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Ausgabe Oktober 2000

Dermatika-News

Minoxidil
Neue topische Therapie der androgenetischen Alopezie


Minoxidillösungen sind die mit Abstand am besten charakterisierten äußerlich anzuwendenden Haarwuchsmittel. Die jüngst durchgeführten Studien erbrachten eindeutige Wirknachweise. Der relativ schnelle Wirkeintritt nach bereits acht bis sechzehn Wochen ist in erster Linie auf Verschiebungen der Haarwachstumszyklen zurückzuführen, wie Verlängerung der Anagenphasen oder Verkürzung der Telogenphasen.

Nicht jeder Mann, der eine Glatze bekommt, fühlt sich dadurch gestört oder leidet darunter. Manche können den Glatzen sogar Vorteile abgewinnen, wie Privatdozent Dr. med. Hans Wolff von der Dermatologischen Klinik und Poliklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München zu Beginn seines Vortrags im Rahmen der 4. GD-Jahrestagung in Freiburg anhand eines allerdings nicht so ganz ernst zu nehmenden Dias zeigte, auf dem glatzköpfige Herren das Haar in der Suppe suchten; vergeblich versteht sich.

Dass es seit September dieses Jahres jedoch eine neue Option für die Behandlung der androgenetischen Alopezie gibt, wird für viele Männer von Bedeutung sein. Zwar waren vorher schon eine ganze Reihe von Präparaten zur topischen Behandlung der Alopezie bei Männern und Frauen verfügbar, doch fehlt den meisten dieser Präparate die kontrollierte, wissenschaftlich haltbare Wirksamkeitsprüfung. Sie sind größtenteils freiverkäuflich, werben mit verblüffenden Erfolgen und wecken mit großen Versprechungen bei den Verbrauchern die Hoffnung auf eine Lösung ihres Problems.

Minoxidil macht den Unterschied
Minoxidil unterscheidet sich gravierend von den bisher verfügbaren Substanzen. Topische Minoxidillösungen (zwei- und fünfprozentig) haben sich in zahlreichen doppelblinden, placebokontrollierten Studien als wirksam erwiesen. Inzwischen steht in Deutschland eine rezeptpflichtige fünfprozentige Minoxidillösung (Regaine®, Pharmacia & Upjohn) für die Indikation der androgenetischen Alopezie des Mannes zur Verfügung.

Wann entsteht eine Glatze?

Entscheidend sei, so Wolff, die genetische Prädisposition, die jeder einzelne Haarfollikel für sich selbst hat. So könne der Haarfollikel im Bereich der Geheimratsecken bereits im Lebensalter von 20 Jahren prädisponiert sein, jedoch im Bereich des Oberkopfes erst im Alter von 30, 40 oder mehr Jahren. Zurückzuführen sei diese Prädisposition auf das Vorhandensein von Dihydrotestosteron, wodurch die Haarfollikel schrumpfte. Den Wirkansatz des einzigen oralen Medikamentes gegen Alopezie sieht Wolff deshalb in der Blockade dieses Enzyms.

Minoxidil: Nicht neu und längst bewährt

Bereits vor 20 Jahren wurde die Substanz in den USA als Antihypertensivum zugelassen. Einige der behandelten Patienten entwickelten eine Hypertrichose, woraufhin das Unternehmen Upjohn untersuchen ließ, ob eine topische Anwendung von Minoxidil Haarausfall verzögern oder sogar neuen Haarwuchs induzieren kann. Aufgrund dieser amerikanischen Studien wurde bereits 1988 eine zweiprozentige Minoxidillösung in den USA zugelassen. Seit 1997 ist die fünfprozentige Lösung auf dem amerikanischen Markt erhältlich.

Wie wirkt Minoxidil?
Der entscheidende Wirkmechanismus, räumte Wolff ein, sei bislang nicht bekannt. Bekannt sei jedoch, dass Minoxidil ein Kaliumkanalöffner ist. Die topische Therapie bewirke eine Relaxation der glatten Muskulatur der Blutgefäße. Es komme zur Induktion von „vascular endothelial growth factor“, wodurch vermutlich die Vaskularisierung der Haarpapille verbessert werde. Ebenfalls konnten Untersuchungen belegen, dass sich unter Minoxidil Haarfollikelzellen zur DNA- und Proteinsynthese stimulieren lassen.

vorher nachher

In einer amerikanischen Multicenterstudie wurde die Wirksamkeit von Minoxidil bei 393 Männern mit androgenetischer Alopezie im Alter zwischen 18 und 49 Jahren untersucht. Beendet wurde die Studie nach 48 Wochen von 352 Teilnehmern. Diese doppelblinde, placebokontrollierte Studie hatte folgendes Randomisierungsschema:


- 40 Prozent der Männer applizierten zweimal täglich einen Milliliter einer fünfprozentigen Minoxidillösung.

- 40 Prozent verwendeten zweimal täglich einen Milliliter einer zweiprozentigen Minoxidillösung.

- 20 Prozent applizierten zweimal täglich einen Milliliter eines wirkstofffreien Vehikels (Placebokontrolle).

Im Vergleich zum Ausgangsbefund wurde die Zahl kräftiger Terminalhaare auf einem ein Quadratzentimeter großen Testareal nach 6, 16 und 48 Wochen beurteilt, wobei die in der Tabelle aufgeführten Ergebnisse zu verzeichnen waren. Die Ergebnisse dieser Studie kommentierte Wolff anhand der objektiv beurteilbaren Fakten. So konnte der beste Effekt nach sechzehnwöchiger Applikation der fünfprozentigen Minoxidillösung verzeichnet werden. Das Abflachen des Effektes nach 48 Wochen erklärte Wolff mit der Kinetik des Haarwachstums.

Bei Anwendung von Minoxidil würden wahrscheinlich einige Haare verlängert in der Anagenphase gehalten. Sie blieben länger als normalerweise in der Wachstumsphase. Andererseits würden Haare, die in der Telogen-Ruhephase sind, schneller ausgestoßen. Dies habe zur Folge, dass Anagen-Haare schneller nachwachsen. Nach einem Jahr waren unter der fünfprozentigen Minoxidillösung signifikant (45%) mehr Haare auf dem Testareal der Kopfhaut vorhanden als nach Applikation der zweiprozentigen Lösung. Noch deutlicher war der Unterschied zur Placebogruppe.

Woche
Minoxidil (5 %)
Minoxidil (2 %)
Placebo
.
n = 139
n = 142
n = 71

8
+ 29,7
+ 24,9
+ 14,3
16
+35,3
+29.8
+15,3
48
+18,6
+12,7
+ 3,9


Haarausfall bremsen —
damit ist schon viel erreicht


Auch wenn die Haarpracht jugendlicher Jahre durch die Therapie nicht in vollem Umfang zurückzugewinnen ist, waren die Studienteilnehmer mit den Behandlungsergebnissen von Minoxidil sehr zufrieden. In den meisten Fällen waren nach einem Jahr mehr Haare vorhanden als vorher. Dass die Alopezie gebremst werden konnte, war für viele schon ein großer Gewinn. Dies sei, so Wolff, bei 70 Prozent der mit Minoxidil behandelten Männer zu erreichen.

Anwendung einfach und verträglich

Die topische Anwendung von Minoxidil ist unproblematisch und wenig zeitaufwendig. Die Lösung wird morgens und abends auf die betroffenen Kopfhautpartien aufgetragen. Bei der Beurteilung der systemischen Nebenwirkungen ergaben sich im Rahmen der Studie zwischen den drei Prüfpräparaten keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich Blutdruck, Puls, Körpergewicht, EKG, Blutbild, Libido und Potenz. Da Minoxidil eine blutdrucksenkende Substanz ist, wurden auch die Minoxidil-Serumspiegel gemessen. Diese lagen sowohl bei der mit zweiprozentiger (0,7 ng/ml) als auch bei der mit fünfprozentiger Lösung behandelten Gruppe (2,2 ng/ml) deutlich unter der Serumkonzentration, bei der eine Puls- oder Blutdruckveränderung erstmals messbar wird (21,7 ng/ml). An örtlichen Nebenwirkungen traten bei fünf Prozent der Patienten gelegentlich Rötungen und Juckreiz auf.

vorher nachher

Fazit

Abschließend zeigte der Referent das Beispiel eines Patienten, bei dem die Behandlung mit Minoxidil zu erstaunlich gutem Erfolg geführt hatte. Derartige Erwartungen dürften aber keinesfalls bei allen Patienten geweckt werden, warnte Wolff, da das Ansprechen auf die Therapie äußerst unterschiedlich sein könne. Bei völliger Kahlköpfigkeit sei trotz der zweifellos guten Erfolge selbst mit Regaine® kein Haarwuchs mehr zu aktivieren. (ghw)

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