Suchen | Feedback | Inhalt | English
 
 
Organ der
 

GD — Gesellschaft für Dermopharmazie e.V.

   
 

Home
Ausgabe:
1/2015
1/2014
1/2013
1/2012
2/2011
1/2011
1/2010
1/2009
1/2008
2/2007
1/2007
2/2006
1/2006
2/2005
1/2005
2/2004
1/2004
2/2003
1/2003
2/2002
1/2002
4/2001
3/2001
2/2001
1/2001
1/2000
 
 
 
Weitere Links:
 
 
Gesellschaft für
Dermopharmazie
 
 
 
 
 

 
  Ausgabe 4 (2001)

Mitteilungen der GD
GD-Stellungnahme
Potenzial der Okklusion durch Paraffinöl in Kosmetika

Der Einsatz von Paraffinöl (INCI: Paraffinum liquidum) als Lipidbestandteil in kosmetischen Präparaten zur Pflege der Haut wird in Teilen der Bevölkerung kontrovers diskutiert. Als Grund für die Bedenken wird die Gefahr einer Okklusion (Abdeckung) bei Einsatz von Paraffinöl in bestimmten Konzentrationen, zum Beispiel von mehr als 10 Prozent der Lipidphase, angeführt.

Die vollständige Okklusion durch eine wasserdampfundurchlässige Schicht, zum Beispiel durch Plastikfolie, an der Hautoberfläche kann nach wissenschaftlichen Ergebnissen tatsächlich zu einer Störung der Vermehrung und Reifung sowie des Stoffwechsels der Hautzellen in der Epidermis und in der Folge zu einer Barrierestörung in der Hornschicht führen [1–4]. Dieser unerwünschte Effekt ist jedoch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch von Kosmetika nicht zu erwarten [5]. Nur ein gewisser, zeitlich begrenzter okklusiver Effekt ist möglich. Das Ausmaß solcher teilokklusiven Effekte wird bestimmt durch:

1. Typ der Grundlage, zum Beispiel reines Öl, wasserfreie Fettsalben, Wasser-in-Öl- oder Öl-in-Wasser-Emulsionen (nach absteigender Okklusivität aufgeführt)

2. Art und Menge der eingesetzten Lipide

3. Andere Zusatzstoffe wie Spreitmitteln oder Emulgatoren

4. Aufgetragene Produktmenge und Verteilung auf der Haut durch Einreiben

Allein die Kenntnis des Paraffinölanteils in der Ölphase erlaubt demnach keine qualifizierte Beurteilung einer okklusiven Wirkung. Dies ist vielmehr nur durch dermatologisch kontrollierte Anwendungstests unter Messung hautphysiologischer Parameter mit Bioengineering-Methoden möglich, zum Beispiel in Form des Nachweises einer deutlichen Abnahme des TEWL kurze Zeit nach dem Auftragen [6].

Für ein entsprechendes Risiko unerwünschter Wirkungen von Kosmetika, die mehr als 10 Prozent Paraffinöl in der Ölphase enthalten, gibt es nach aktuellem wissenschaftlichem Kenntnisstand keinen Anhaltspunkt. Es handelt sich bei diesem Beurteilungskriterium um eine grobe Vereinfachung, die über das tatsächliche Risikoprofil eines Kosmetikums keinen Aufschluss gibt.

Unabhängig davon ist ein gewisser okklusiver Effekt in vielen Fällen erwünscht, so bei trockener, barrieregestörter Haut, in der Babypflege oder bei der Anwendung von Hautschutzsalben im beruflichen Umfeld [7].

[1] Fluhr JW, Lazzerini S, Distante F, Gloor M, Berardesca E: Effects of prolonged occlusion on stratum corneum barrier function and water holding capacity. Skin Pharmacol. Appl. Skin Physiol. 12 (1999) 193-198

[2] Proksch E: Lipide der Hornschicht: Analyse, Regulation, Funktion. In: Klaschka, F. (Hrsg.): Empfindliche Haut. Diesbach Verlag Berlin, S. (1992) 12-21

[3] Proksch E, Feingold K, Mao-Quiang M, Elias PM: Barrier function regulates epidermal DNA synthesis. J. Clin. Invest. 87 (1991) 1668-1673

[4] Taljebini M, Warren R, Mao-Quiang M, Lane E, Elias PE, Feingold KR: Cutaneous permeability barrier repair following various types of insults: kinetics and effects of occlusion. Skin Pharmacol. 9 (1996) 111-119

[5] Ghadially R, Halkier-Sorensen L, Elias PM: Effects of petrolatum on stratum corneum structure and function. J. Amer. Acad. Dermatol. 26 (1992) 387-396

[6] Jemec GBE, Serup J: Epidermal hydration and skin mechanics. The relationship between electrical capacitance and the mechanical properties of human skin in vivo. Acta Derm. Venereol. (Stockh.) 70 (1990) 245-247,

[7] Maibach HI: Barrier creams (skin protective creams). Cosmet. & Toiletr. 6 (2000) 30-34

Bei den Stellungnahmen der GD handelt es sich um offizielle Positionspapiere der Gesellschaft, die von den Fachgruppen oder anderen Experten der GD erarbeitet und vom Vorstand der GD zur Veröffentlichung freigegeben wurden. Die beiden Stellungnahmen zum Potenzial einer Penetrationswirkung durch PEG-Verbindungen beziehungsweise zur Okklusion durch Paraffinöl in Kosmetika wurden von der Fachgruppe Dermokosmetik erarbeitet und den fördernden Mitgliedsfirmen der GD bereits im August 2001 zur Verfügung gestellt.


nach oben


Dezember 2001 Copyright © 2000 - 2016 ID-Institute for Dermopharmacy GmbH. Kontakt: webmaster@gd-online.de