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  Ausgabe 1 (2002)

Dermokosmetik
In künstlich gezüchtetem Ganzhautmodell identifiziert
Wirkstoffe gegen Hautalterung in kosmetischen Mitteln

Neben einem gepflegten Erscheinungsbild nimmt der Trend zum jugendlichen Aussehen heute einen hohen Stellenwert ein. Falten und andere sichtbare Spuren der Hautalterung werden immer weniger akzeptiert. Dank verschiedener kosmetischer Wirkstoffe ist es inzwischen möglich, die Haut jünger aussehen zu lassen, als es dem biologischen Lebensalter entspricht. Zur Identifizierung solcher Wirkstoffe beschreitet die Firmengruppe Schwarzkopf & Henkel neue Wege. Sie verwendet ein künstlich gezüchtetes Ganzhautmodell, mit dem sowohl Wirkstoffe als auch Formulierungen schneller und effektiver als mit herkömmlichen Methoden auf ihre Antiaging-Effekte untersucht werden können.

Mit künstlich gezüchteten In-vitro-Ganzhautmodellen lassen sich die natürlichen Alterungsvorgänge in der Haut experimentell nachstellen und die Einflüsse von Wirkstoffen und Fertigprodukten auf diese Vorgänge wirklichkeitsnah untersuchen. Dies erklärte Dr. Thomas Förster von der Firma Henkel beim GD-Symposium „Wirkungen von Dermokosmetika” am 17. Oktober 2001 in Düsseldorf. Zum besseren Verständnis der Wirkmechanismen und der Anforderungen, die an Antiaging-Produkte gestellt werden, erläuterte Förster die Grundzüge der Hautalterung. Das sichtbare Auftreten von Falten, Altersflecken und Schlaffheit findet sein histologisches Korrelat in einer unregelmäßigen Strukturierung der Dermis, einer Atrophie der Epidermis und einem Abflachen der Krümmungen an der Grenzfläche zwischen Dermis und Epidermis. Auch der Stoffwechsel der extrazellulären Matrix sowie die Basalmembran weisen mit zunehmendem Alter Veränderungen auf. Aus diesem Grunde müssen effiziente Antiaging-Produkte ein möglichst breites Wirkspektrum auf alle relevanten Hautschichten aufweisen.

Wie Förster berichtete, hat die Firma Henkel inzwischen für mehrere Wirkstoffe und Fertigprodukte abschwächende Effekte auf die Mechanismen der Hautalterung nachweisen können. Das verwendete dreidimensionale Hautmodell entsteht innerhalb von fünf Wochen durch sukzessives Züchten einer Dermis aus Fibroblasten und einer Epidermis mit Stratum corneum aus Keratinozyten. Aus diesem differenzierten Aufbau und der Ähnlichkeit zur menschlichen Haut ergeben sich gegenüber konventionellen Fibroblasten-Kulturen oder reinen Epidermis-Modellen eine Reihe von Vorteilen. So besteht zum Beispiel die Möglichkeit der wiederholten Applikation von Wirkstoffen über mehrere Wochen. Außerdem können unter einheitlichen Bedingungen in allen Hautabschnitten biochemische Parameter gemessen werden, die für die Hautalterung von Bedeutung sind.

Antiaging-Wirkungen in der Dermis


Ein für den Hautalterungsprozess besonders bedeutsamer Parameter ist der Kollagengehalt in der Dermis. Dieser nimmt pro Lebensjahr um etwa ein Prozent ab, bei gleichzeitigem Anstieg des Anteils an Kollagenasen. Die Folge ist eine Abnahme der Zugfestigkeit der Haut sowie die Bildung von Falten. Ein wesentliches Ziel von Antiaging-Produkten ist daher die Stimulation der Kollagensynthese. Wie Förster ausführte, wurde zum Beispiel für Ascorbinsäure – nach viermal täglicher Applikation einer 0,5-prozentigen Gelformulierung – im Hautmodell eine Steigerung der Kollagensyntheserate um 40 Prozent innerhalb von nur zehn Tagen gefunden. Stabilisiertes Retinol, das als 0,024-prozentige kommerzielle Creme unter den gleichen Bedingungen getestet wurde, steigerte die Kollagensyntheserate sogar um 59 Prozent.

Retinoide sind jedoch – im Gegensatz zu Vitamin C – nicht direkt an der Kollagenbiosynthese beteiligt, sondern wirken als Botenstoffe, die in den Fibroblasten die Kollagensynthese anregen. Eine solche cytokinartige Wirkung konnte auch für ein aus der Sojapflanze isoliertes Peptid (Phytokine®) gezeigt werden. Dieses Peptid bewirkte in einer zehnprozentigen Gelformulierung nach zweiwöchiger topischer Applikation eine Steigerung der Kollagensyntheserate um 37 Prozent. Darüber hinaus wurde für diese Formulierung in einer Placebokontrollierten Vergleichsstudie eine Stimulation der Hyaluronsäuresynthese nachgewiesen. Dieser Befund ist von Bedeutung, weil der Gehalt an wasserbindender Hyaluronsäure in der extrazellulären Matrix der Dermis mit fortschreitendem Alter abnimmt und zu einem Rückgang an Hautfeuchtigkeit führt.

Weitere Antiaging-Effekte


Unter einem Wirkstoff auf Malzbasis (Basaline®), der in Form einer zweiprozentigen Creme viermal täglich über zehn Tage aufgetragen wurde, kam es im Hautmodell zu einer Stimulation der Lamininsynthese in der Basalmembran. Laminin spielt eine Schlüsselrolle bei der Verankerung der Basalmembran mit der darunter liegenden Dermis. Die Applikation eines einprozentigen Extraktes aus der Blaualge Spirulina führte zu einer mehr als achtfachen Verdickung der Filaggrinzone in der Epidermis. Filaggrin ist als Matrixbestandteil für die Barrierefunktion des Stratum corneums wichtig. Außerdem sind seine Abbauprodukte wichtige Bestandteile des natürlichen Feuchthaltefaktors. Im Zuge des Alterungsprozesses der Epidermis verlangsamen sich der Stoffwechsel und die Proliferation der Keratinozyten. Hierdurch kommt es zu einer Abnahme des Filaggringehaltes und parallel dazu zum Auftreten trockener Haut.

Abschließend erwähnte Förster in seinem Vortrag, dass den Verbraucher nicht die Wissenschaft interessiere, sondern nur das, was er beim Blick in den Spiegel sieht. Aus diesem Grund müssten die in Hautmodellen gefundenen Antiaging-Effekte auch subjektiv, zum Beispiel als Antifaltenwirkung, vom Verbraucher wahrnehmbar sein. Dass dies möglich ist, zeigte er am Beispiel der erwähnten phytokinhaltigen Formulierung: Für dieses Produkt wurde in einer kontrollierten In-vivo-Studie an 30 Probanden eine Abnahme der Hautrauigkeit um 13 Prozent und eine Reduktion der Faltentiefe im Augenwinkelbereich um 16 Prozent festgestellt. Da die Faltenglättung auch visuell erkennbar gewesen sei, habe die Formulierung auch bei der subjektiven Beurteilung gute Noten erhalten und damit ihre Eignung als Antiaging-Produkt unter Beweis gestellt. (els/jk)

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08.08.2002 Copyright © 2000 - 2016 ID-Institute for Dermopharmacy GmbH. Kontakt: webmaster@gd-online.de