hydratisierung und Fettung der Haut, eine Juckreizlinderung, eine Schutzwirkung gegen Aeroallergene sowie möglichst eine Verringerung des Infektionsrisikos. Aus Patientensicht spielen auch eine leichte Anwendbarkeit der Zubereitung, eine gute Verträglichkeit und ein angenehmer Geruch eine wichtige Rolle.

Die genannten Anforderungen erfüllen beispielsweise die Pflegeprodukte der letiAT4-Serie, erklärte Staubach. Für sie wurde in Studien nachgewiesen, dass sie vor Hautaustrocknung schützen, die epidermale Barriere wiederherstellen, Juckreiz lindern und die Gefahr von Superinfektionen verringern ([8, 9] sowie noch nicht veröffentlichte Daten).

Privatdozentin Dr. Petra Staubach von der Universitäts-Hautklinik Mainz informierte über die Wichtigkeit der Basispflege bei Neurodermitis.

Weitere Forschungsergebnisse aus dem Arbeitskreis von Professor Müller-Goymann stellten deren Doktorandinnen Anja Täuber und Julia Dietsch in Kurvorträgen zu ihren Postern mit den Titeln „Differential scanning calorimetry on human nail clippings, keratin films and bovine hoof plates – effect of formulation ingredients” beziehungsweise „Equilibrium Dialysis with various membranes for API transport studies” vor. Ihre Arbeiten wurden mit dem „Hans Christian Korting-Nachwuchspreis für Dermopharmazie“ ausgezeichnet.

Literatur

[1] Novak N et al: Subcutaneous immunotherapy with a depigmented polymerized birch pollen extract – A new therapeutic option for patients with atopic dermatitis. Int Arch Allergy Immunol 155 (2011) 252-256

[2] Novak N et al: Efficacy and safety of subcutaneous allergen-specific immunotherapy with depigmented polymerized mite extract in atopic dermatitis. J Allergy Clin Immunol 130 (2012) 925-931

[3] Bae JM et al: Efficacy of allergen-specific immunotherapy for atopic dermatitis – A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. J Allergy Clin Immunol 132 (2013) 110–117

[4] Tam HH et al: Specific allergen immunotherapy for the treatment of atopic eczema – A systematic review. Allergy 71 (2016) 1345 -1356

[5] Leitlinie Neurodermitis (atopisches Ekzem; atopische Dermatitis), Entwicklungsstufe: S2k, AWMF-Registernummer 013-027, letzte Überarbeitung 03/2015

[6] Thaçi D, et al: Efficacy and safety of dupilumab in adults with moderate-to-severe atopic dermatitis inadequately controlled by topical treatments – A randomised, placebo-controlled, dose-ranging phase 2b trial. Lancet 387 (2016) 40-52

[7] Simpson EL et al: Emollient enhancement of the skin barrier from birth offers effective atopic dermatitis prevention. J Allergy Clin Immunol 134 (2014) 818-823

[8] Conte L et al: In vitro evalutation of the capacity of a cream that aids treatment of atopic skin to reduce inflammation from and control of Staphylococcus aureus. Poster auf dem 35. Kongress der Spanischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie (AEDV), 14.-16. Juni 2007, Granada/Spanien

[9] González Salteiro E et al: Use of an emollient body cream in a population with atopic tendency (spanisch). Poster auf dem 42. Kongress der Spanischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie (AEDV), 4.-8. Juni 2014, Gran Canaria/Spanien


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