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GD — Gesellschaft für Dermopharmazie e.V.

   
 

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  Ausgabe 1 (2013)

Dermatotherapie
Prophylaxe und Therapie pathologischer Narben
Wirkstoffkombination mit Zwiebelextrakt verbessert die Narbenheilung

Bericht von Dr. Joachim Kresken, Viersen

Narben entstehen im Zuge der Wundheilung nach Zerstörung des kollagenen Netzwerks der Haut und können, vor allem wenn sie pathologisch verheilen, die Betroffenen auf unbestimmte Zeit sowohl physisch als auch psychisch belasten. Bei einem Seminar im Rahmen der 17. Jahrestagung der GD Gesellschaft für Dermopharmazie vom 21. bis 23. März 2013 in Mainz empfahlen Experten, im Interesse medizinisch und ästhetisch zufriedenstellender Ergebnisse möglichst frühzeitig mit einer Prophylaxe zu beginnen. Zu den Optionen, die zur postoperativen Narbenprophylaxe und Zusatztherapie bei der Behandlung aktiver hypertropher Narben in Frage kommen, gehört auch ein Gel mit der Wirkstoffkombination Zwiebelextrakt, Heparin und Allantoin (Contractubex®). Diesem Gel wird in der im April 2012 veröffentlichten S2k-Leitlinie „Therapie pathologischer Narben (hypertrophe Narben und Keloide)“ der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) ein eigenes Kapitel gewidmet.


Referenten bei dem von der Firma Merz Pharmaceuticals GmbH unterstützten Seminar im Rahmen der 17. GD-Jahrestagung waren Dr. Gerd Gauglitz, Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie der Ludwig-Maximilians-Universität München, und Dr. Jürgen P. Bauerschmitz, Hautklinik am Universitätsklinikum Erlangen. Während Gauglitz die Pathophysiologie überschießender Narbenbildung erläuterte, stellte Bauerschmitz die Optionen der Therapie und Prophylaxe dar.

Narben sind Ausdruck von
veränderter Wundheilung


Verletzungen der Haut werden grundsätzlich nach dem gleichen komplexen, kaskadenartig ablaufenden Wundheilungsprozess geschlossen, erklärte Dr. Gauglitz. Dieser Reparaturvorgang ist zeitlich in drei Phasen gegliedert und zwar in eine entzündliche, eine proliferative und eine regenerative Phase.

Während kleinere, oberflächliche Wunden in der Regel unsichtbar heilen, entsteht bei großflächigen und tieferen Verletzungen eine vorrangig aus Bindegewebe bestehende Narbe. Wie Gauglitz erläuterte, sorgt bei der physiologischen Narbenbildung eine Balance zwischen Kollagenauf- und -abbau für ein mechanisch belastbares Narbengewebe.

Komplexer sind die Verhältnisse bei pathologischen Narben. Abhängig von Veranlagung, Lokalisation und weiteren Faktoren können hypertrophe Narben oder Keloide entstehen. Sie sind Zeichen einer veränderten Wundheilung mit verlängerter Entzündungsphase, vermehrter Bildung von Narbengewebe und reduziertem Abbau von Kollagen.

Gaugitz_2013Dr. Gerd Gauglitz von der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie der Ludwig-Maximilians-Universität München stellte bei einem Seminar im Rahmen der 17. GD-Jahrestagung im März 2013 in Mainz die neuesten Erkenntnisse zur Pathophysiologie überschießender Narbenbildung vor.

Unschöne Keloide können die
Lebensqualität einschränken


Während hypertrophe Narben auf das ursprüngliche Verletzungsareal begrenzt sind, überschreiten Keloide diesen Bereich und können über Jahre weiterwachsen. Sie sind nicht nur kosmetisch unschön, sondern können auch Schmerzen, Juckreiz und Kontrakturen verursachen und so die Lebensqualität der Betroffenen einschränken.

Die genauen pathophysiologischen Unterschiede zwischen hypertrophen Narben und Keloiden sind trotz intensiver Forschungsaktivitäten bisher noch nicht vollständig geklärt. Momentan wird angenommen, dass die Entstehung von Keloiden durch eine im Vergleich zu hypertrophen Narben deutlich verlängerte Entzündungsphase gekennzeichnet ist.

Aufgrund der verlängerten Entzündungsphase kommt es zu erhöhter Fibroblastenaktivität mit vermehrter Bildung von Narbengewebe. Dies wiederum könnte erklären, warum Keloide die Grenze der ursprünglichen Verletzungswunde überschreiten und häufig über Jahre weiterwachsen.

Bauerschmitz_2013Dr. Jürgen P. Bauerschmitz ist als Oberarzt an der Hautklinik am Universitätsklinikum Erlangen tätig. In seinem Vortrag im Rahmen der 17. GD-Jahrestagung machte er deutlich, dass überschießende Narben bis heute kaum kausal zu behandeln sind. Er plädierte deshalb dafür, möglichst frühzeitig mit einer Prophylaxe zu beginnen.

Überschießende Narben sind
kausal kaum zu behandeln


Da die Pathomechanismen der überschießenden Narbenbildung bisher nur unzureichend verstanden werden, stehen derzeit noch keine sicher wirksamen, kausalen Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Neben den seit Jahrzehnten etablierten Verfahren, wie intraläsionale Injektion von Glukokortikoiden, Kompressions- und Kryotherapie, werden heute auch neuere Techniken wie die Lasertherapie zur Narbenbehandlung eingesetzt.

Viele der in den letzten Jahren erprobten medikamentösen Therapieoptionen werden in der DDG-Leitlinie „Therapie pathologischer Narben (hypertrophe Narben und Keloide)“ negativ beurteilt. Dazu gehören zum Beispiel die topische Anwendung von Glukokortikoiden in Form von Cremes und Salben sowie Injektionen von 5-Fluorouracil und Interferon.

Angesichts der schwierigen Therapie sei die Prävention pathologischer Narben besonders bedeutsam, erklärte Dr. Bauerschmitz in seinem Vortrag bei der 17. GD-Jahrestagung. Die Prävention beginne bereits bei der Entstehung der Wunde. Der Patient sollte frische Narben konsequent vor mechanischen Kräften und Sonne schützen und bei Heilungsproblemen frühzeitig seinen behandelnden Arzt konsultieren. Dies gelte insbesondere für Patienten mit Keloidrisiko.

Bei Operationen könne das Risiko für eine pathologische Narbenbildung schon mit einer an die Hautspannungslinien angepassten Schnittführung, geeigneten (spannungsfreien) Nahttechniken und sorgfältiger Nachsorge vermindert werden. Zudem seien Narbenmassagen, Druckverbände sowie die frühzeitige Anwendung von Narbengelen oder -folien zur Prävention empfehlenswert.

Zwiebelextrakt, Heparin und
Allantoin wirken synergistisch


Unter den verfügbaren Narbengelen ist nur das mit der Wirkstoffkombination Zwiebelextrakt, Heparin und Allantoin als Arzneimittel im Handel. Die drei in diesem Gel enthaltenen Wirkstoffe dringen nachweislich in das Narbengewebe ein und tragen über verschiedene Wirkmechanismen zu einer Verbesserung der Narbenheilung bei.

Zwiebelextrakt (Extractum cepae) wirkt antiproliferativ, antiinflammatorisch, bakterizid und regenerationsfördernd. Heparin hemmt ebenfalls Entzündungen und lockert zudem die Kollagenstruktur auf. Allantoin fördert die Wundheilung, wirkt keratolytisch und mildert den Juckreiz.

Das Kombinationsgel ist klinisch und pharmakologisch gut untersucht. In einer neueren tierexperimentellen Studie konnte gezeigt werden, dass das Gel eine erhöhte Kollagensynthese verhindert, indem es die vermehrte Bildung von Wachstumsfaktoren, wie TGF-ß1 und -ß2, sowie die Bildung von Laminin und Fibronektin vermindert (Sahin MT et al, J Drugs Dermatol 11 [2012] 74-81). Dieser Effekt wird auf das im Zwiebelextrakt enthaltene Flavonoid Quercetin zurückgeführt.

Nach Angaben des Herstellers sollte das Gel mindestens zweimal täglich über drei bis sechs Monate in das Narbengewebe einmassiert werden. Um bestmögliche Ergebnisse zu erzielen, sollte mit der Behandlung gleich nach dem Wundverschluss beziehungsweise nach dem Ziehen der Fäden begonnen werden.

Leitlinie „Therapie pathologischer Narben
(hypertrophe Narben und Keloide)“


Die in dem vorliegenden Bericht zitierte Leitlinie „Therapie pathologischer Narben (hypertrophe Narben und Keloide)“ wurde am 30. April 2012 im Leitlinienregister der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) veröffentlicht (Registernummer 013/030). Sie entspricht nach dem Dreistufenkonzept der AWMF einer S2k-Leitlinie.

Federführende Fachgesellschaft der Leitlinie ist die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG), die unter anderem durch Dr. Gerd Gauglitz vertreten wird. Zu den beteiligten Fachgesellschaften gehört auch die GD Gesellschaft für Dermopharmazie. Sie wird durch Privatdozent Dr. Joachim Fluhr, Klinik für Dermatologie, Charité Universitätsmedizin Berlin, vertreten.


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