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GD — Gesellschaft für Dermopharmazie e.V.

   
 

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  Ausgabe 3 (2001)

Dermatotherapie
Positivliste im Entscheidungsprozess
Konkrete Auswirkungen noch unklar


Die Positivliste befindet sich zur Zeit noch in einem relativ frühen Entscheidungsstadium. Welche konkreten Auswirkungen sie auf das Verordnungsverhalten des niedergelassenen Dermatologen haben wird, ist derzeit noch nicht voraussagbar. Zu befürchten sind Einschränkungen in der Therapiefreiheit insbesondere bei seltenen Erkrankungen. DermoTopics ging der Frage nach, wie sich der niedergelassene Dermatologe auf die zukünftige, wie auch immer veränderte Situation vorbereiten kann.

Das Stichwort „Positivliste” sorgt schon seit Jahren für Diskussionen und bisweilen auch für erhebliche Unruhe unter den Ärzten. Betrachtet man die Positivliste als zukünftige Richtschnur für die Verordnung von Arzneimitteln in der dermatologischen Praxis, dann stellt sich die Frage, welchen Einfluss sie auf das Verordnungsverhalten des niedergelassenen Dermatologen haben wird und was sich ändert, wenn sie Verbindlichkeit erreicht. In einem Gespräch mit Dr. med. Klaus Strömer, niedergelassener Dermatologe in Mönchengladbach-Rheydt und Beisitzer im Präsidium des Berufsverbands der Deutschen Dermatologen (BVDD), wollte DermoTopics Genaueres zum Stand der Positivliste erfahren.

Historie der Positivliste


Bereits vor über einem Jahr wurde auf Veranlassung des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) gemeinsam von der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) und dem BVDD eine Vorschlagsliste mit rund 830 Medikamenten vorgelegt. Diese Liste ist nach Strömers Auffassung für jeden nachvollziehbar, weil sowohl die Datengrundlagen als auch die Bewertungsgrundlagen systematisch und transparent seien. Es handele sich um eine indikationsbezogene Liste von Medikamenten, die von den Dermatologen als notwendig betrachtet werden.

Vor einigen Monaten wurde vom BMG eine Ausarbeitung an die Fachverbände zurückgeleitet, die erheblich von diesem Vorschlag abwich. Die Fachverbände wurden aufgefordert, hierzu bis September 2001 ihre Stellungnahmen abzugeben. Wie sich das Ministerium dazu stellen wird, sei, wie Strömer betonte, seitens der DDG und des BVDD nicht mehr beeinflussbar. Das BMG habe gemäß gesetzlicher Vorgabe ein Institut errichtet, innerhalb dessen sich eine Kommission mit der Erarbeitung der Positivliste befasst. Die insgesamt neun Mitglieder dieser Kommission sind zur Verschwiegenheit verpflichtet.

Strömer erläuterte, dass seitens der Politik bereits seit Jahren die Einführung einer Positiv- oder einer Negativliste angestrebt werde. Dies sei bisher jedoch durch die Pharmaindustrie - teilweise durch Erwirken einstweiliger Verfügungen – blockiert worden. Argumentiert wurde seitens der Industrie mit Verstößen gegen das Wettbewerbsrecht. Im nächsten Schritt des laufenden Verfahrens würden deshalb die betroffenen Hersteller angehört. Erst wenn deren Meinung eingebracht worden sei, solle nach dem Willen des Ministeriums eine endgültige Entscheidung getroffen werden. Hiermit rechnet Strömer frühestens im Jahr 2003, vermutlich sogar erst im Jahr 2004.

Was ist jetzt zu tun?


Strömer betonte, dass mit der Einführung der Positivliste Einschränkungen der Therapiefreiheit zu erwarten seien. Insbesondere bei seltenen Erkrankungen würden bestimmte Therapieoptionen wegfallen. Trotzdem gebe es für den niedergelassenen Dermatologen derzeit keine akute Notwendigkeit, mit Blick auf die Positivliste bereits jetzt sein Verordnungsverhalten zu ändern. Mit Verordnungen, die den Leitlinien wissenschaftlicher Fachgesellschaften entsprächen, sei man „auf der sicheren Seite”. Darüber hinaus sei es ratsam, in der Praxisdokumentation auch die jeweiligen Praxisbesonderheiten mit zu erfassen und bei der jeweiligen Kassenärztlichen Vereinigung (KV) anzumelden.

Das Diskussionsumfeld rund um die Positivliste habe trotz der zu erwartenden Probleme auch gute Seiten. Die Notwendigkeit und der Ruf nach pharmakoökonomischen Daten würden lauter. Solche Daten seien zur Beurteilung der Wirtschaftlichkeit einer medikamentösen Therapie von großer Bedeutung. Strömer bedauerte, dass die Ärzte sich ständig dem Vorwurf ausgesetzt sähen, unwirtschaftlich zu arbeiten, ohne dass hierfür substanzielle Daten vorgelegt werden könnten. Abzuwenden seien solche Vorwürfe jedoch nur dann, wenn klar sei, wo die Kosten überhaupt entstünden und wo eventuell eine medizinische Unterversorgung bestehe, die es aufzudecken und auszugleichen gelte.


Mit Dr. med. Klaus Strömer, Facharzt für Dermatologie und diplomierter Gesundheitsökonom aus Mönchengladbach-Rheydt, sprach DermoTopics über die Positivliste und deren Auswirkungen auf das Verordnungsverhalten des niedergelassenen Hautarztes.

Lob für die Arbeit der GD


In diesem Bereich sei die Arbeit der Gesellschaft für Dermopharmazie (GD) schon relativ weit fortgeschritten und, wie Strömer betonte, von großer Bedeutung. Insbesondere die Fachgruppe Dermatotherapie der GD unter Vorsitz von Privatdozent Dr. med. Matthias Augustin, Freiburg, habe sich dieser Aufgabe verschrieben. Die GD habe bei diesem wichtigen und brisanten Arbeitsthema „den Finger tatsächlich in die Wunde gelegt”. Wenn die Arbeit der Fachgruppe, in der sich Strömer persönlich engagiert, zügig voranschreite, dann werde es auch möglich sein, in der politischen Diskussion dafür zu sorgen, dass die Patienten auf adäquate Weise weiterversorgt werden könnten.

Strömer empfiehlt deshalb seinen niedergelassenen Kollegen, sich auch auf dem Gebiet der Gesundheitsökonomie und deren Teilgebiet der Pharmakoökonomie zu informieren und fortzubilden. Eine Gelegenheit dazu böte das von der Forschungsgruppe „Outcomes Research” der Universitäts-Hautklinik Freiburg organisierte 3. Symposium „Gesundheitsökonomie in der Dermatologie”. Dieses Symposium, das erstmalig in Kooperation mit der GD ausgerichtet wird, findet am 22. März im Rahmen der GD-Jahrestagung in Hamburg statt (siehe auch den Artikel über die 6. GD-Jahrestagung vom 20. bis 22. März 2002 in Hamburg). Das Symposium wurde ebenso wie die GD-Jahrestagung von der Deutschen Dermatologischen Akademie als Fortbildungsveranstaltung zertifiziert. Das genaue wissenschaftliche Programm wird in Kürze auf der GD-Homepage (www.gd-online.de) publiziert. (ghw/jk)

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Oktober 2001

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