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GD — Gesellschaft für Dermopharmazie e.V.

   
 

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  Ausgabe 2 (2006)

Dermopharmazie aktuell
Medikamentöse, dermokosmetische und psychologische Aspekte

Beim Management der Akne ist der Dermatologe besonders gefordert


Bericht von Dr. Walter Wigger-Alberti, Hamburg

Acne vulgaris und die zur Akne neigende Haut sind ein weit verbreitetes dermatologisches Problem, das vom Kleinkindalter bis in das fünfte Lebensjahrzehnt hineinreichen kann. Wenn auch der überwiegende Teil der klassischen Akne (Acne papulopustulosa Grad I/II) das Teenageralter erfasst, so sind doch zunehmend und insgesamt mit einem großen Anteil klinische Verläufe mit hoher Chronizität bekannt. Darauf wurde bei einem Mittagsseminar zum Thema "Akne-Management: Therapie - Kosmetik - Patient" hingewiesen, das am 4. April 2006 im Rahmen der 10. Jahrestagung der Gesellschaft für Dermopharmazie in Münster stattfand und von der Firma Galderma Laboratorium GmbH unterstützt wurde.
Zur Einleitung ins Thema stellte der Präsident der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft, Professor Dr. Harald P.-M. Gollnik, Magdeburg, die Pathogenese der Akne vor. Er betonte die Bedeutung der Mikrokomedonen, der Entzündungsmediatoren, der Talgdrüsenrezeptoren, der androgenmetabolisierenden Enzyme im Talgdrüsenfollikelapparat sowie die Beteiligung von Propionibacterium acnes für die Entwicklung der Akne. Eine klare Abgrenzung zur Rosacea sei möglich und therapeutisch erforderlich.


Prominenz am Mikrofon: Professor Dr. Harald P.-M. Gollnick, der Präsident der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft, war Moderator des Symposiums und trug über Akne als chronische
Krankheit vor.

Akne als chronische
Krankheit
Nach Gollnik leiden etwa 30 Prozent der von Akne Betroffenen unter schweren und zur Chronizität neigenden klinischen Formen, die eine Betreuung durch den Facharzt erforderten. Bei einigen dieser Patienten seien erhebliche klinische und psychologische Folgeerscheinungen zu beobachten. Zudem hätten Erhebungen zur Lebensqualität gezeigt, dass diese bei vielen Patienten in einem Maße wie bei Asthma bronchiale oder Epilepsie beeinträchtigt sei.

Gollnik ging so weit, die Acne vulgaris hinsichtlich ihrer Bedeutung aufgrund der Dauer der Erkrankung, der möglichen Entzündungsreaktion, der Rezidivhäufigkeit sowie der sozialen und psychologischen Probleme dem atopischen Ekzem gleichzustellen und forderte, die Krankheit gemäß WHO (ICF) neu zu bewerten.

Chronische Verläufe im Sinne der Acne tarda bedürften manchmal über Jahrzehnte einer Therapie mit systemischen und/oder topischen Dermatika. Jüngere Studien hätten die Notwendigkeit einer Erhaltungstherapie zum Beispiel von Adapalen in Kombination mit Clindamycin, Doxycyclin oder Benzoylperoxid zur langfristigen Sicherung des Therapieerfolgs gezeigt.

Stellenwert von
dermokosmetischen Maßnahmen


Professor Dr. Martina Kerscher von der Universität Hamburg ging auf den Stellenwert der Dermokosmetik bei Akne ein. Dabei grenzte sie die zur Akne neigende Haut, welche in besonderer Weise der Dermokosmetik zugänglich sei, von der Acne excoriée, die eine Zwischenstellung einnimmt, und den schweren Verlaufsformen der Acne vulgaris ab. Sie verwies auf die existierende Leitlinie der Gesellschaft für Dermopharmazie mit dem Titel „Dermokosmetika zur Reinigung und Pflege der zur Akne neigenden Haut“.

Kerscher betonte, dass alle kosmetischen Verfahren und Mittel, die ausschließlich oder unterstützend zur Aknetherapie eingesetzt werden, dem individuellen Hautzustand angepasst sein sollten. So könne zum Beispiel bei einer Acne comedonica die manuelle Therapie sehr gut mit einem chemischen Peeling auf der Basis von alpha-Hydroxysäuren kombiniert werden.

Da Akne meist mit einer Seborrhoe einhergehe und das auf der Hautoberfläche sichtbare Sebum kosmetisch als störend empfunden werde, müssten die verwendeten Reinigungs- und Pflegeprodukte auf dieses Problem abgestimmt werden. Ideale Hautreinigungsprodukte sollten sowohl einen adstringierenden als auch einen antiseptischen und gegebenenfalls komedolytischen Effekt aufweisen.

Als Pflegepräparate kämen sowohl leichte O/W-Emulsionen als auch fettfreie Hydro- oder Hydrodispersionsgele in Frage, eventuell mit keratolytisch, komedolytisch oder antibakteriell wirksamen Zusätzen. Damit diese Präparate auch begleitend oder im Nachgang zu einer mit Hautirritationen einhergehenden Vitamin-A-Säure-Therapie eingesetzt werden können, dürften sie keine starke Irritationswirkung aufweisen.

Auch Mittel, die zum Abdecken störender Effloreszenzen und zum Lichtschutz verwendet werden, müssten auf die speziellen Anforderungen des Hautzustands bei Akne beziehungsweise bei zu Akne neigender Haut zugeschnitten sein. Die Anwendung von Lichtschutzmitteln sei nicht nur wichtig, um eine Verschlechterung der Akne durch UV-Strahlung zu vermeiden, sondern könne auch bei Anwendung von Arzneimitteln, die zu einer erhöhten Photosensitivität der Haut führen, notwendig sein.

Psychologische Aspekte
der Akne

Auf psychologische Aspekte der Akne ging Professor Dr. Uwe Gieler, Gießen, ein. Insgesamt gebe es nach Durchsicht der Literatur beklagenswert wenige Daten zur Interaktion von Akne und Psyche. Auch Gieler betonte, dass Aknepatienten in ihrer Lebensqualität erheblich beeinträchtigt seien und häufiger unter sozialen Phobien und körperdysmorphen Störungen litten als andere Hautpatienten.


Wie alle Veranstaltungen der 10. GD-Jahrestagung war auch das Mittagsseminar zum Management der Akne sehr gut besucht und stieß bei den Teilnehmern auf großes Interesse.

Der Hautarzt sei in besonderer Weise gefordert, die psychosomatische Gesamtsituation des Patienten zu erkennen. Oftmals bestehe gar kein Zusammenhang zwischen dem objektiven Schweregrad und der subjektiven Beeinträchtigung des Patienten durch die Erkrankung. Auch wenn bisher noch keine Studien zur Effektivität von Psychotherapie bei Akne vorlägen, sei nach Experteneinschätzung bei depressiven Folgereaktionen, sozialer Phobie und körperdysmorphen Störungen durchaus eine adjuvante Psychotherapie indiziert.

Außerdem wies Gieler darauf hin, dass psychologische Aspekte auch bei der oft unbefriedigenden Patientencompliance in der Aknetherapie eine bedeutende Rolle spielen. Viele Aknepatienten fühlten sich vom Hautarzt nicht ausreichend informiert und ernst genommen.

Bei einer Umfrage, die Gieler unter 100 niedergelassenen Dermatologen durchführte, gaben immerhin zwei Drittel der befragten Hautärzte an, dass sich die Compliance ihrer Aknepatienten nach Umsetzung eines patientengerechteren Kommunikationskonzepts verbessert habe.

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