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GD — Gesellschaft für Dermopharmazie e.V.

   
 

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  Ausgabe 1 (2008)

Dermatotherapie
Gesundheitsökonomie in der dermatologischen Therapie

Neue Sorgen aus der Politik und neue Erkenntnisse aus der Versorgungsforschung


Bericht von Dr. Thomas Müller-Bohn, Süsel, und Dr. Joachim Kresken, Viersen

Seit dem Jahr 2002 werden auf den Jahrestagungen der Gesellschaft für Dermopharmazie auch gesundheitspolitische Entwicklungen und deren Auswirkungen auf die dermatologische Therapie behandelt. Während bei der Jahrestagung 2007 in Düsseldorf die Nutzenbewertung von Arzneimitteln im Vordergrund stand, wurden bei der Jahrestagung 2008 in Berlin aktuelle pharmakoökonomische Aspekte angesprochen und Neuigkeiten aus der dermatologischen Versorgungsforschung vorgestellt. Präsentiert wurden auch die Ergebnisse der ersten Studie, die in Kooperation mit dem Apothekennetzwerk der GD durchgeführt wurde. Am Beispiel dieser Studie zur Versorgung von Aknepatienten zeigte sich, dass Apotheken die dermatologische Versorgungsforschung wirkungsvoll unterstützen und einen wichtigen Beitrag zur Erhebung repräsentativer Daten leisten können.

Zu den bei der GD-Jahrestagung 2008 angesprochenen pharmakoökonomischen Neuigkeiten gehörte die geplante Neufassung der Arzneimittelrichtlinien. Diese enthält nach Ansicht von Professor Dr. Matthias Augustin, Hamburg, das gleiche Problem wie ein Jahr zuvor. Bereits 2007 hatte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) vorgesehen, dass gesetzliche Krankenkassen künftig keine Kombinationspräparate oder -rezepturen mit Kortikoiden mehr bezahlen, sofern es keine Ophthalmika oder Kombinationen mit Antibiotika oder Antimykotika sind.


Professor Dr. Matthias Augustin

Dieses Vorhaben des G-BA wurde jedoch vom Bundesgesundheitsministerium unterbunden, weil keine Anhörung stattgefunden hatte. Nun sei wieder der gleiche Erstattungsausschluss vorgesehen, diesmal mit einer Anhörung. Wenn es zu dem geplanten Erstattungsausschluss komme, wäre sogar die in Leitlinien empfohlene Psoriasistherapie mit einer Kombination aus Calcipotriol und Betamethasondipropionat betroffen, die nachweislich wirksamer sei als eine Monotherapie mit Calcipotriol.

Dissens bei den Methoden
zur Nutzenbewertung

Hinsichtlich der Nutzenbewertung von Arzneimitteln bleibt trotz der gesetzlichen Klarstellung, patientenbezogene Größen wie die Lebensqualität zu berücksichtigen, umstritten, wie die nötigen Daten zu erfassen sind. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) verfolge das Primat randomisierter kontrollierter Studien, doch könne der Nutzen unter Alltagsbedingungen damit vielfach nicht abgebildet werden, erklärte Augustin.

Dies habe sich beispielsweise bei kontrollierten Studien für moderne Antirheumatika gezeigt, die aufgrund ihrer Einschlusskriterien nur für etwa ein Drittel der Betroffenen des Rheumaregisters aussagekräftig seien. Pharmakoökonomische Studien für Etanercept in der Psoriasistherapie machten exemplarisch deutlich, dass sich die ermittelten Kosten-Effektivitäts-Verhältnisse aus kontrollierten Studien und realistischen Anwendungen erheblich voneinander unterscheiden können.

Der Diskurs über diese methodischen Fragen dürfte mit den geplanten Kosten-Nutzen-Bewertungen durch das IQWiG künftig weiter zunehmen, so die Erwartung von Dr. Thomas Müller-Bohn, Süsel. Auf dieser Grundlage sollen Höchstbeträge für die Preise neuer patentgeschützter Arzneimittel so festgelegt werden, dass das Verhältnis aus Zusatznutzen und zusätzlichen Kosten nicht ungünstiger ist als bei früheren Innovationen für die gleiche Indikation. Dies erfordere eine Fülle pharmakoökonomischer Daten auch für bereits etablierte Arzneimittel.


Dr. Thomas Müller-Bohn

Rabattverträge missachten
wissenschaftliche Erkenntnisse

Außerdem kritisierte Müller-Bohn die Gestaltung der Rabattverträge für Arzneimittel. Aus pharmazeutischer Sicht besonders problematisch sei die Regelung des neuen Rahmenvertrages, Salze, Ester, Ether und Isomere eines Wirkstoffes als austauschbar zu betrachten, sofern sich ihre Eigenschaften nicht nach wissenschaftlichen Erkenntnissen erheblich hinsichtlich Wirksamkeit oder Unbedenklichkeit voneinander unterscheiden.

Die Regelung, gleich bezeichnete Darreichungsformen pauschal als austauschbar zu betrachten, untergrabe die pharmazeutische Technologie als Wissenschaft, missachte die Leitlinie der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft zur guten Substitutionspraxis und verhindere Anreize für technologische Innovationen, betonte Müller-Bohn.

In der Diskussion wurden auch die schon existierenden Rabattverträge zu topischen Dermatika kritisiert. Solche Verträge liefen dem Solitärstatus topischer Dermatika zuwider und missachteten die in einer Stellungnahme der GD niedergelegte Tatsache, dass bei Topika neben dem Wirkstoff meistens auch die Grundlage erheblich an der Wirksamkeit beteiligt ist. Während bei der Zulassung wirkstoffgleicher Topika stets die ganze Zubereitung geprüft wird, bleibt dies in Rabattverträgen gänzlich unbeachtet.

Versorgungsstudie im
Apothekennetzwerk der GD

Wesentlich erfreulicher als die angesprochenen gesundheitsökonomischen Probleme waren die vorgestellten Ergebnisse der ersten Studie, die im Apothekennetzwerk hautapotheke.de der GD durchgeführt wurde. Koordiniert wurde die Studie vom Kompetenzzentrum für dermatologische Versorgungsforschung CVderm, das unter der Leitung von Professor Augustin an der Universitäts-klinik Hamburg-Eppendorf eingerichtet wurde. Untersucht wurde die Versorgungssituation von Patienten mit Acne vulgaris.

Zum Hintergrund erklärte die Studienkoordinatorin Dr. Nadine Franzke, dass vor Durchführung der Studie praktisch keine selektiven Daten zur Versorgungssituation von Aknepatienten vorlagen. Insbesondere fehlten Angaben darüber, welche Aknemittel von den Patienten verwendet und durch wen die Therapien veranlasst werden. Auch über die erlebte Versorgungsqualität und den Anteil einzelner Versorger hätten repräsentative Daten gefehlt.

An der Studie beteiligten sich 48 Netzwerkapotheken aus allen Teilen Deutschlands, die insgesamt 504 Aknepatienten befragten und die Ergebnisse der Befragungen in standardisierte Fragebögen eintrugen. Die befragten Patienten (60 Prozent weiblich, 40 Prozent männlich) waren durchschnittlich 22 Jahre alt und im Mittel seit 6,7 Jahren erkrankt, was einmal mehr die Chronizität des Krankheitsbildes unterstreicht. Mehr als die Hälfte empfand außerdem einen starken bis sehr starken Leidensdruck.

Das zum Zeitpunkt der Befragung bezogene Produkt war in 61 Prozent der Fälle ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel, in 14 Prozent ein OTC-Arzneimittel und in 23 Prozent ein Kosmetikum. Benzoylperoxid, äußerlich angewendetes Erythromycin und systemisch verabreichtes Isotretinoin waren die häufigsten Wirkstoffe, wobei es sich in 88 Prozent um eine Folgebehandlung handelte. Die Zufriedenheit mit der Behandlung variierte stark, doch zeigten sich über 85 Prozent compliant, indem sie das bezogene Präparat häufig oder praktisch immer angewandt hatten.

Versorgungsfunktion von
Hautärzten und Apothekern

Besonders interessante Ergebnisse lieferten die Fragen, wen die Betroffenen wegen ihrer Akne bereits aufgesucht hatten und wer das angewandte Präparat verordnet beziehungsweise empfohlen hatte. 78 Prozent gaben an, wegen ihrer Akne schon einmal beim Dermatologen gewesen zu sein. Außerdem war der Hautarzt mit einem Anteil von 66,5 Prozent der wichtigste Verordner beziehungsweise Empfehlende der verwendeten Präparate.

Die zweitwichtigste Rolle in der Versorgung spielte der Apotheker mit deutlichem Vorsprung vor dem Hausarzt, dem Kinderarzt und anderen. Immerhin 35,5 Prozent der Befragten gaben an, sich wegen ihrer Akne schon einmal in einer Apotheke beraten gelassen zu haben, und in 22,8 Prozent der Fälle stammte die Empfehlung des verwendeten Präparats vom Apotheker.


Dr. Nadine Franzke

Insgesamt, so Franzke in ihrem Fazit, stelle die im Apothekennetzwerk der GD durchgeführte Studie zur Versorgung von Aknepatienten einen innovativen und, zumindest in Deutschland, bislang einmaligen Ansatz zur Beschreibung der Basisversorgung einer relevanten Erkrankung dar. Über das Netzwerk werde sowohl im geographischen Proporz wie auch in weiteren Merkmalen eine annähernd repräsentative Abbildung der Versorgung erreicht.

Besonders hervor hob Franzke die hohe Motivation der beteiligten Apotheken. Sie zeige die Bereitschaft der Netzwerkapotheken, mit den Dermatologen zusammenarbeiten zu wollen und gebe Anlass für weitere Studien zur Versorgung anderer häufiger Hauterkrankungen.



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