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GD — Gesellschaft für Dermopharmazie e.V.

   
 

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Ausgabe Oktober 2000

Pharmakoökonomie
Workshop Pharmakoökonomie
Bedeutung für die Dermatologie


Die Pharmakoökonomie ist ein Teilbereich der Gesundheitsökonomie. Sie beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der Wirtschaftlichkeit von Pharmaka und Therapieverfahren. Bei einem Workshop im Rahmen der 4. Jahrestagung der Gesellschaft für Dermopharmazie im Mai diesen Jahres in Freiburg wurde ihre Bedeutung für die Dermatologie diskutiert. Moderiert wurde der Workshop von Dr. med. Matthias Augustin, dem Leiter einer Forschungsgruppe zur Pharmakoökonomie in der Dermatologie an der Hautklinik der Universität Freiburg. Er stellte Untersuchungsergebnisse vor, wonach Hauterkrankungen von Dermatologen kostengünstiger behandelt werden als von Allgemeinmedizinern.

Die Pharmakoökonomie stellt das Verhältnis zwischen eingesetzten und erzielten Ressourcen in der medikamentösen Therapie dar. Unter den Ressourcen ist der finanzielle Einsatz diagnostischer, therapeutischer und präventiver Maßnahmen zusammengefasst. Die Notwendigkeit gesundheitsökonomischer Untersuchungen lässt sich damit begründen, dass angesichts der Verknappung von Ressourcen genaueste Überlegungen zur sinnvollen Verteilung angestellt werden müssen. Es gilt, die verfügbaren Ressourcen einem wachsenden Bedarf möglichst gerecht und mit größtmöglichem Nutzen für den Patienten zuzuordnen. Die Indiskrepanz zwischen Ressourcen, Geld und hohem Bedarf an medizinischer Versorgung kann jedoch nur in einem Konsens in der Gesellschaft gelöst werden. Die Gesundheitsökonomie liefert die Methoden, die ermitteln, wo die Ressourcen eingesetzt werden sollten. Außerdem prüft sie die Effektivität der eingeleiteten Maßnahmen.

Insgesamt ist die Gesundheitsökonomie ein Wachstumsbereich; die Anzahl der publizierten Arbeiten zu den Themen Gesundheitsökonomie und Lebensqualität ist von 1991 bis 1999 um das Dreifache gestiegen. Innerhalb der Dermatologie ist auffallend, dass die meisten Arbeiten, die zur Ökonomie publiziert wurden, Wunden, Tumoren und Infektionen der Haut betreffen. Die klassischen Hautkrankheiten wie Neurodermitis, Urtikaria oder Akne sind dagegen erstaunlicherweise weitaus geringer vertreten.

Input und Outcome werden beleuchtet
Mit Hilfe der Ökonomie können auch in der Dermatologie Therapieergebnisse bewertet werden. Verglichen werden dabei die eingebrachten Mittel (Input) und die damit erzielten Effekte (Outcome). Auf der Seite des Inputs wird ermittelt, wie viel Geld in die Therapie eines Patienten investiert wird beziehungsweise wie viel die ambulante und die stationäre Behandlung kosten. Der Outcome wurde früher nur in Form von klinischen Verläufen erhoben, zum Beispiel als Schweregrad-Scores von Hauterkrankungen, während heute auch die Entwicklung der Kosten und der Lebensqualität unter der Behandlung zu mit entscheidenden Kriterien für ein effektives Therapieergebnis geworden sind. Inzwischen gibt es validierte Evaluationsverfahren, mit denen den eingebrachten Ressourcen ein Benefit gegenübergestellt werden kann.

Direkte Kosten: Beispiel Neurodermitis
     
Kostenträger   Patient
Arzneimittel   Selbstbeteiligungen
Pflegepräparate   Fahrtkosten
UV-Therapie   Pflegepräparate
Ambulante Honorare   Ernährungsmehraufwand
Stationäre Therapie   Materialmehraufwand
Heil- und Hilfsmittel   Informationsmaterial

Wichtig ist es, die Kosten umfassend zu erheben. Bisher wurden überwiegend die Kosten für Arzneimittel betrachtet, was aber keinesfalls ausreichend ist; Arzthonorare sowie die Ausgaben für stationäre Aufenthalte, Pflegepräparate sowie Heil- und Hilfsmittel gehören ebenso dazu wie die Kosten, die der Patient selber zu tragen hat. Am Beispiel der Neurodermitis wird dies besonders deutlich.

Neben diesen direkten Kosten, die beim Kostenträger und beim Patienten anfallen, sind auch die indirekten Kosten zu berücksichtigen, wie Ausfälle in der Produktivität durch Arbeitsunfähigkeit, Kosten für Umschulungen und Berentungen. Diese volkswirtschaftlich relevanten Kosten müssen in der Gesamtberechnung ebenso berücksichtigt werden wie die so genannten intangiblen, nicht direkt messbaren Kosten. Letztere betreffen die Kriterien, die mit pharmakoökonomischen Kriterien durchaus erfassbar sind, wie Lebensqualität und Zufriedenheit des Patienten nach erfolgter Therapie. So wurde zum Beispiel festgestellt, dass die Neurodermitis und die Psoriasis einen deutlich höheren Belastungsgrad haben und stärkere Einbußen an Lebensqualität nach sich ziehen als Tumorerkrankungen.

Bedeutung pharmakoökonomischer Daten
Pharmakoökonomische Daten können als Kriterien für rational begründbare Therapieentscheidungen mit herangezogen werden. Oft stellt sich die Frage, welchem Arzneimittel bei gegebener Wirksamkeit der Vorzug zu geben ist. Wenn die Wirksamkeit in etwa gleich ist, fällt die Entscheidung für das kostengünstigere Präparat leicht. Schwieriger wird die Situation, wenn ein Arzneimittel teurer ist und es zu ermessen gilt, ob der Mehrpreis durch eine stärkere Wirksamkeit und/oder mehr Lebensqualität gerechtfertigt ist. Zur Zeit werden Therapieentscheidungen sowohl in Deutschland als auch in anderen Ländern nur selten nach pharmakoökonomischen Kriterien getroffen. Vielmehr stehen Budget-Gesichtspunkte und persönliche Vorlieben im Vordergrund. Das teurere Medikament wird oft auch dann nicht verschrieben, wenn es langfristig die bessere und kostengünstigere Wahl wäre. Kurzfristige Spareffekte bestimmen nicht selten die Therapie. Was fehlt, ist eine ökonomisch sinnvolle Rahmengesetzgebung für die Praxis.

Am Beispiel der Behandlung schwerer Akne lässt sich verdeutlichen, dass ein teureres Medikament durchaus wirtschaftlicher sein kann. Es gibt eine Vielzahl von topischen Mitteln, die bei schweren Akneformen in der Regel nicht zu einer nachhaltigen Abheilung führen. Wirksamer ist hier systemisches Isotretinoin, das über einen Zeitraum von vier bis sechs Monaten angewendet werden muss. Im gleichen Zeitraum verursacht ein Patient, der mit Externa und eventuell zusätzlich einem systemischen Antibiotikum behandelt wird, nur einen Teil der für systemisches Isotretinoin aufzubringenden Kosten. Während die Therapie mit Isotretinoin jedoch meist zu einem langfristigen Heilungserfolg führt, müssen die lokale Behandlung und die Antibiotikaeinnahme in der Regel als Dauertherapie erfolgen, die nach etwa zwei Jahren teurer ist als die Behandlung mit Isotretinoin. Dieses Beispiel macht deutlich, warum dringend Leitlinien für die Therapie erforderlich sind, die auch die ökonomischen Auswirkungen und den Einfluss auf die Lebensqualität des Patienten berücksichtigen.

Pharmakoökonomie
und Arzneimittelbewertung

Es ist zu erwarten, dass pharmakoökonomische Gesichtspunkte in Zukunft auch bei der Frage der Kostenübernahme eine Rolle spielen werden. Die Zulassung allein besagt nicht, dass die Krankenkassen das Medikament erstatten müssen. Europaweit werden mittlerweile Daten gefordert, die belegen, dass ein Arzneimittel auch hinsichtlich seiner Kosten gerechtfertigt ist. Ein neues Arzneimittel muss demnach unter Beweis stellen, dass es nicht nur effektiv, sondern auch kostengünstig ist und die Lebensqualität verbessert.

Ebenso wichtig sind pharmakoökonomische Daten für das Qualitätsmanagement. Anhand von Kostenmodellen kann untersucht werden, inwieweit Arztgruppen effektive und qualitätsgesicherte Therapien durchführen. Es gibt eine ganze Reihe von Untersuchungen, die gezeigt haben, dass Hauterkrankungen von Dermatologen kostengünstiger behandelt werden können als von Allgemeinmedizinern. Wegen der besseren Kenntnisse ist die Facharztmedizin in der Regel die ökonomisch sinnvollere Alternative.

Aktivitäten zur Pharmakoökonomie
in der Dermatologie


Die derzeitige Forschungsarbeit konzentriert sich auf die Grundlagen der Pharmakoökonomie und die Methoden zur Datenerhebung ökonomischer Faktoren. Alle zwei Jahre findet das Freiburger Symposium zur Gesundheitsökonomie in der Dermatologie statt, bei dem die Fachöffentlichkeit über Neuigkeiten auf diesem Gebiet informiert wird. Diese Veranstaltung, die bisher in Eigenregie von der Freiburger Hautklinik organisiert wurde, wird ab dem Jahr 2002 in Kooperation mit der Gesellschaft für Dermopharmazie durchgeführt.

Die Bedeutung der Pharmakoökonomie in der Dermatologie findet auch in verschiedenen Preisen ihren Niederschlag. So wurden die Arbeiten der von Dr. Augustin geleiteten Freiburger Forschungsgruppe zur Pharmakoökonomie in der Dermatologie 1999 mit dem „Lilly Quality of Life Award“, der erstmals an die Dermatologie ging, und dem „Wersbach-Preis für Psychosomatische Dermatologie“ ausgezeichnet. In diesem Jahr erhielt Augustin den erstmalig ausgeschriebenen „Hermal Förderpreis zur Pharmakoökonomie“.

Inzwischen gibt es in Deutschland auch eine Leitlinie zur Erfassung der Lebensqualität in der Dermatologie, die von einer Arbeitsgruppe der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft erarbeitet wurde. Die Dermatologie ist damit die bislang einzige Fachdisziplin, die eine solche Leitlinie herausgegeben hat.



Die Arbeiten auf dem Gebiet der Pharmako- beziehungsweise der Gesundheitsökonomie in der Dermatologie erfordern eine interdisziplinäre Kooperation und den Dialog zwischen den Interessensgruppen wie Politikern, Krankenkassen, Pharmaindustrie, Ärzten, Apothekern und Patienten. Die Koordination der Aktivitäten erfolgt zukünftig durch die neugeschaffene Fachgruppe Dermatotherapie der Gesellschaft für Dermopharmazie.

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