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GD — Gesellschaft für Dermopharmazie e.V.

   
 

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  Ausgabe 3 (2001)

Dermopharmazie aktuell
Medizinischer Alltag in allen Fachgebieten
Mykosen nehmen an Häufigkeit zu


Pilzinfektionen der Haut und auch der inneren Organe haben in den letzten 20 Jahren an Häufigkeit zugenommen. Dazu tragen die Lebensverhältnisse der Menschen (zum Beispiel häufiges Schwimmen oder Saunabesuche) ebenso bei wie die Errungenschaften der modernen Medizin (zum Beispiel Chemotherapie, Intensivmedizin oder Transplantationsmedizin). Gute diagnostische Methoden zur Identifizierung der Erreger und die Fortschritte in der Entwicklung neuer Antimykotika ermöglichen in vielen Fällen jedoch eine frühzeitige, gezielte und letztlich erfolgreiche Behandlung.

Ein wichtiges Forum für den interdisziplinären Wissenstransfer in der Mykologie ist die jährliche wissenschaftliche Tagung der Deutschsprachigen Mykologischen Gesellschaft (DMykG). Die DMykG setzt sich seit ihrer Gründung 1961 für die Erforschung der pilzbedingten Erkrankungen ein. Bis heute hat sie eine Fülle an Erkenntnissen zusammengetragen und für eine entsprechende Verbreitung in der Fachwelt gesorgt. Seit kurzem ist sie unter www.dmykg.de auch im Internet erreichbar. Ihre 35. Jahrestagung fand vom 13. bis 15. September 2001 in Marburg statt. Tagungspräsident und Tagungsleiter waren mit Professor Dr. med. Rudolf Happle und Professor Dr. med. Isaak Effendy zwei Dermatologen, die beide auch schon auf Jahrestagungen der Gesellschaft für Dermopharmazie referierten.

Dermatomykosen als
Volkskrankheit



Von Pilzinfektionen der Haut und der Hautanhangsgebilde (Finger- und Fußnägel) sind nach neueren Erkenntnissen rund 30 Prozent der Bevölkerung betroffen. Die therapeutischen Möglichkeiten, insbesondere zur Behandlung der Onychomykose, sind jedoch trotz wesentlicher Fortschritte im letzten Jahrzehnt noch nicht zufriedenstellend. Es bedarf zumeist viel Ausdauer, um eine Pilzinfektion am Nagel erfolgreich zu behandeln. Am wirksamsten sei eine systemische Therapie über einen Zeitraum von mehreren Monaten, berichtete der Vorsitzende der DMykG, Professor Dr. med. Hans Christian Korting von der Dermatologischen Klinik und Poliklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München, bei einer Pressekonferenz anlässlich der Tagung.


Eine raschere Abheilung von Onychomykosen sei teilweise zu verzeichnen, wenn das infizierte Nagelmaterial vor der systemischen Therapie mittels Erbium-YAG-Laser abgetragen werde, sagte Dr. med. Volker Kunzelmann, niedergelassener Dermatologe aus Dessau. Zwar sei diese Therapie eine Leistung, die der Patient selber tragen müsse, doch werde dies durchaus akzeptiert und trage zu einer erstaunlich guten Compliance bei. Möglicherweise macht dieses therapeutische Vorgehen die Behandlung der Onychomykose für den Dermatologen wieder interessanter.

Tinea corporis und
Tinea incognita


Dass eine Onychomykose durchaus Ausgangspunkt für eine Tinea corporis sein kann, erklärte Professor Dr. med. Gabriele Ginter-Hanselmayer von der Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie Graz. Der dafür verantwortliche Erreger, Trichophyton rubrum, verursache eine diskrete flächige Schuppung mit nicht selten unscharfer Begrenzung, die von unterschiedlich starkem Juckreiz begleitet werde. Manchmal, so Ginter-Hanselmayer, würden diese „Rubrophytosen” in ihrer Ätiologie verkannt und mit topischen Glukokortikoiden fehlbehandelt. Dies führe im klassischen Fall zu einer bisweilen jahrelang bestehenden Tinea incognita.

Zunahme zoophiler Mykosen


Über eine deutliche Zunahme der zoophilen Mykosen berichtete Professor Dr. med. Heidelore Hofmann, Klinik für Dermatologie und Allergologie der Technischen Universität München. Zu beachten sei vor allem die Ausbreitung von Microsporum canis,
einem Erreger, der aufgrund der ausgeprägten Reiselust der Bevölkerung von Südeuropa nach Deutschland getragen wurde. Er sei verantwortlich für die Tinea capitis, die zumeist bei Kindern vorkomme und von den im Urlaub so gerne gestreichelten Katzen übertragen werde. Mittlerweile seien aber auch heimische Kleintiere befallen, und so könne es durchaus passieren, dass eine teure Edelkatze zur Erkrankung einer ganzen Familie führe. Nach kulturellem Erregernachweis sei grundsätzlich eine systemische Therapie auch bei Kindern sinnvoll (Dosierungsempfehlungen siehe Kasten). In Abstimmung mit einem Veterinär sollte das befallene Haustier unbedingt mit behandelt werden.

Dosierungsempfehlungen für die Behandlung zoophiler Mykosen
Griseofulvin:
10 – 25 mg/kg Körpergewicht/Tag
(über 8 – 12 Wochen)
Terbinafin:

<20 kg Körpergewicht: 62,5 mg/Tag,

20 – 40 kg:
>40 kg:
125 mg/Tag,
250 mg/Tag
(jeweils über 2 – 4 Wochen)
Itraconazol:
5 mg/kg Körpergewicht oder 100 mg/Tag
(jeweils über 4 Wochen)
Fluconazol:
3 – 5 mg/kg Körpergewicht/Tag
(über 4 Wochen)


Genitalmykosen schlummern
im Verborgenen

Wenig beachtet und vom Patienten ungern erwähnt werden Pilzinfektionen im Genitalbereich. Sie geben sich bekanntlich durch Juckreiz und Rötung zu erkennen. Da sie jedoch nicht immer eindeutig von anderen entzündlichen Erkrankungen zu unterscheiden sind, sei eine genaue erregerorientierte Untersuchung durch den Spezialisten notwendig. Nur dann könne, wie Professor Dr. med. Walter Krause vom Zentrum für Hautkrankheiten der Philipps-Universität Marburg sagte, eine erfolgreiche Behandlung durchgeführt werden.

Bei akuten Vaginalmykosen reiche die Einmalgabe eines systemischen Azolantimykotikums aus. Bei rezidivierenden Vulvovaginalmykosen sei jedoch ein umfassenderes therapeutisches Vorgehen, eine höher dosierte und längere Therapie sowie vor allem eine genaue Diagnostik notwendig. Wie der Gynäkologe Professor Dr. med. Werner Mendling vom Krankenhaus am Urban in Berlin erklärte, stecke hinter iner chronisch rezidivierenden Vaginalmykose häufiger Candida glabrata als Candida albicans, aber nur selten Candida krusei. Diese Unterscheidung sei für die Wahl des Antimykotikums und die Dauer der Therapie wichtig. Die oft gestellte Frage nach der Notwendigkeit der Mitbehandlung
des Partners beantwortete Mendling dahingehend, dass nach entsprechender Diagnostik nur eine systemische Therapie sinnvoll sei. Untersuchungen hätten gezeigt, dass Pilze viel häufiger im Sperma zu finden seien als an der äußeren Penishaut. Von dort könnten sie zu ständigen Reinfektionen führen.

Pilze: Allergen und kanzerogen


Dass auch Pilze aus der Umwelt und aus Nahrungsmitteln eine Bedrohung darstellen können, gab Professor Dr. Herbert Hof vom Institut für Medizinische Mikrobiologie der Universität Mannheim/Heidelberg zu bedenken. Der Mikrobiologe erinnerte daran, dass nicht nur Pollen, sondern auch Pilzsporen für allergische Reaktionen verantwortlich sein können. Außer von Schimmelpilzen in Gebäudewänden, deren Allergene durch Inhalation aufgenommen werden, könnten Allergien auch von Pilzen ausgehen, die in nahezu allen Fruchtsäften enthalten sind.

In die Fruchtsäfte gelangten die Pilze vor allem durch die Verarbeitung von pilzbefallenem Obst. Es sei davon auszugehen, dass die meisten Pilze bei der Saftherstellung erhalten blieben. So könnten sie dann durch den Verzehr der kontaminierten Säfte in den menschlichen Körper aufgenommen werden. Entsprechendes gelte für den Verzehr von Schnitzeln und Hähnchenfilets, die Toxine aus verdorbenem Tierfutter enthalten könnten. Das allgemeine Problem hierbei sei, dass der Verbraucher diese Form der Allergenzufuhr im Allgemeinen nicht bemerkt. Aufmerksam auf die Problematik werde er in der Regel erst mit dem Auftreten der allergischen Symptome.

Manche Mykotoxine – so wie sie zum Beispiel in Pistazien aus dem Iran oder erst kürzlich in einem billigen Rotwein aus Süditalien nachgewiesen wurden – seien sogar als krebserregend eingestuft. Die einmalige Aufnahme dieser Pilzgifte in geringen Mengen sei zwar nicht in jedem Fall gefährlich, doch bei wiederholter Aufnahme könnten durchaus pathogene Konzentrationen erreicht und entsprechende Folgereaktionen ausgelöst werden. (ghw)

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