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Ausgabe 1 (2002)


Dermatotherapie
Wirtschaftlichkeit in der topischen Therapie
Nicht nur der Arzneimittelpreis ist entscheidend

Die Wirtschaftlichkeit spielt heute in der topischen Dermatotherapie eine genauso wichtige Rolle wie in anderen Bereichen der Medizin. Maßgebliche Faktoren zur Erzielung eines günstigen Kosten-Nutzen-Verhältnisses sind neben dem Preis auch die Wirkstärke, die Anwendungshäufigkeit und die Verbrauchsmenge des verwendeten Präparates sowie die mit der Anwendung einhergehende Compliance. Auf diese Zusammenhänge, die sowohl für den verordnenden Arzt als auch für den selbstzahlenden Apothekenkunden von Bedeutung sind, machte der Vorsitzende der Gesellschaft für Dermopharmazie, Dr. Joachim Kresken, Viersen, in einem Vortrag bei der 74. Jahrestagung der Norddeutschen Dermato­logischen Gesellschaft im September letzten Jahres in Kiel aufmerksam.

Grundvoraussetzung für eine wirtschaftliche topische Thera­pie seien eine gesicherte therapeutische und pharmazeutische Qualität der eingesetzten Ex­terna, erklärte Kresken. Verordnungen von Topika, deren Qualität nicht gesichert ist, könnten als unwirtschaftliche Behand­lungs­maßnahmen interpretiert werden und den betreffenden Kostenträger zu Regress­for­derungen veranlassen. Im Ver­ordnungsbereich sei für die Sicherung der therapeutischen Qualität im Sinne einer Evidenz basierten Medizin allein der verschreibende Arzt verantwortlich. Die pharmazeutische Qualität müsse dagegen durch den pharmazeutischen Hersteller beziehungsweise bei Rezep­turarzneimitteln durch die herstellende Apotheke gesichert werden.

Eine Rezeptur, deren Qualität sich wegen chemischer oder galenischer Inkompatibilitäten nicht nach den anerkannten pharmazeutischen Regeln sichern lässt, darf von der Apotheke in keinem Fall an den Patienten abgegeben werden. Ein Haftungsausschluss in dem Sinne, dass der Arzt nach Aufklärung über die Schwierigkeiten die Verantwortung und Haftung für eine solche Rezeptur übernimmt, ist juristisch nicht zulässig [1]. Um Herstellungsprobleme in der Apotheke zu vermeiden, empfiehlt Kresken den Dermatologen, vorzugsweise Magistralrezepturen zu verordnen, die sich auf Stan­dardvorschriften, zum Beispiel aus dem Neuen Rezeptur-Formularium (NRF), beziehen.

Magistralrezepturen nicht immer preiswerter



Preisvorteile gegenüber wirk­stoffidentischen Fertigarznei­mitteln besitzen Magistral­rezepturen meist nur dann, wenn größere Präparatemen­gen, zum Beispiel zur großflächigen Behandlung eines atopischen Ekzems, benötigt werden. Kleinere Rezepturansätze sind dagegen aufgrund der Systematik der Taxation im Regelfall teurer als vergleichbare Spezialitäten. So liegen zum Beispiel die Preise für 20 Gramm einer rezepturmäßig hergestellten Clotrimazol-Creme – je nach Grundlage und verwendetem Packmittel – zwischen 4,55 und 6,75 Euro, während entsprechende Fertigarzneimittel nur 2,49 bis 5,15 Euro kosten.

Der Preis eines Externums ist jedoch bei weitem nicht der einzige Faktor, von dem die Wirtschaftlichkeit in der topischen Therapie abhängt. Eine wichtige Rolle spielen auch die Wirkstärke sowie die notwendige Anwendungsdauer und die damit zusammenhängende Ver­brauchsmenge des jeweiligen Präparates. Letzteres be­ein­flusst zum Beispiel nachhaltig die Behandlungskosten einer Tinea pedis interdigitalis.

Kosteneinsparung durch geringe Anwendungshäufigkeit


Antimykotika auf der Basis von Azolderivaten wie Bifonazol oder Clotrimazol müssen zur Entfaltung ihrer vollen klinischen Wirksamkeit drei beziehungsweise vier Wochen lang angewendet werden. Die Behandlung muss daher nach Abklingen der subjektiven Symptome noch mindestens zwei Wochen fortgeführt werden, was sich ungünstig auf die Compliance auswirkt. Demgegenüber müssen terbinafin­haltige Externa bei der Tinea pedis interdigitalis nur sieben Tage lang angewendet werden, um gemäß vorliegender Studienergebnisse ein zumindest gleichwertiges Therapieresultat wie nach vierwöchiger Anwendung von Clotrimazol zu erzielen [2, 3].

Aufgrund des geringen Produktverbrauchs, der mit der kurzen Anwendungsdauer einhergeht, lässt sich deshalb mit terbinafinhaltigen Externa eine wirtschaftlichere Fußpilzbehandlung durchführen als mit allen anderen topischen Antimykotika. Bei kleinflächigem Befall wird von der im Handel befindlichen Terbinafin-Creme lediglich eine 15 Gramm-Packung zum Preis von 7,64 Euro benötigt. Werden statt dessen azolhaltige Cremes benutzt, ergibt sich ein Produktverbrauch, der je nach verwendetem Präparat Kosten von bis zu 25 Euro verursachen kann (Tabelle).

Pharmakoökonomisch bedeutsam ist außerdem, dass topisches Terbinafin in vivo fungizid wirkt und deshalb nur eine relativ geringe Rezidivgefahr aufweist [3].

Tabelle: Arzneimittelkosten für die Beahandlung einer Tinea pedis interdigitalis bei Anwendung verschiedener topischer Antimykotika (Auswahl)
Wirkstoff
und
Handels-
präparat

Packungs-
größen
und Preise¹

Anwendungs-
häufigkeit
Verbrauchs-
menge²
Kosten-
aufwand³
         
Wirkstoff: Terbinafin
       
Lamisil® Creme
15 g: 7,64 €
1 × täglich
10,5 g
7,64 €
30 g: 12,75 €
über eine Woche
(1 × 15 g)
         
Wirkstoff: Bifonazol

       
Canesten® Extra Creme
20 g : 7,60 €
1 × täglich
31,5 g
15,20 €
50 g: 16,75 €
über 3 Wochen
(2 × 20 g)
Bifomyk® Creme
15 g: 4,51 €
1 × täglich
31,5 g
9,64 €
35 g: 9,64 €
über 3 Wochen
(1 × 35 g)
         
Wirkstoff: Clotrimazol
Canesten® Creme
20 g: 5,15 €
2 × täglich
84,0 g
24,98 €
50 g: 12,49 €
über 4 Wochen
(2 × 50 g)
Fungizid - ratiopharm® Creme
20 g: 3,25 €
2 × täglich
84,0 g
14,10 €
50 g: 7.05 €
über 4 Wochen
(2 × 50 g)
Cloderm® Creme 1%
20 g: 2,55 €
2 × täglich
84,0 g
9,70 €
50 g: 4,85 €
über 4 Wochen
(2 × 50 g)
         
¹ Stand: 1. April 2002
² Erforderliche Gesamtmenge bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 1,5 g pro Anwendung
³ Bei Einsatz der wirtschaftlichsten Packungsgröße (ohne Berücksichtigung von etwaigen Einspareffekten durch Stückelung verschiedener Packungsgrößen)


Auch die Darreichungsform ist bedeutsam



Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit und die Patientenakzeptanz von Topika haben auch die Darreichungsform und die spezielle Art der Applikation. So zeigten sich in einer experimentellen Studie der Universitäts-Hautklinik Lübeck [4], bei der zwei topische Aknetherapeutika mit ähnlicher Zusammensetzung, aber unterschiedlicher Zube­reitungsform (Lösung beziehungsweise Gel) auf ihren Mengenverbrauch und ihr Anwenderempfinden untersucht wurden, deutliche Unterschiede zugunsten der Lösung. Von dieser wurde bei Applikation auf gleicher Fläche etwa viermal weniger verbraucht als von dem Gel. Außerdem wurde die direkte Auftragung der Lösung aus einer Applikatorflasche von den Probanden besser beurteilt als die bei dem Gel notwendige Auftragung mit den Fingern. Diese Befunde lassen für die klinische Anwendung der Lösung Kostenvorteile und eine höhere Patientenakzeptanz erwarten. (jk)

Literaturverzeichnis
[1] Mönch V: Haftung bei Rezepturen. Krankenhauspharmazie 9 (1988) 272
[2] Evans EGV, Dodman B, Williamson DM, Brown GJ, Bowen RG: Comparison of terbinafine and clotrimazole in treating tinea pedis. Br. Med. J. 307 (1993) 645-647
[3] Bergstresser PR, Elewski B, Hanifin J, Lesher J, Savin R, Shupack J, Stiller M, Tschen E, Zaias N, Birnbaum JE: Topical terbinafine and clotrimazole in interdigital tinea pedis: A multicenter comparison of cure and relapse rates with 1- and 4-week treatment regimens. J. Am. Acad. Dermatol. 28 (1993) 648-651
[4] Welzel J: Formulierungen im Vergleich - Mengenverbrauch und Patientenzufriedenheit in der topischen Aknetherapie. Derm. (2001) 204-206


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