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GD — Gesellschaft für Dermopharmazie e.V.

   
 

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  Ausgabe 2 (2011)

GD Mitteilungen

Stellungnahme der GD weist auf Unterschiede hin
Topische nichtsteroidale Antiphlogistika müssen differenziert betrachtet werden

Bericht von Dr. Eleonore Föhles, Viersen

Die GD Gesellschaft für Dermopharmazie befasst sich in vielerlei Hinsicht mit Arzneimitteln, die an der Haut zur Anwendung gelangen. Dazu gehören neben Mitteln zur Behandlung von Hauterkrankungen auch solche, die durch die Haut permeieren und an anderen Organen ihre Wirksamkeit entfalten sollen. Eine Arzneistoffgruppe, für die dies gilt, sind die topischen nichtsteroidalen Antiphlogistika (Non-Steroidal Anti-Inflammatory Drugs, NSAID), die zur Behandlung leichter bis mittelstarker Schmerzen am Bewegungsapparat angeboten werden. Sie enthalten Wirkstoffe wie Ibuprofen oder Diclofenac und stehen in Form von Gelen, Cremes, Salben, Sprühlösungen oder Pflastern zur Verfügung. In einer Stellungnahme, die am 4. April 2011 anlässlich der 15. GD-Jahrestagung in Vaals (Niederlande) herausgegeben wurde, kommt die GD zu dem Schluss, dass diese Arzneimittel hinsichtlich ihrer Wirksamkeit und Verträglichkeit differenziert zu betrachten sind.


Bei einer Pressekonferenz zur 15. GD-Jahrestagung stellte der GD-Vorsitzende Dr. Joachim Kresken, Viersen, die Stellungnahme vor. „Einer der Gründe für die Erarbeitung der Stellungnahme waren Stimmen, die topischen NSAID nicht mehr als eine Placebowirkung zubilligen wollen“, erklärte Dr. Kresken.

Lehrbuchwissen ist nicht
mehr aktuell


In der im Jahr 2008 erschienen letzten Ausgabe eines anerkannten pharmakologischen Lehrbuchs wird die therapeutische Wirksamkeit von topischen NSAID insgesamt kritisch betrachtet. „Der aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisstand lässt eine derart kritische Gesamtbetrachtung heute jedoch nicht mehr zu“, widersprach Dr. Kresken.

Die vorliegende Stellungnahme der GD fasst die Ergebnisse verschiedener neuer Übersichtsarbeiten, Metaanalysen und placebokontrollierter klinischer Studien zusammen. Sie kommt zu dem Schluss, dass die meisten topischen NSAID insbesondere bei akuten Schmerzen an hautnahen Gelenken nachweislich therapeutisch wirksam sind.


Der GD-Vorsitzende Dr. Joachim Kresken, Viersen, wies anlässlich der 15. GD-Jahrestagung darauf hin, dass topische nichtsteroidale Antiphlogistika hinsichtlich ihrer Wirksamkeit und Verträglichkeit differenziert betrachtet werden müssen.

Als wesentlicher Vorteil der topischen gegenüber der peroralen Anwendung von NSAID wird das geringere Risiko systemischer Nebenwirkungen hervorgehoben. In allen placebokon-trollierten klinischen Studien war die systemische Verträglichkeit von topischen NSAID mit der von Placebo vergleichbar.

Verantwortlich dafür ist nach Dr. Kreskens Angaben die Tatsache, dass die NSAID-Plasmakonzentrationen nach Anwendung auf intakter Haut allenfalls fünf bis 15 Prozent so hoch sind wie nach oraler Gabe. „Dies ist insbesondere bei der Behandlung von Patienten mit kardiovaskulären oder gastrointestinalen Komplikationen von Vorteil“, folgerte Dr. Kresken.

Nicht alle Wirkstoffe sind
wirksam und gut verträglich


Die einzelnen Wirkstoffe unterschieden sich jedoch in ihrer Wirksamkeit und in ihrer lokalen Verträglichkeit und müssten deshalb differenziert betrachtet werden, so Dr. Kresken weiter. Relevante Unterschiede habe zum Beispiel ein kürzlich erschienener Cochrane-Review aufgezeigt.

In dieser Übersichtsarbeit wurde anhand der vorliegenden placebokontrollierten Studien die therapeutische Wirksamkeit von topischem Diclofenac, Ibuprofen, Ketoprofen und Piroxicam bei akuten muskuloskeletalen Schmerzen bestätigt. Für topisches Indomethacin wurde dagegen keine Überlegenheit gegenüber Placebo festgestellt.

Von den für wirksam befundenen Stoffen wird Ketoprofen jedoch hinsichtlich seiner lokalen Verträglichkeit aktuell kritisch gesehen, da die Substanz nach topischer Applikation schwerwiegende photoallergische Reaktionen hervorrufen kann. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat deshalb ein Stufenplanverfahren eingeleitet und die betroffenen Hersteller unter anderem dazu verpflichtet, Hinweise zur Minderung dieses Risikos in die Fach- und Gebrauchsinformationen aufzunehmen.

Auch die jeweilige Galenik
spielt eine wichtige Rolle


Ob und wie schnell die erwünschte Wirkung eines topischen NSAID eintritt und wie lange sie anhält, hängt sowohl von den physiko-chemischen Eigenschaften des Wirkstoffs als auch von der Galenik des jeweiligen Präparates ab. Die meisten topischen NSAID liegen in Form von klassischen Hydrogelen vor, bei denen Carbomer, ein Polyacrylsäurederivat, oder Zelluloseether als Gelbildner verwendet werden.

Eine galenische Besonderheit stellen dagegen die so genannten Mikrogele dar: Hier bilden Poloxamer und Wasser ein hochviskoses transparentes Gel mit flüssigkristalliner Struktur, in welcher der Wirkstoff vollständig gelöst vorliegt. Die kolloide Struktur im Nanometer-Bereich soll dafür sorgen, dass der inkorporierte Wirkstoff das Stratum corneum rasch durchdringen kann.

Für ein handelsübliches fünfprozentiges Ibuprofen-Mikrogel konnte dies in einer biopharmazeutischen Untersuchung am Institut für Pharmazeutische Technologie der Universität Braunschweig gezeigt werden. Im Vergleich zu einer identisch konzentrierten Ibuprofen-Creme wurde für das Mikrogel in der Franz-Zelle mit isoliertem humanem Stratum corneum eine über alle Messpunkte größere Menge an permeiertem Wirkstoff und ein vierfach höherer Arzneistoffflux gefunden.

Diese Befunde lassen erwarten, dass der Wirkstoff aus der Mikrogel-Grundlage schneller durch die Haut aufgenommen wird und am Zielorgan eine rasche Schmerzlinderung bewirkt. Zudem bestätigt er einmal mehr die von der GD immer wieder vorgetragene Tatsache, dass durchaus auch zwischen Topika mit gleichem Wirkstoff und gleicher Wirkstoffkonzentration Unterschiede in der therapeutischen Wirksamkeit vorhanden sein können.

Die GD-Stellungnahme „Topische Analgetika differenziert betrachten“ findet sich unter der Internetanschrift www.gd-online.de.

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