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GD — Gesellschaft für Dermopharmazie e.V.

   
 

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  Ausgabe 1 (2013)

Dermopharmazie aktuell
Erste Gedächtnisvorlesung zu Ehren von Professor Korting
Große Trends kennzeichnen die Entwicklung der Dermatologie in den letzten 30 Jahren

Bericht von Dr. Thomas Müller-Bohn, Süsel

Der im Februar 2012 verstorbene Mitbegründer und langjährige stellvertretende Vorsitzende der GD Gesellschaft für Dermopharmazie, Professor Dr. Hans Christian Korting, hat die Fachgesellschaft mit seinem Engagement für eine wissenschaftlich fundierte Dermopharmazie entscheidend mit geprägt. Zum dauerhaften Gedenken an ihn und seine Leistungen hat die GD die „Hans Christian Korting-Gedächtnisvorlesung“ begründet. Die erste Gedächtnisvorlesung wurde vom Schriftführer der GD, Professor Dr. Dr. Thomas Ruzicka, München, zur Eröffnung der 17. GD-Jahrestagung vom 21. bis 23. März 2013 in Mainz gehalten. Darin berichtete Professor Ruzicka über wegweisende Trends und neue therapeutische Konzepte in der Dermatologie während der Zeit des wissenschaftlichen Wirkens von Professor Korting. Die Schwerpunkte seiner Ausführungen waren der Stellenwert der evidenzbasierten Medizin und der Wandel, den die dermatologische Therapie durch die molekulare Medizin erfahren hat.


Zu der ersten „Hans Christian Korting-Gedächtnisvorlesung“ waren neben den Teilnehmern der 17. GD-Jahrestagung auch seine Frau, Professor Dr. Monika-Schäfer-Korting, sowie zahlreiche Freunde und berufliche Wegbegleiter von Professor Korting erschienen. Der Vorsitzende der GD, Dr. Joachim Kresken, Viersen, machte in seiner Einführung noch einmal deutlich, wie viel die Gesellschaft ihrem langjährigen stellvertretenden Vorsitzenden zu verdanken hat.

Referent, Ort und Zeitpunkt der ersten Gedächtnisvorlesung seien sehr bewusst ausgewählt worden. Professor Ruzicka leitet die Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München, an der auch Professor Korting viele Jahre tätig war. In Mainz war Professor Korting aufgewachsen und hatte dort seine wissenschaftliche Laufbahn begonnen. Zudem war der Tag der Gedächnisvorlesung sein Geburtstag.

Mit evidenzbasierter Medizin
ist angemessen umzugehen


Vor diesem Hintergrund legte Ruzicka die Vorlesung als weitreichende Analyse der grundsätzlichen Trends der zurückliegenden 30 Jahre in der Dermatologie an. Als ersten großen Trend beschrieb er die evidenzbasierte Medizin (EBM), mahnte aber zum angemessenen Umgang mit dieser Methode.

EBM dürfe nicht als „Fetisch“ betrachtet werden. Denn ebenso wenig wie ein beliebiger Klavierspieler durch den Blick in die Noten wie ein Virtuose spielen könne, reiche für einen Arzt der Blick in die Leitlinien. Wissen, Können und Erfahrung bei der Deutung des allgemein zugänglichen Wissens seien weiterhin nötig, erklärte Ruzicka.

Außerdem warnte er vor zwei häufigen inhaltlichen Missverständnissen. Fehlende Evidenz dürfe nicht mit fehlender Wirksamkeit verwechselt werden, weil lange etablierte oder ganz neue Therapien möglicherweise nicht oder noch nicht nach den Regeln der EBM untersucht wurden. Vielleicht seien auch nur unzureichende Studien mit zu geringen Fallzahlen gemacht worden.

Doch auch wenn gute Studien fehlten, könne die jeweilige Therapie sehr wirksam sein. Zudem sei hohe Evidenz nicht mit starker Wirksamkeit gleichzusetzen. Denn manchmal könnten auch kleine und daher biologisch irrelevante Verbesserungen durch aussagekräftige Daten klar belegt werden.

Kresken_2013
In seiner Einführung zur ersten „Hans Christian Korting-Gedächtnisvorlesung“ machte der Vorsitzende der GD, Dr. Joachim Kresken, noch einmal deutlich, wie viel die Gesellschaft ihrem im Februar 2012 verstorbenen Mitbegründer und langjährigen stellvertretenden Vorsitzenden zu verdanken hat.

Die molekulare Medizin löste
einen Therapiewandel aus


Als zweiten großen Trend nannte Ruzicka die molekulare Medizin, die auch in der Dermatologie den Weg zu personalisierten und zielgerichteten Therapien eröffnet habe. Ruzicka drückte seine Begeisterung aus, dass die Wissenschaft damit ganz im Sinne der translationalen Forschung schnell Eingang in die klinische Praxis findet.

Im Rahmen der molekularen Medizin werden Tumoren nicht mehr wie früher nach der Morphologie, sondern künftig eher nach der zugrunde liegenden Mutation klassifiziert. Während frühere Behandlungen oft nur bei 15 Prozent der Patienten gewirkt und bei den übrigen 85 Prozent lediglich unerwünschte Nebenwirkungen verursacht hätten, seien nun gezielte Behandlungen möglich, erklärte Ruzicka mit Blick auf die medikamentöse Therapie des malignen Melanoms.

Als Beispiel erwähnte Ruzicka Vemurafenib, das bei B-RAF-mutierten Melanomen die proliferationsfreie Zeit von durchschnittlich 1,6 auf 6,9 Monate erhöht. Doch der Durchschnitt sage wenig aus, da einige Patienten zeitweilig sogar eine volle Remission zeigten und so viel länger von der Therapie profitierten. Allerdings biete der Ansatz keine Heilung, da nach einiger Zeit Resistenzen entstehen könnten.

Die Behandlung sei daher nur ein „Etappensieg“. Doch Ruzicka setzt große Hoffnung auf die Kombination mehrerer zielgerichteter Therapieansätze. Mögliche Kombinationspartner für B-RAF-Inhibitoren sind MEK-Inhibitoren (Hemmstoffe der Mitogen-aktivierten Proteinkinase) und der gegen CTLA-4 gerichtete monoklonale Antikörper Ipilimumab.

Mit solchen Kombinationen könnten Tumorerkrankungen der Haut möglicherweise langfristig beherrschbar werden. Ruzicka verwies in diesem Zusammenhang auf das Vorbild der antiviralen Kombinationstherapie gegen HIV.

Ruzicka_2013Für Professor Dr. Dr. Thomas Ruzicka war es eine große Ehre, die erste „Hans Christian Korting-Gedächtnisvorlesung“ halten zu dürfen. In einem beeindruckenden Referat analysierte er die grundsätzlichen Trends der zurückliegenden 30 Jahre in der Dermatologie und machte zugleich den Einfluss von Professor Korting auf diese Trends deutlich.

Ein großer Trend ist auch der
Vormarsch der Systemtherapien


Ein weiterer großer Trend in der Dermatologie der letzten 30 Jahre sei der „Siegeszug der Systemtherapien“ gewesen. Nachdem Hauterkrankungen bis vor etwa 35 Jahren fast nur lokal behandelt worden seien, würden jetzt in großer Zahl vor allem neue Biologicals entwickelt. Fast wöchentlich erschienen in der Literatur Berichte über aussichtsreiche Substanzen.

Trotzdem gebe es immer noch viele Hauterkrankungen, die derzeit nur unzureichend zu behandeln seien. Als Beispiel dafür nannte Ruzicka die Rosazea. Hier sei jedoch bald mit einer anwendungsorientierten Innovation zu rechnen, wenn voraussichtlich im Frühjahr 2014 die Zulassung für ein Gel mit dem Wirkstoff Brimonidin erteilt werde. Dieses Präparat führe bereits nach einmaliger Anwendung zu einer deutlichen Abblassung der Gesichtsrötung (siehe dazu auch den Beitrag hier...).

Als Trend in der Dermatologie nannte Ruzicka auch die Einbeziehung der ästhetischen Dermatologie. Dies sei folgerichtig, weil alle Hauterscheinungen zur Dermatologie gehörten. Allerdings sollten keine unsinnigen Maßnahmen angeboten werden.

Als letzten und zugleich sehr angenehmen Trend führte Ruzicka die Feminisierung des Faches an. Doch auch dieser Trend habe, wie alle anderen, nachhaltige Folgen für den Arbeitsalltag.

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