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GD — Gesellschaft für Dermopharmazie e.V.

   
 

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  Ausgabe 1 (2003)

Dermatotherapie
Fußpilzbehandlung mit topischen Antimykotika:
Auch die Grundlage ist für den Therapieerfolg von Bedeutung


Fußmykosen sind offensichtlich wesentlich weiter verbreitet als bislang angenommen wurde. In
einer großen europäischen Studie, dem so genannten Achilles-Projekt, wurden bei etwa jedem Dritten Anhaltspunkte für das Vorliegen von Fuß- und/oder Nagelpilz gefunden. Fußmykosen gehören damit zu den zahlenmäßig bedeutsamsten Infektionskrankheiten. Zur Behandlung werden überwiegend topische Antimykotika auf der Basis verschiedenster Wirkstoffe und Darreichungsformen eingesetzt. Was bei der Auswahl und Anwendung topischer Antimykotika zu beachten ist, erläuterte Professor Dr. med. Hans Christian Korting, München, in einem Gespräch mit DermoTopics. Korting ist stellvertretender Vorsitzender der GD Gesellschaft für Dermopharmazie und Schriftführer der Deutschsprachigen Mykologischen Gesellschaft.


Dermo
Topics:
Herr Professor Korting, warum sind Fußmykosen ernst zu nehmen und möglichst frühzeitig zu behandeln?


Prof. Dr. med. Hans Christian Korting

Professor Korting:
Fußmykosen sind vor allem deshalb ernst zu nehmen, weil sie, wie wir heute wissen, schwerwiegende Folgeerkrankungen begünstigen können. Wird zum Beispiel eine banal anmutende Dermatophyteninfektion im Zehenzwischenraum nicht behandelt, so kann sich diese sehr leicht auf den gesamten Vorfuß ausbreiten und auch die Nagelregion befallen, also eine Onychomykose auslösen. Diese kann ihrerseits erhebliche Beschwerden und Beeinträchtigungen der Lebensqualität nach sich ziehen. Außerdem gehen Fußmykosen mit einer Störung der epidermalen Barriere einher. Dies hat zur Folge, dass auch andere Krankheitserreger erleichtert in die Haut eindringen und dort eigenständige Infektionen auslösen können. So konnten wir in einer beim dermatologischen Weltkongress im letzten Jahr in Paris vorgestellten Fall-Kontroll-Studie zeigen, dass Fußmykosen das Erysipel am Unterschenkel begünstigen. Bei dieser Dermatose handelt es sich in der Regel um eine Streptokokkeninfektion, die mit erheblicher Beeinträchtigung, zum Beispiel hohem Fieber, und nicht selten der Notwendigkeit einer stationären Behandlung verbunden ist, was nicht zuletzt erhebliche Kosten verursacht.

DermoTopics:
Sind Fußmykosen auch deshalb so weit verbreitet, weil die vorhandenen therapeutischen Möglichkeiten unzureichend sind?

Professor Korting:
Nein, das kann man so nicht sagen. Dermatophyteninfektionen an der freien Haut des Fußes werden im Regelfall topisch behandelt, und für die topische Behandlung stehen heute zahlreiche Antimykotika mit hoher Effizienz zur Verfügung. Problematisch ist jedoch, dass viele Antimykotika mehrere Wochen über das Stadium der subjektiv als wegweisend empfundenen Symptome hinaus angewendet werden müssen. Hieraus können sich Behandlungsfehler durch Noncompliance der Patienten ergeben. Da die Symptome Juckreiz und Rötung in der Regel bereits nach wenigen Behandlungstagen abklingen, brechen zahlreiche Patienten die Therapie vorzeitig ab. Dadurch werden die Heilungsaussichten vermindert, und das Rezidivrisiko nimmt zu.

DermoTopics:
Ihre Ausführungen zur Notwendigkeit einer mehrwöchigen Therapiedauer betreffen vor allem die Azolderivate. Für topisches Terbinafin (Lamisil®) wird dagegen mit einer Anwendungsdauer von nur sieben Tagen geworben. Reicht eine derart kurze Behandlungszeit wirklich aus, um Fußpilz sicher zu behandeln?



Volkskrankheit Fußpilz: Rund ein Drittel der Bevölkerung ist von dieser Dermatose betroffen.


Professor Korting:
Topisches Terbinafin muss bei Befall des Zehenzwischenraums tatsächlich nur an sieben aufeinander folgenden Tagen einmal täglich angewendet werden. Diese für die Compliance günstige Kurzzeittherapie wurde für die drei im Handel befindlichen Darreichungsformen Terbinafin-Creme, -DermGel und -Spray in kontrollierten klinischen Studien belegt und auch von den Zulassungsbehörden anerkannt. Im Übrigen haben vergleichende klinische Studien gezeigt, dass die einwöchige Kurzzeittherapie mit Terbinafin zu höheren oder wenigstens gleich hohen Heilungsraten sowie zu weniger Rezidiven und Reinfektionen führt als eine vierwöchige Therapie mit topischem Clotrimazol.

DermoTopics:
Bringt die Kurzzeittherapie mit topischem Terbinafin auch Kostenvorteile gegenüber der mehrwöchigen Therapie mit anderen Antimykotika?

Professor Korting:
Betrachtet man, wie es bei allzu vordergründigen Kostenvergleichen häufig getan wird, nur die auf das Gramm Zubereitung bezogenen Preise der betreffenden Präparate, so entsteht der Eindruck, dass insbesondere viele azolhaltige Antimykotika kostengünstiger sind als topisches Terbinafin. Der Preisvorteil der Azole wird jedoch durch die erforderliche hohe Anwendungshäufigkeit über mehrere Wochen und den dadurch verursachten relativ hohen Produktverbrauch wieder aufgezehrt. Für topisches Terbinafin lassen sich deshalb bei den Beschaffungskosten trotz des noch vorhandenen Patentschutzes Vorteile selbst gegenüber den auf die Gewichtseinheit bezogen relativ preiswerten azolhaltigen Generika errechnen.

DermoTopics:
Kritiker behaupten, dass die Kurzzeittherapie mit topischem Terbinafin nicht ausreiche, um die durch die Dermatophyteninfektion gestörte Hautbarriere zu regenerieren. Ist deshalb eine mehrwöchige antimykotische Therapie nicht doch sinnvoller als eine Kurzzeittherapie?

Professor Korting:
Entscheidend ist, dass die infizierten Hautbereiche bei Beendigung der Therapie klinisch und mykologisch geheilt sind. Wenn die Infektion und damit die Ursache der Barrierestörung beseitigt wurde, so erlangt die Epidermis ihre vor Rezidiven
und Reinfektionen schützende Integrität schnell wieder zurück. Eine Verlängerung der Therapie über das Stadium der mykologischen Abheilung hinaus hat deshalb allenfalls einen zusätzlichen kosmetischen Nutzen in dem Sinne, dass durch die hautpflegenden Eigenschaften der Präparategrundlage die Restitution der Barriere beschleunigt wird. Bis jetzt ist jedoch noch nicht untersucht worden, ob der Nutzen eines solchen Pflegeeffektes bei mehrwöchiger Therapie höher ist als bei einer einwöchigen Kurzzeittherapie.

DermoTopics:
Sie sprechen die Grundlagen topischer Antimykotika an. Welchen Einfluss haben sie auf das Therapieergebnis?

Professor Korting:
Wie in der topischen Dermatotherapie allgemein, kann die Grundlage des verwendeten Externums auch bei der Fußpilzbehandlung einen Einfluss auf die Gesamtwirkung des Präparates ausüben. Dies wurde zum Beispiel in Placebo kontrollierten klinischen Studien mit der im Handel befindlichen Terbinafin-Creme deutlich. In diesen Studien wurde neben Heilungsraten von 88 beziehungsweise 91 Prozent für die wirkstoffhaltige Creme auch eine relativ hohe mykologische Heilungsrate von 23 beziehungsweise 37 Prozent für die wirkstofffreie Grundlage nach nur einwöchiger Anwendung gefunden. Erklärt werden kann dieser überraschende Befund mit den hautpflegenden Eigenschaften der Cremegrundlage. Die Pflegewirkung der Grundlage ist hier offensichtlich so stark ausgeprägt, dass sie trotz nur einwöchiger Anwendung die Abheilung der Dermatophyteninfektion begünstigt.

DermoTopics:
In welchen Fällen sollte denn die topische Behandlung von Fußmykosen mit Cremes durchgeführt werden, und wann sind ande re Darreichungsformen indiziert?

Professor Korting:
Cremes sind aufgrund ihrer zu erwartenden zusätzlichen Pflegewirkung insbesondere bei schuppenden Formen von Fußmykosen zu empfehlen, die nicht mit starkem Juckreiz einhergehen. Ist dagegen starker Juckreiz vorhanden, empfiehlt sich die Anwendung von kühlenden Gelen. Vorteilhaft sind insbesondere Emulsionsgele (zum Beispiel Lamisil® DermGel®), die sowohl einen Kühleffekt als auch eine Pflegewirkung aufweisen und so die Eigenschaften eines Gels und einer Creme kombinieren. Alkoholhaltige Gelgrundlagen sollten jedoch, ebenso wie alkoholische Lösungen, nur mit Zurückhaltung bei stärkeren Hautläsionen benutzt werden. Vorteile von Spraylösungen sind die einfache und bequeme Handhabung sowie die Möglichkeit, das Produkt ohne Zuhilfenahme der Finger und auch bei eingeschränkter körperlicher Beweglichkeit anwenden zu können.

DermoTopics:
Herr Professor Korting, wir danken Ihnen für das Gespräch. (jk)

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