Suchen | Feedback | Inhalt | English
 
 
Organ der
 

GD — Gesellschaft für Dermopharmazie e.V.

   
 

Home
Ausgabe:
1/2015
1/2014
1/2013
1/2012
2/2011
1/2011
1/2010
1/2009
1/2008
2/2007
1/2007
2/2006
1/2006
2/2005
1/2005
2/2004
1/2004
2/2003
1/2003
2/2002
1/2002
4/2001
3/2001
2/2001
1/2001
1/2000
 
 
 
Weitere Links:
 
 
Gesellschaft für
Dermopharmazie
 
 
 
 
 

 
  Ausgabe 2 (2006)

Dermokosmetik
Topische Cannabinoidrezeptor-Agonisten

Ein rationaler Ansatz zur Hautpflege bei juckenden Dermatosen


Bericht von Dr. Joachim Kresken, Viersen

Ein Hautpflegepräparat mit innovativer Galenik und dem Cannabinoidrezeptor-Agonisten N-Palmitoylethanolamin als juckreizstillendem Wirkstoff (Physiogel® A.I. Creme) stand im Mittelpunkt eines von der Firma Stiefel Laboratorium GmbH geförderten Mittagsseminars im Rahmen der 10. Jahrestagung der Gesellschaft für Dermopharmazie am 4. und 5. April 2006 in Münster. Dabei wurden aktuelle Daten neuroanatomischer und klinischer Untersuchungen präsentiert, die den Einsatz dieses Präparates zur Hautpflege bei juckenden Dermatosen und als Präventivmaßnahme zur Verringerung von Folgeschäden durch UV-Strahlung sinnvoll erscheinen lassen.

„Chronischer, therapieresistenter Pruritus unterschiedlicher Ursache stellt ein häufiges Problem im dermatologischen Alltag dar“, erklärte Privatdozentin Dr. Sonja Ständer, die an der Universitäts-Hautklinik Münster eine Spezialsprechstunde für Patienten mit chronischem Pruritus leitet. Da konventionelle Therapiemaßnahmen in vielen Fällen versagten, seien neue rational begründbare Ansätze zur Hautpflege und Therapie gefragt.


Sie informierten bei einem Mittagsseminar im Rahmen der 10. GD-Jahrestagung in Münster über Neuigkeiten zur Hautpflege bei
juckenden Dermatosen (von links nach rechts): Dr. Hans W. Reinhardt, Offenbach, Privatdozentin Dr. Sonja Ständer, Münster, und Professor Dr. Lajos Kemeny, Szeged/Ungarn.

Körpereigene Substanz
als Wirkprinzip
Ständer stellte die Ergebnisse von aktuellen neuroanatomischen Untersuchungen vor, die den Einsatz von Cannabinoidrezeptor-Agonisten bei Pruritus sinnvoll erscheinen lassen. Cannabinoidrezeptoren werden auf kutanen sensorischen Nervenfasern und auch auf Histamin-freisetzenden Mastzellen exprimiert. Agonisten dieser Rezeptoren wirken Mastzell-stabilisierend und inhibieren so die für den Juckreiz verantwortliche Histamin-Ausschüttung.

Eine körpereigene Substanz, die als potenzieller endogener Cannabinoidrezeptor-Agonist (Endocannabinoid) zunehmend Interesse weckt, ist N-Palmito-yl-ethanolamin (PEA). Mehrere Arbeiten belegen für diese im Stratum granulosum von Säugetieren und auch in der menschlichen Haut nachgewiese Substanz antiinflammatorische und antioxidative Effekte.

Da die Verbindung in entzündetem Gewebe in erhöhter Konzentration auftritt, liegt die Vermutung nahe, dass sie in der Haut eine protektive Funktion besitzt. Wenngleich der Wirkmechanismus noch nicht vollständig geklärt ist, wurde für die handelsübliche PEA-Creme inzwischen in einer Reihe von Pilot-Studien eine juckreizstillende und entzündungshemmende Wirksamkeit festgestellt.

Wirksamkeit bei
Juckreiz belegt


Professor Dr. Lajos Kemeny, der Direktor der dermatologischen Klinik an der Universität Szeged in Ungarn, führte eine offene klinische Studie an 15 Patienten mit atopischem Ekzem durch. Untersucht wurde die Wirksamkeit der Creme im Rechts-Links-Vergleich mit einer einprozentigen Hydrocortison-Creme. Beide Cremes wurden jeweils zweimal täglich über einen Zeitraum von vier Wochen auf die Vorderseite des Unterarms appliziert.

Während die Hydrocortison-Creme das Erythem etwas stärker reduzierte, war die PEA-haltige Creme in der Reduktion des Juckreizes ebenbürtig. Zur Beurteilung des juckreizlindernden Effekts wurde das Studien-Design des intraindividuellen Vergleichs gewählt.

In einer von Privatdozentin Ständer an der Universitäts-Hautklinik Münster durchgeführten offenen Anwendungsbeobachtung erhielten 22 Patienten (12 Frauen und 10 Männer im Alter von 25 bis 82 Jahren) mit Prurigo (n=13), Lichen simplex (n=2) und Pruritus (n=7) die PEA-haltige Pflegecreme ebenfalls zweimal täglich. Bei 14 Patienten (63,6 Prozent) wurde ein guter bis sehr guter antipruritischer Effekt dokumentiert. Im Mittel war eine signifikante Juckreizreduktion um 86,4 Prozent zu verzeichnen.

Die Creme wurde von allen Patienten gut toleriert; es traten keine unangenehmen Sensationen wie Brennschmerz und auch keine Kontaktekzeme auf. Die vorliegenden Ergebnisse zeigen, dass Pflegepräparate mit Cannabinoid-Agonisten bei therapierefraktärem Juckreiz verschiedenster Ursache wirksam und gut verträglich sind.

Weitere mögliche
Anwendungsgebiete


Professor Kemeny wies der PEA-Creme noch weitere mögliche Anwendungsgebiete zu. In einer von ihm durchgeführten Studie wendeten 26 hautgesunde Probanden die Pflegecreme zunächst einen Monat lang zweimal täglich an, bevor ihre Haut mit einer definierten UV-Dosis bestrahlt und dann spektralfluorimetrisch die Erythemintensität gemessen wurde. Die Ergebnisse zeigten, dass das Erythem an den Hautstellen, an denen die PEA-Creme aufgetragen wurde, signifikant schneller zurückging als im unbehandelten Kontrollfeld.

Auch das Ausmaß der Thymidin-Dimer-Bildung, die immunhisto-chemisch an Hautbiopsien von fünf Probanden bestimmt wurde, war bei der mit dem Testpräparat vorbehandelten Haut im Vergleich zur unbehandelten Haut deutlich reduziert. In einem Kontrollexperiment, bei dem die PEA-Creme erst 20 Minuten vor der UV-Bestrahlung aufgetragen wurde, konnte gezeigt werden, dass der Effekt nicht durch eine direkte Absorption von UV-Stahlung durch das Prüfpräparat zustande kommt.

Nach diesen Ergebnissen scheint die regelmäßige Anwendung der PEA-haltigen Pflegecreme auf sonnenexponierten Hautarealen – zusätzlich zur Anwendung von Lichtschutzmitteln – eine sinnvolle Präventivmaßnahme zur Verringerung von Folgeschäden durch UV-Strahlung zu sein.

Innovative Galenik an
der Wirkung beteiligt

Für die hautberuhigenden Eigenschaften der Creme ist allerdings nicht nur der Wirkstoff, sondern auch die innovative Galenik mit der so genannten „Derma-Membran-Struktur“ (DMS®) verantwortlich, berichtete Dr. Hans W. Reinhardt, Pharmazeut und wissenschaftlicher Leiter der Stiefel Laboratorium GmbH. Hintergrund der Entwicklung dieses Trägersystems war die Tatsache, dass konventionelle Emulgatoren die vulnerable Haut-Lipid-Barriere schädigen können, indem sie ihr durch Emulgierung bei nachfolgenden Waschvorgängen Lipide entziehen.

DMS® ist ein System, das ohne solche Emulgatoren auskommt und als Schlüsselsubstanz zur Vereinigung der auch hier vorhandenen Wasser- und Fettphase hydriertes Phosphatidylcholin (HPC) enthält. Im Gegensatz zu den verwandten Liposomen bildet HPC keine kugeligen, sondern ausschließlich lamellare Strukturen. Analog zu den Barrierelipiden der Hornschicht sind die Lipide in Doppelschichten angeordnet.

Ein weiterer entscheidender Vorteil ist, dass HPC im Gegensatz zu den in konventionellen Cremes unverzichtbaren Emulgatoren kaum Irritationspotenzial aufweist. Die Herstellung cremeartiger Zubereitungen mit HPC gelingt nur unter Anwendung hohen Drucks, verbunden mit langen Homogenisierzeiten.


nach oben


September 2006 Copyright © 2000 - 2016 ID-Institute for Dermopharmacy GmbH. Kontakt: webmaster@gd-online.de