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Ausgabe Oktober 2000

Dermatika-News

Gerbstoff Tamol
Bewährtes Therapeutikum neu entdeckt


Synthetische Gerbstoffe haben aufgrund ihrer guten Wirkung bereits seit langem ihren festen Stellenwert bei Dermatosen unterschiedlicher Art und Genese. Nun konnten für den Gerbstoff Tamol (enthalten in Tannolact®) in modernen In-vitro-Systemen die pharmakologischen Wirkprinzipien nachgewiesen und damit dessen entzündungshemmende und juckreizstillende Eigenschaften erklärt werden. Aufgrund der Wirkung, der guten Verträglichkeit sowie des breiten Grundlagensortiments spielt Tamol nicht nur bei der Verordnung in Klinik und Praxis eine wichtige Rolle, sondern eignet sich auch zur Selbstmedikation leichter Formen entzündlicher Dermatosen.

Wirkungsweise, Indikationsgebiete und Verträglichkeit von Tamol waren Themen eines von der
Firma Galderma Laboratorium GmbH veranstalteten Satellitensymposiums, das im Rahmen der 4. Jahrestagung der Gesellschaft für Dermopharmazie am 24. Mai 2000 in Freiburg stattfand. Synthetische Gerbstoffe werden seit vielen Jahren erfolgreich in der Klinik eingesetzt, wie Professor Dr. med. Ulrich Mrowietz von der Dermatologischen Klinik der Universität Kiel berichtete. Dabei hat die Erfahrungsmedizin dazu geführt, dass sich im Laufe der Zeit verschiedene Indikationen herauskristallisiert haben, zum Beispiel milde Ekzemformen, postoperative Wundbehandlung, Windpocken, Herpes zoster, simplex und labialis, Insektenstiche, Sonnenbrand und akute Urtikaria. Ein wichtiger Gesichtspunkt ist die Wasserlöslichkeit von Tamol, die den Einsatz in hydrophilen Grundlagen ermöglicht.

Pharmakologisches Wirkprinzip
nachgewiesen


Wie der Referent ausführte, sei inzwischen geklärt, dass Tamol eine pharmakologische Wirksubstanz darstelle. Es wurde nachgewiesen, dass Tamol in pharmakologischen Konzentrationen die humane Leukozytenelastase (HLE) inhibiert (halbmaximale Hemmkonzentration: 0,3 µg/ml). Bei der HLE handelt es sich um ein sehr aktives proteolytisches und damit hautschädigendes Enzym der neutrophilen Granulozyten, die sich bei praktisch allen Ent-zündungsreaktionen sehr zahlreich in der Haut finden. Darüber hinaus wurde eine ähnlich potente Inhibierung der humanen Mastzellchymase sowie des humanen Plasmins beobachtet. Außerdem hemmt Tamol die Histaminfreisetzung aus Hautmastzellen, und zwar stärker als Dexamethason in gleicher Konzentration. Dieser Befund erklärt die juckreizstillenden Eigenschaften der Substanz.

In den therapeutisch verwendeten Konzentrationen ruft Tamol keinerlei Nebenwirkungen hervor, wie Mrowietz betonte. Die jahrzehntelange Erfahrung habe gezeigt, dass die Substanz keine allergene Potenz besitzt.

Tamol in der Wundheilung


Die gute Verträglichkeit von synthetischen Gerbstoffen bestätigte auch Dr. med. Matthias Augustin von der Universitäts-Hautklinik Freiburg.
Er berichtete über den Einsatz von Tamol in der Wundheilung. Erfolgreich anwenden lasse sich die Substanz zum Beispiel bei Bagatelltraumen, Platzwunden, Sonnenbrand, Verbrennungen ersten und zweiten Grades, toxischen Dermatitiden, Verätzungen, leichten Wundinfektionen bei postoperativen Wunden, granulierenden Wunden, die auf plastische Deckung warten, Analekzemen, Hämorrhoiden, bullösen Dermatosen sowie erregerbedingten Dermatitiden. Natürlich stehe bei Krankheitsbildern wie beispielsweise einer massiven Candida-Intertrigo, ausgehend von einem Darmbefall, die kausale Therapie, in diesem Fall die Sanierung des Magen-Darm-Traktes, im Vordergrund. Die lokale Applikation von Tamol sei aber in der Lage, die therapeutischen Bemühungen sehr wirkungsvoll zu unterstützen. Ähnliches gelte für chronische Wunden wie das Ulcus cruris, bei dem der Behandlungserfolg durch den Einsatz von Tamol in Form von Bädern gefördert werden könne.

Effektiver Wirkstoff in der
pädiatrischen Dermatologie


Den Stellenwert von Tamol in der pädiatrischen Dermatologie zeigte Dr. med. Martina Bacharach-Buhles von der Dermatologischen Klink der Ruhr-Universität Bochum an klinischen Fallbeispielen auf. Da Kinder oft stärker unter Juckreiz litten als Erwachsene, spielten die antipruriginöse und lokalanästhetische Wirkung neben der Entzündungshemmung eine wichtige Rolle. Die Juckreizstillung komme gerade bei den so genannten klassischen Kinderkrankheiten wie Varizellen oder Masern zum Tragen. Im Fall der häufig auftretenden Windeldermatitis sei als kausale Therapie selbstverständlich eine antimykotische Behandlung angezeigt. Hier bedeute die Anwendung von Tamol nach stattgehabter Erkrankung eine wirkungsvolle Prophylaxe, die vor einer Reinfektion schütze. Beim atopischen Ekzem ließen sich durch die Behandlung mit Tamol externe Steroide einsparen. Insgesamt bewirke die Applikation synthetischer Gerbstoffe beim Ekzem eine Austrocknung, einen Schutz vor Infektionen sowie eine Juckreizstillung. Bei Anwendung in Form von Umschlägen oder als Badetherapie entfalteten die Gerbstoffe einen desinfizierenden Effekt. Damit stehe für die Behandlung des Kindes ein Wirkstoff zur Verfügung, der die Therapie beim Ekzem, bei sämtlichen Infektionen und bei allen mazerierenden oder juckenden Dermatosen unterstütze.

Pluspunkte in der
Selbstmedikation

Für die Selbstmedikation sind tamolhaltige Externa nach Meinung von Dr. Joachim Kresken, Viersen, nahezu ideal. Der Apotheker nannte dafür mehrere Gründe: Zum einen werden diese Präparate von Dermatologen empfohlen und rezeptiert, zum anderen besäßen sie ein relativ breites Indikationsspektrum. Ein weiterer wichtiger Punkt sei, dass der synthetische Gerbstoff in einem breiten Sortiment an gut charakterisierten galenischen Grundlagen zur Verfügung stehe. Dies bedeute, dass der Apotheker stadiengerecht und in Abhängigkeit von der Körperlokalisation die richtigen Grundlagen auswählen und eine entsprechende Empfehlung aussprechen könne.

Als Trägersysteme liegen Gel, Lotio, Creme und Fettcreme vor. Außerdem sind Puder und Badezusätze verfügbar. Das Gel lasse sich vorteilhaft bei akuten Dermatitiden einsetzen. Die Lotio stelle eine gute Alternative zur Lotio alba dar. Beim chronisch-rezidivierenden atopischen Ekzem sei die Creme oder gar die Fettcreme zu empfehlen. In beiden Fällen handelt es sich um O/W-Emulsionen, jedoch mit abgestuften Wasseranteilen. Ein für die Selbstmedikation, aber auch für die ärztliche Verordnung nicht unwesentlicher Gesichtspunkt sei der günstige Preis tamolhaltiger Externa. Insgesamt – so Kresken – sei zu erwarten, dass sich die Präparate auf der Basis synthetischer Gerbstoffe auch in der Selbstmedikation in Zukunft noch stärker durchsetzten, zumal nicht verschreibungspflichtige Alternativen kaum zur Verfügung stünden. (ghw)

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Oktober 2000 Copyright © 2000 - 2016 ID-Institute for Dermopharmacy GmbH. Kontakt: webmaster@gd-online.de