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  Ausgabe 2 (2007)

Dermokosmetik
Schönheit von innen

Nahrungsergänzungsmittel mit kosmetischer Auslobung liegen im Trend


Bericht von Stefanie Fastnacht, Neu-Isenburg

Das neue Zauberwort für schöne Haut heißt Nutrikosmetik. Nach Vorstellung der kosmetischen Industrie sollen Verbraucher ihre Haut, Haare und Nägel nicht mehr nur durch äußerliche Maßnahmen, sondern auch von innen heraus schützen und pflegen. Dazu werden immer mehr Nahrungsergänzungsmittel mit kosmetischer Auslobung, so genannte Nutrikosmetika, angeboten, für die in den USA derzeit bereits rund zwei Millionen Dollar im Jahr ausgegeben werden und für die auch in Europa mit einer steigenden Nachfrage zu rechnen ist. Was es mit diesen Präparaten auf sich hat, wie sie juristisch und hinsichtlich ihres Nutzens zu beurteilen sind, war Thema eines Symposiums der GD-Fachgruppe Dermokosmetik, das im Rahmen der 11. Jahrestagung der Gesellschaft für Dermopharmazie im März 2007 in Düsseldorf stattfand.
Glaube man dem Volksmund, komme wahre Schönheit von innen, eröffnete Professor Dr. Rolf Daniels, Tübingen, das Symposium. Aufgrund der steigenden Nachfrage nach Nutrikosmetika habe sich die Fachgruppe Dermokosmetik der GD dazu entschlossen, den aktuellen Stand des Wissens über kosmetische Nahrungsergänzungsmittel in einem eigenen Symposium darzustellen.

Im Grenzbereich zwischen
Arzneimittel und Lebensmittel


Die Rechtsanwältin Dr. Susanne Götting, München, erläuterte die juristischen Aspekte. Rechtlich fallen Nahrungsergänzungsmittel in Deutschland unter die Regelungen der EU-Basisverordnung sowie des Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuches.

Danach dürfen Nahrungsergänzungsmittel keine pharmakologische Wirkung haben. Auch krankheitsbezogene Werbeaussagen zur Beseitigung, Linderung oder Verhütung von Krankheiten sowie Hinweise auf ärztliche Empfehlungen und Gutachten sind unzulässig.

Obwohl der europäische Gerichtshof im Sommer 2005 Kriterien zur Abgrenzung von Arzneimitteln und Nahrungsergänzungsmitteln festgeschrieben habe, so die Juristin, bleibe die Einordnung in der nationalen und internationalen Gerichts- und Behördenpraxis schwierig und uneinheitlich.

Schutz der Haut durch
Antioxidantien

Die Verschiebung des Gleichgewichts von Antioxidantien zugunsten der so genannten Prooxidantien wird als oxidativer Stress bezeichnet. Körpereigene Stoffwechselprozesse, exogene Noxen und UV-Licht führen im Organismus ständig zur Bildung von reaktiven Sauerstoffverbindungen wie Peroxylradikalen oder Singulett-Sauerstoff.

Diese reaktiven Verbindungen beeinflussen zelluläre Signalwege und schädigen wichtige Molekülstrukturen wie die DNA, Proteine, Kohlenhydrate und Lipide. An der Haut können sich diese Schädigungen durch beschleunigte Alterungsprozesse bemerkbar machen.

Antioxidantien wie die Vitamine E und C, Lycopin, ß-Carotin und Lutein aus der Gruppe der Carotinoide, aber auch Flavonoide wie Catechin und Epicatechin können die erwähnten reaktiven Intermediate ausschalten und die Haut so vor Lichtschäden und eventuell auch vor frühzeitiger Hautalterung schützen, führte Professor Dr. Wilhelm Stahl vom Institut für Biochemie und Molekularbiologie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf aus.


Der Markt für Nahrungsergänzungsmittel mit kosmetischer Auslobung boomt. Vielen dieser meist in Form von Kapseln oder Filmtabletten angebotenen Präparaten werden günstige Effekte gegen die Zeichen der Hautalterung nachgesagt. Andere sollen helfen, den Zustand von Haaren und Nägeln zu verbessern.


Flavonoide fangen Radikale ab und absorbieren UV-Licht. Carotinoide sind effiziente Inaktivatoren von Singulett-Sauerstoff. Zellkulturversuche weisen darauf hin, so der Experte, dass für die Wirkung eines Mikronährstoffcocktails eine ausgewogene Zusammensetzung der Einzelkomponenten und eine korrekte Dosierung entscheidend seien. Neben photoprotektiven Effekten ließen sich auch positive Effekte auf die Hautstruktur und die Hautdurchblutung messen. Epicatechin aus dem Kakao zum Beispiel stimuliere die Mikrozirkulation und trage so zu einer verbesserten Versorgung des Hautorgans mit Nährstoffen bei, berichtete Stahl.

Wirksamkeitsnachweise
in Humanstudien

Auch Humanstudien hätten gezeigt, dass sich durch Mikro-nährstoffe und funktionelle Nahrungsmittel dermatologisch relevante Effekte erzielen ließen, doch seien diese insgesamt eher moderat. Primäres Ziel bei Einnahme dieser Mittel könne es deshalb nicht sein, bestimmte Einzeleffekte zu erzielen, sondern den Grundschutz der Haut über längere Zeiträume zu stärken, fasste Stahl zusammen.

Die Anforderungen an das Design von Humanstudien mit Nutrikosmetika seien mit denen von oralen Arzneimittelwirksamkeitsstudien vergleichbar, machte Bioingenieur Stephan Bielfeldt vom Institut proDerm in Schenefeld deutlich. Wegen der zu erwartenden moderaten Effekte und des zögerlichen Anflutens der Substanzen im Zielorgan Haut seien in der Regel höhere Fallzahlen und längere Prüfzeiträume als bei Topika-Studien notwendig.


Zur Objektivierung der Wirksamkeit von Nahrungsergänzungsmitteln mit kosmetischer Auslobung sind aufwendige Humanstudien mit hohen Fallzahlen und langen Anwendungszeiträumen notwendig.

Professor Dr. Ulrike Heinrich vom Institut für experimentelle Dermatologie der Universität Witten/Herdecke gab eine Übersicht über die derzeitige Studienlage. An verschiedenen Beispielen machte sie ihre Einschätzung deutlich, dass die Wirksamkeit von Nutrikosmetika insgesamt gut durch Studien belegt sei.

Für die Substanzklasse der Carotinoide könne aufgrund der vorliegenden Studien von einer photoprotektiven Wirksamkeit ausgegangen werden. Bei täglicher Einnahme von 20 bis 25 Milligramm Carotinoiden über einen Zeitraum von acht bis 12 Wochen werde der Lichtschutz der Haut gegenüber UVB-Strahlung um den Faktor 3 bis 4 erhöht. Dies sollte jedoch nicht zum Anlass genommen werden, bei stärkerer Sonneneinstrahlung auf die zusätzliche Verwendung von topischen Sonnenschutzmitteln zu verzichten.

Positiv sei die Studienlage auch für die zur Verzögerung der Hautalterung eingesetzten Polyphenole und Isoflavone. So wurden für die aus Sojakeimen gewonnenen, auch als Phyto-Östrogene bezeichneten Iso-flavone in einer doppelblinden, placebokontrollierten Studie an 90 Probandinnen über einen Zeitraum von sechs Monaten positive Effekte auf die Hautdichte, die Elastizität und die Hautfeuchtigkeit gefunden.

Nahrungsergänzungsmittel
für Haare und Nägel

Auch zur Verbesserung des Zustands von Haaren und Nägeln werden heute diverse Nahrungsergänzungsmittel angeboten. Teilweise handelt es sich dabei um Präparate, die früher als Arzneimittel vermarktet wurden. Sie sollen vor allem alterungsabhängigen Veränderungen in Wachstum, Farbe und Struktur von Haaren und Nägeln entgegenwirken.

Nach Angaben von Professor Dr. Ulrike Blume-Peytavi von der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie am Berliner Universitätsklinikum Charité biete sich bei Strukturschäden von Haaren und Nägeln die supportive Gabe von aminosäurehaltigen Präparaten und von Biotin, auch in Kombination mit Vitamin A, über einen Zeitraum von drei bis sechs Monaten an.

Die Wirkungen solcher Präparate seien häufig erst nach langfristiger Einnahme zu beobachten, weil die Wirkstoffe mit in das wachsende Haar beziehungsweise mit in die Nagelplatte eingebaut werden müssten. Diese Problematik sowie die Tatsache, dass die gerontobiologischen Vorgänge an Haaren und Nägeln noch nicht umfassend untersucht seien, erschwerten die Durchführung von Studien zur objektiven Beurteilung der Wirksamkeit dieser Präparate.

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