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  Ausgabe 1 (2003)

Buchbesprechung
C E. Orfanos, C. Garbe (Hrsg.)
Therapie der Hautkrankheite
n

Professor Dr. med. Hans C. Korting, München


2. vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. 1.467 Seiten mit 402 Abbildungen, teilweise in Farbe, und 539 Tabellen. Springer-Verlag, Heidelberg 2002. Gebunden. ISBN: 3-540-41366-9. € 199,- / sFr 300,50

Das Handwerk des "Buchmachens" hat derzeit im akademischen Leben - jedenfalls in der Medizin - keinen hohen Stellenwert. Umso verdienstvoller erscheint es, dass Professor Orfanos und Professor Garbe es nach der relativ kurzen Zeit von sechs Jahren unternommen haben, eine zweite Auflage des Werkes "Therapie der Hautkrankheiten" herauszubringen.

Im Grundsatz ist das Konzept gleich geblieben: Die Arzneimittel werden im Kontext ihres Einsatzes bei bestimmten Krankheitsgruppen besprochen. Von daher ergibt sich eine gewisse Komplementarität zwischen Therapiebüchern des vorliegenden Typs und solchen, bei denen - wie etwa bei "Therapeutische Verfahren in der Dermatologie" - die Hautarzneimittelgruppen systematisch abgehandelt werden. Ein Schwergewicht legen die Autoren auf eine zwar konzise, aber doch umfassende Einführung in das Wesen der zu behandelnden Hautkrankheiten. Dabei werden freilich gelegentlich auch eher als widerlegt zu bezeichnende Krankheitskonzepte weiter verfolgt, etwa wenn ohne weitere Erläuterung von einer so genannten gastrointestinalen Kandidose gesprochen wird.

Die Therapievorschläge sind in der Regel als umfassend zu bezeichnen. Zum Teil finden sich hier aber auch Vorschläge, die heute nicht mehr von allen Fachleuten mitgetragen werden. Beispielhaft sei angeführt, dass bei Candida-Intertrigo 0,5prozentige Brillantgrün-Lösung an erster Stelle genannt und als "in der Regel hilfreich" bezeichnet wird. Gelegentlich finden sich auch Vorschläge, denen die Mehrzahl der Experten wohl definitiv nicht zustimmen dürfte. Genannt sei die Anwendung von Ketoconazol in der Dosierung von 200 mg am Tag über "ca. 6 Monate" bei "Nagelcandidose". Wie generell findet sich auch zu Ketoconazol eine längere monographische Abhandlung in einem speziellen Kasten. Auch hier wird nicht erwähnt, dass systemisches Ketoconazol aus Sicherheitsgründen seit mehr als zehn Jahren nicht mehr für die Indikation Onychomykose zugelassen ist.

Angesichts der breiten entsprechenden Datenlage mag die Bezeichnung von Ketoconazol als "Mittel der ersten Wahl" bei chronischer mukokutaner Candidose eher nachvollziehbar sein. Es überrascht aber, dass hier Fluconazol nicht angeführt wird, obwohl wenige Seiten später in dem Kasten mit der Überschrift "Die neuen (Tri-)azole und ihr Wirkungsspektrum" davon gesprochen wird, dass Fluconazol "Medikament erster Wahl" bei "chronischer disseminierter mukokutaner Candidose" sei (bei so genannter erfolgloser Vorbehandlung mit Polyen-Antimykotika). In diesem Kapitel überrascht im Übrigen der Hinweis, dass "insbesondere hepatolineale Organkandidosen und Candidasepsis...als Indikationen für Fluconazol herausgestellt" worden seien. Nicht angesprochen wird die auch für den Dermatologen so wichtige Indikation orale Kandidose, speziell des HIV-Infizierten, des Weiteren auch nicht die Indikation Dermatophytose, die nach Erscheinen des Buches bis hin zur Onychomykose erweitert wurde.

Zum Stichwort Onychomykose ist festzustellen, dass in dem angeführten Kasten bei Itraconazol nur die Anwendung von 200 mg pro Tag über "3 bis höchstens 4 Monate" angeführt ist, die heute im Alltag viel häufiger eingesetzte Pulstherapie mit Itraconazol dagegen nicht angesprochen wird. Gelegentlich verwundert auch ein wenig die Gewichtung bei Arzneimitteln, die größeren Gruppen vergleichbarer Mittel zuzurechnen sind. So findet sich ein eigener Kasten zu Fenticonazol, das eigentlich keine erkennbare Sonderstellung unter den neueren Azolen aufweist und auch keine besondere Marktbedeutung besitzt. Andererseits wird Ciclopiroxolamin, dem meistverordneten topischen Antimykotikum, kein entsprechender Kasten gewidmet. Gelegentlich erscheinen auch die Auflistungen von bedeutsamen Nebenwirkungen unvollständig: So fehlt in dem Kasten zu Terbinafin die keineswegs ganz seltene Dysgeusie. Die ebenfalls fehlenden, zwar seltenen, aber durchaus bedeutsamen Hautreaktionen mögen sich hinter dem Passus "selten allergische Reaktion" verbergen.

Selbstverständlich ist es im Rahmen der Rezension eines 1467 Seiten starken Werkes nicht möglich, auf Details jenseits des Exemplarischen einzugehen. In der Zusammenschau lässt sich feststellen, dass die Autoren es geschafft haben, das komplexe Gebiet der Therapie der Hautkrankheiten in umfassender Weise abzuhandeln, derart, dass der Leser in seinem ärztlichen Alltag rasch ihn interessierende Informationen abgreifen kann. Des Weiteren kann die umfassende Lektüre des Buches es ermöglichen, unter therapeutischem Aspekt eine systematische Einführung in die Dermatologie zu erlangen. Aus der Sicht des Lesers ist zu hoffen, dass die Autoren es in einigen Jahren wieder unternehmen mögen, das Werk zu aktualisieren.

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