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GD — Gesellschaft für Dermopharmazie e.V.

   
 

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  Ausgabe 1 (2002)

Dermopharmazie aktuell
Werkstattgespräch mit Professor Dr. Rolf Daniels
Tensidfreie Emulsionssysteme als Grundlagen für innovative Dermatika und Kosmetika

Wenn neue dermale Zubereitungen in die Hände von Dermatologen, Apothekern und Verbrauchern gelangen, haben sie in der Regel einen langen und kostenträchtigen Entwicklungsweg hinter sich. DermoTopics verfolgte diesen Weg zurück und fragte nach bei Professor Dr. Rolf Daniels vom Institut für Pharmazeutische Technologie der Technischen Universität Braunschweig. Daniels leitet dort seit 1995 eine wissenschaftliche Arbeitsgruppe, die sich schwerpunktmäßig mit den Stabilitätsfaktoren und spezifischen Eigenschaften tensidfreier Emulsionssysteme beschäftigt.

Die Untersuchung tensidfreier Emulsionssysteme gehört zu den Forschungsschwerpunkten von Professor Daniels auf dem Gebiet der Dermopharmazie. Am Anfang wurden in seinem Arbeitskreis überwiegend polymerstabilisierte Emulsionen untersucht, die hinsichtlich ihrer Stabilitätsfaktoren und spezifischen Eigenschaften inzwischen umfassend bekannt sind. Die aus den durchgeführten Untersuchungen gewonnenen Kenntnisse ermöglichen grundsätzlich eine große Flexibilität im Umgang mit diesen Systemen. Daniels hält es für sinnvoll, ein galenisches System wirklich gut zu verstehen und dessen Möglichkeiten und Eigenschaften auszuschöpfen. Aus diesem Grund legte sich die Braunschweiger Arbeitsgruppe bei ihren Untersuchungen im Wesentlichen auf ein Makromolekül fest.

Nach den polymerstabilisierten Emulsionen wurde vor etwa drei Jahren auch mit der Untersuchung feststoffstabilisierter Emulsionen begonnen. Diese Systeme enthalten keine Tenside im klassischen Sinne und sind deshalb zum Beispiel als Grundlagen für Sonnenschutzmittel interessant. Seit langem ist bekannt, dass durch das Zusammenwirken von UVA-Strahlung und bestimmten Inhaltsstoffen in Kosmetika, vor allem Lipiden und Tensiden, die so genannte Mallorca-Akne ausgelöst werden kann. Bei Verwendung von Sonnenschutzmitteln, die frei von solchen Komponenten sind und gleichzeitig einen hohen UVA-Schutz aufweisen, ist diese typische Hautreaktion nicht zu erwarten.

In tensidfreien Sonnenschutzemulsionen tragen die als Feststoffe eingearbeiteten Mikropigmente sowie eventuell auch die UV-Filter neben ihrer eigentlichen Zweckbestimmung auch zur Stabilisierung der Rezeptur bei. Die Mikropigmente binden an der Ölphase des Systems und verbessern dadurch gleichzeitig die Verteilbarkeit der Formulierung auf der Haut. Durch den stabilisierenden Effekt der Mikropigmente kann auf andere Hilfsstoffe weitgehend verzichtet werden. Hierdurch wird die Gefahr von Hautunverträglichkeiten insgesamt verringert.

Vorteile tensidfreier Formulierungen


Hinter der Bearbeitung tensidfreier Formulierungen – hierzu zählen Emulsionssysteme ebenso wie kolloidale Nanoemulsionen – steht für Daniels die allgemeine Zielsetzung, Formulierungen mit besserer Hautverträglichkeit und gleichzeitig angenehmeren kosmetischen Eigenschaften entwickeln zu können. Durch den Wegfall der Tenside entfallen deren Wechselwirkungen mit der Haut. Als relativ kleine grenzflächenaktive Moleküle neigen Tenside insbesondere zu Interaktionen mit den interzellulären Lipiden des Stratum corneum und können so die epidermale Barrierefunktion schwächen. Außerdem können sie aufgrund ihrer penetrationsfördernden Eigenschaften Rezepturbestandteile mit irritativem oder allergenem Potential verstärkt in die Haut schleusen. Die in tensidfreien Systemen eingesetzten Emulgatoren sind hierzu nicht in der Lage, da sie aufgrund ihrer Molekülgröße nicht in die Haut eindringen, sondern als Film auf der Hautoberfläche verbleiben.


Professor Dr. Rolf Daniels (Mitte) vertritt die Auffassung, dass auch der Endverbraucher frühzeitig über neue dermopharma-zeutische Entwicklungen informiert werden sollte. Bei einer Pressekonferenz im Rahmen der 6. GD-Jahrestagung im März 2002 in Hamburg stellte er der Öffentlichkeit die von der GD herausgebrachte Beratungsbroschüre „Trockene Haut“ vor.


Ein weiterer Vorteil tensidfreier Emulsionssysteme ist, dass sie sich sehr gut als Grundlagen für Sprayprodukte eignen. Vor allem Sonnenschutz- und Körperpflegesprays haben sich im Markt etabliert und werden aufgrund ihrer einfachen Handhabung vom Anwender als angenehm empfunden. Da sich tensidhaltige Sprühemulsionen auf der Haut klebrig anfühlen, glaubt Daniels, dass sich für die Sprühanwendung eher polymerstabilisierte Emulsionen durchsetzen werden. Diesen feinteiligen Systemen wird außerdem nachgesagt, dass sie Wirkstoffe rascher zur Penetration bringen als Formulierungen mit großen Öltropfen.

Als Dermatikagrundlagen werden Sprühemulsionen bislang noch nicht in breitem Rahmen eingesetzt. Daniels führt dies vor allem auf das aufwendige Zulassungsprozedere, das bei innovativen Arzneiformen einzuhalten ist, und die erhöhten Anforderungen an die Dosiergenauigkeit zurück. Ein großer Vorteil von tensidfreien Sprühemulsionen ist, dass sie nach der Herstellung autoklaviert werden können. Dies ermöglicht eine keimfreie Anwendung auf der Haut, ohne dass ein Konservierungsmittel eingesetzt werden muss.

Keine Forschung im Elfenbeinturm


Die Forschungsarbeit der Braunschweiger Arbeitsgruppe findet keineswegs im Elfenbeinturm statt. Neben dem Wissenstransfer in der Lehre werden zunehmend Symposien und Kongresse als Foren für den wissenschaftlichen Austausch und die Weitergabe von Informationen genutzt. Daniels schätzt besonders die interdisziplinäre Zusammenarbeit in der Gesellschaft für Dermopharmazie. Durch seine aktive Mitarbeit in der GD als Leiter der Fachgruppe Dermokosmetik und den dadurch möglichen Austausch mit Fachleuten anderer Professionen erfährt er laufend Anregungen für die eigene Arbeit.

Zu den öffentlichkeitswirksamen Aktivitäten seines Instituts gehören auch Veranstaltungen für Fachleute, die der Fortbildung und dem gemeinsamen Gedankenaustausch dienen. So wird zum Beispiel am 16. und 17. Oktober diesen Jahres zusammen mit der Gesellschaft für Dermopharmazie ein Seminar mit praktischen Übungen angeboten, bei dem es um moderne analytische Methoden zur Entwicklung, Qualitätssicherung und Stabilitätsprüfung von Dermatika und Kosmetika geht. Dieses Seminar richtet sich an alle, die in der Praxis mit der Entwicklung und Charakterisierung von entsprechenden Produkten befasst sind. Wer teilnehmen möchte, kann sich hierzu über die GD anmelden (siehe Seite 6).

Eine wichtige Aufgabe der Hochschulen sieht Daniels auch darin, Wissenschaft dem Laien verständlich zu machen. Er ist der Auffassung, dass der Endverbraucher frühzeitig über neue dermopharmazeutische Entwicklungen informiert werden sollte. Dies geschehe zum Beispiel sehr erfolgreich über die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der GD. Auch mit der Herausgabe der Ratgeberbroschüre „Trockene Haut“ komme die GD dieser Aufgabe nach. Die Broschüre gibt Personen mit trockener Haut Tipps zur Hautreinigung und Hautpflege, die sich auf wissenschaftliche Leitlinien der GD beziehen.

Angebote an die Industrie


Das Braunschweiger Institut sieht sich auch als eine Art Dienstleistungsunternehmen für die kosmetische und pharmazeutische Industrie. Durch die anwendungsorientierten Grundlagenuntersuchungen des Instituts könnten die Hersteller ihre Produktentwicklung zielsicher auf der Basis bekannter und gesicherter galenischer Systeme gestalten, glaubt Daniels. Lange und kostenträchtige Entwicklungswege blieben den Firmen so weitgehend erspart. In Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft für industrielle Forschungsförderung (AiF), der Forschungsvereinigung der Arzneimittelhersteller sowie dem Forschungsverband der kosmetischen Industrie erarbeitet das Institut – mit öffentlicher Förderung – unter anderem Methoden und Strategien zur Stabilitätsprüfung dermaler Zubereitungen.

Insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen bietet das Institut auch Unterstützung bei konkreten Fragestellungen an. Umfangreiche Erfahrungen liegen zum Beispiel zur Stabilitätssicherung von Rezepturen mit Pflanzenextrakten vor, die allgemein schwierig stabil zu verarbeiten sind. Weiterhin gehören Penetrationsuntersuchungen von Wirkstoffen an exzidierter Humanhaut zum Angebotsspektrum des Braunschweiger Instituts. (ghw/jk)

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08.08.2002 Copyright © 2000 - 2016 ID-Institute for Dermopharmacy GmbH. Kontakt: webmaster@gd-online.de