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  Ausgabe 2 (2001)

Dermokosmetik
Hautschutz am Arbeitsplatz
Breites Anwendungsgebiet für eine multiple Emulsion

Auch wenn es mittlerweile durch technische und organisatorische Maßnahmen deutliche Verbesserungen hinsichtlich der Hautbelastung am Arbeitsplatz gibt, bleiben immer noch zahlreiche Risiken für eine Hautschädigung durch berufliche Einflüsse bestehen. Insbesondere bei Tätigkeiten, die häufiges Händewaschen erfordern oder bei denen sich die Hände ständig im feuchten Milieu befinden (Feuchtarbeit), ist die Haut starken Belastungen ausgesetzt. Für diese Arbeitsbereiche gibt es jetzt eine neue Schutzcreme auf Basis einer multiplen W/O/W-Emulsion (Stoko® protect +, Stockhausen; Abbildung 1), für die neben schützenden auch regenerative Eigenschaften nachgewiesen wurden.

Vorgestellt wurde das neue Hautschutzpräparat von Andreas Klotz, Stockhausen GmbH & Co. KG, Krefeld, anlässlich der 5. Jahrestagung der Gesellschaft für Dermopharmazie am 28. März 2001 in Zürich. Wie Klotz darlegte, fand das innovative Rezepturkonzept einer multiplen Emulsion bislang nur Einsatz in hochwertigen Gesichtspflegecremes, nicht aber in Präparaten für den beruflichen Hautschutz. Hier wird klassischerweise zwischen speziellen Hautschutzpräparaten, die vor und während der Arbeit aufgetragen werden, und allgemeinen Hautpflegepräparaten, die primär nach der Arbeit verwendet werden, unterschieden. Die Empfehlung der speziellen Schutzpräparate richtet sich häufig nach der Löslichkeit des Schutzproduktes im jeweiligen Schadstoff: So werden zum Beispiel gegen wässrige Noxen wasserresistente W/O-Emulsionen oder Fettsalben und gegen nichtwassermischbare Schadstoffe O/W-Emulsionen, Suspensionssalben oder Hydrogele empfohlen. In neuerer Zeit sind in einigen experimentellen In-vivo-Humanstudien Ausnahmen zu dieser simplifizierenden Regel gefunden worden (1). Außerdem wird zur Zeit in der Wissenschaft darüber diskutiert, ob ein belastungsadaptierter Hautschutz tatsächlich einen nennenswerten Kontaktschutz aufweisen und die Penetrationsrate von Hautnoxen reduzieren kann. Teilweise wird die Meinung vertreten, dass die Wirksamkeit der Produkte nicht auf einer direkten Schutzwirkung im Sinne einer Abschwächung der Schadstoffpenetration, sondern auf einer Stabilisierung beziehungsweise Regeneration der natürlichen Hautbarriere beruht (2, 3).


W/O/W-Emulsion

W/O-Emulsion
Abbildung 1:
Mikroskopisches Bild der neuen multiplen W/O/W-Emulsion und einer herkömmlichen W/O-Emulsion


Wirksamkeitsnachweise sind
unverzichtbar



Aus dieser Diskussion wird deutlich, dass die Wirkansprüche von Hautschutzpräparaten durch Wirksamkeitsnachweise abgesichert werden müssen. Als Prüfmethoden werden hierfür vor allem Irritationstests mit Modellirritantien wie dem hydrophilen Natriumlaurylsulfat (SLS) und dem lipophilen Toluol vorgeschlagen (1, 4-15). Anerkennung für die Untersuchung von Schutzeffekten auf die Hautbarriere genießt der repetitive Irritationstest (RIT), der erstmals 1993 von Frosch und Kurte (7) beschrieben und später von einer Expertengruppe der Arbeitsgemeinschaft für Berufs- und Umweltdermatologie (ABD; 14) überarbeitet wurde. Bei diesem Modell wird das Irritans (0,5-prozentiges SLS beziehungsweise unverdünntes Toluol) zweimal täglich über einen Zeitraum von einer Woche in Finnkammern auf Hautareale der volaren Seite des Unterarms aufgebracht, die vorher mit Hautschutzprodukt eingecremt wurden.

Die Auswertung erfolgt visuell sowie durch Messung des transepidermalen Wasserverlusts (TEWL) jeweils im Vergleich zu einem nicht behandelten Hautareal. Durch eine Modifikation dieses Verfahrens, bei der die Prüfprodukte erst nach der Irritation aufgetragen werden, lassen sich auch regenerative Effekte auf die Hautbarriere beurteilen (Barrier Recovery Test).


Andreas Klotz ist
bei der Firma
Stockhausen zuständig für die biophysikalische Prüfung von Präparaten für den beruflichen Hautschutz.


Überzeugende Schutzwirkung
auf die Barrierefunktion



Das neuartige Schutzprodukt vom W/O/W-Typ wurde in beiden Modellvarianten an jeweils 15 hautgesunden Probanden auf Wirksamkeit gegenüber SLS geprüft. Als Vergleich wurden reine Vaseline sowie zwei andere handelsübliche Hautschutzpräparate - eine Panthenol und Vitamin E enthaltende W/O-Creme sowie ein wasserfreies Lipogel auf Basis von Vaseline, einem Wachs und einer Silikonverbindung - mitgetestet. Bei der Beurteilung mittels TEWL zeigte die multiple Emulsion eine hochsignifikante Schutzwirkung gegen die durch SLS induzierte Barriereschädigung, die tendenziell beziehungsweise in einem Fall signifikant besser war als bei den anderen Prüfprodukten (Abbildung 2). Darüber hinaus unterstützte sie tendenziell die Regeneration der vorgeschädigten Hautbarriere, was bei den anderen Prüfproduken nicht zu verzeichnen war. Reine Vaseline führte sogar zu einer deutlichen Verschlechterung der Barriererestitution.

Basierend auf diesen Untersuchungsergebnissen bezeichnete Klotz es als lohnenswert, für den beruflichen Bereich auch Hautschutzpräparate zu entwickeln und auf Wirksamkeit zu prüfen, die nicht in das herkömmliche Einteilungsschema passen. Letztlich sei den durch Feuchtarbeit belasteten Berufstätigen damit gedient, wenn sie zum Schutz ihrer Hände ein und dasselbe Präparat sowohl vor, während als auch nach der Arbeit benutzen könnten. Da die getestete multiple Emulsion neben ihrer breiten Schutzwirkung gleichzeitig eine in Anwendungstests bestätigte hohe kosmetische Akzeptanz besitzt, zeigte sich Klotz optimistisch, dass sie sich auch in der praktischen Anwendung bewähren wird. (jk)


Abbildung 2:
Schutzwirkung der neuen W/O/W-Emulsion, einer
W/O-Emulsion, eines Lipogels (LIP) und von Vaseline (VAS)
gegen Natriumlaurylsulfat (SLS; 0,5 %)


Literatur

1. Frosch, P.J. and A. Kurte, Efficacy of skin barrier creams (IV). The repetitive irritation test (RIT) with a set of 4 standard irritants. Contact Dermatitis, 1994. 31: p. 161-168.
2. Berndt, U., et al., Efficacy of a barrier cream and its vehicle as protective measures against occupational irritant contact dermatitis. Contact Dermatitis, 2000. 42: p. 77-80.
3. Zhai, H. and H.I. Maibach, Moisturizers in preventing irritant contact dermatitis: an overview. Contact Dermatitis, 1998. 38: p. 241-244.
4. Grunewald, A.M., et al., Lipophilic Irritants - Protective value of urea- and of glycerol-containing oil-in-water emulsions. Dermatosen, 1996. 44: p. 81-86.
5. Frosch, P.J., A. Kurte, and B. Pilz, Efficacy of skin barrier creams (III). The repetitive irritation test (RIT) in humans. Contact Dermatitis, 1993. 29: p. 113-118.
6. Frosch, P.J., et al., Efficacy of skin barrier creams (II). Ineffectiveness of a popular "skin protector" against various irritants in the repetitive irritation test in the guinea pig. Contact Dermatitis, 1993. 29: p. 74-77.
7. Frosch, P.J., et al., Efficacy of skin barrier creams. Contact Dermatitis, 1993. 28: p. 94-100.
8. Schlüter-Wigger, W. and P. Elsner, Efficacy of 4 commercially available protective creams in the repetitive irritation test (RIT). Contact Dermatitis, 1996. 34: p. 278-283.
9. Zhai, H., P. Willard, and H.I. Maibach, Evaluating skin-protective materials against contact irritants and allergens. Contact Dermatitis, 1998. 38: p. 155-158.
10. Glang-Vetter, S. and F.A. Bahmer, Testing of Weak Irritants by the IT50-method In vivo estimation with an objective, reproducible, and subject friendly irritancy test model. Dermatosen, 1999. 47: p. 157-161.
11. Zhai, H., P. Willard, and H.I. Maibach, Putative skin-protective formulations in preventing and/or inhibiting experimentally-produced irritant and allergic contact dermatitis. Contact Dermatitis, 1999. 41: p. 190-192.
12. Gehring, W., M. Gloor, and P. Kleesz, Predictive washing test for evaluation of individual eczema risk. Contact Dermatitis, 1998. 39: p. 8-13.
13. Zhai, H. and H.I. Maibach, Effect of barrier creams: human skin in vivo. Contact Dermatitis, 1996. 35: p. 92-96.
14. Schnetz, E., et al., Multicentre study for the development of an in vivo model to evaluate the influence of topical formulations on irritation. Contact Dermatitis, 2000. 42: p. 336-343.
15. Wigger-Alberti, W., A. Krebs, and P. Elsner, Experimental irritant contact dermatitis due to cumulative epicutaneous exposure to sodium lauryl sulphate and toluene: single and concurrent application. British Journal of Dermatology, 2000. 143: p. 551-556.

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